Das Gespenst des Antisemitismus

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das Gespenst des Antisemitismus.
von Michael Mansion

Bei Gespenstern gibt es ein ganz besonderes, sie gewissermaßen auszeichnendes Wesensmerkmal.
Sie legen in aller Regel einen großen Wert auf Diskretion, womit gemeint ist, dass sie sich nicht gerne öffentlich machen. Ihre bevorzugte Tages- bzw. Nachtzeit beginnt um Mitternacht und selbst dann soll es Gespenster geben, die nur ganz gelegentlich mal in diffuse Erscheinung treten.

Sie sind in aller Regel auch nicht besonders mitteilungsfreudig und nur wer großes Glück hat, erhascht von ihnen einen leisen Schrei und ihre akustischen Äußerungen beschränken sich normalerweise und natürlich versehentlich auf knarrende Dielen (falls vorhanden), das Knacken von Schlössern, wenn Türen sanft geöffnet oder geschlossen werden oder raschelnde Schabracken bzw. die moderneren Vorhänge.

Es soll Örtlichkeiten geben, an denen sie vermehrt auftauchen, wie etwa alte Schlösser und Burgen, selten gewordene Feuchtbiotope (Moore), wo sie dann alternativ mit dem Schilf rascheln und leise stöhnen, jedoch eher nicht in Neubausiedlungen, Plattenbauten oder auf dem Münchner Stachus, wobei man bei letzterem zweifeln darf, aber davon später.

Gelegentlich wird einigen Mitmenschen (etwas unfreundlich) unterstellt, sie hätten etwas Gespensterhaftes. Damit sind gelegentlich die schon etwas älteren Damen der vornehmlich besseren Gesellschaft gemeint, wenn sie sich mit zu langer, fahnenartig wirkender Bekleidung behängen, die keinen Wind benötigt, um in Wallung zu geraten, so dass diese Damen beim Einherwallen wohlmeinend an seltene Vögel oder weniger wohlmeinend an——wie gesagt erinnern.

Nun soll es ja schon Leute gegeben haben, die beim Anblick eines Gespentes tot oder auch nur einfach mal umgefallen sind. Da die meisten Unfälle bekanntlich in der häuslichen Umgebung passieren, sollte man hier auf jeden Fall vorbeugen, aber ich schweife ab.

Da Sprache möglichst alle Phänomene benennen will, hat sie den Begriff des Gespenstischen erfunden. Dieser greift über das rein Optische hinaus und bezeichnet Erscheinungen der unterschiedlichsten Art, die etwas gemeinsam haben und das ist ihre Unerklärlichkeit.
Solche Unerklärlichkeiten sind in der Geschichte der Menschheit gelegentlich temporär und viele von ihnen haben sich durch die Aufklärung in durchaus verständliche Phänomene verwandeln lassen.
Was bleibt, ist allerdings ein Rest, ein Residium, welches entweder am unvollständigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht aufzulösen ist oder schon mal als geklärt galt, jedoch immer wieder aus unterschiedlichen Gründen in Zweifel gezogen wird.

In solchen Fällen spricht man von einer Gespensterdebatte.
Solche Debatten kennen wir auf ganz unterschiedlichen Ebenen und es ist gelegentlich nicht zu leugnen, dass sie sogar den Charakter einer Geschäftsidee annnehmen können, was in der Praxis bedeutet, dass man mit Gespenstern durchaus Geld verdienen kann.

Denken Sie z.B. mal an Erich von Däniken und an seine Theorie, dass die Götter der Antike (eigentlich) Kosmonauten waren.
Diese Theorie hat sich für ihn sehr gut ausgezahlt!

Selbst so ernste Sachen wie ökonomische Theorien können gespenstisch werden, wenn man z.B. ernsthaft davon ausgeht, dass man mit massenhaft gedrucktem Geld eine Volkswirtschaft stabil halten kann, deren astronomische Schuldenlast im Grunde ein Verschenken der produzierten Waren ähnlich logisch erscheinen ließe, wie die massenhafte Geldproduktion.

Eine ernst zu nehmende Sache ist natürlich auch ein sich dynamisch ausbreitender Antisemitismus auch bei aller Vorsicht gegenüber diesem unscharfen Begriff selbst und dies natürlich wegen unserer noch jüngeren Vergangenheit, denn es hat auch schon andere deutsche Vergangenheiten gegeben, auch wenn sie eher selten glorreich waren.

Wer sich mit dem Holocaust beschäftigt hat, den erfasst ein Gefühl von ohnmächtiger Verzweiflung, welche den Glauben an die eigene Spezies erschüttert. Dabei ist der Kern von solcherlei Verzweiflung nicht so sehr das Morden selbst, denn das Morden und auch das massenhafte, gehört zum Menschen und seiner Geschichte. Das Böse gehört zu unserem Schicksal.

Ein Ausdruck der Moderne in ihrer faschistischen Ausformung, war die industrielle Vernichtung von Menschen, indem man ihnen zur Begründung Minderwertigkeit unterstellte, eine Art von Untermenschsein und damit nicht wert unter (Über-)Menschen zu leben.

Das ist das eigentlich Wesentliche an dieser zu betrachtenden Vergangenheit, deren Hybris jedoch nicht das Menschenbild eines ganzen (in diesem Falle deutschen) Volkes spiegelte, dem man unterstellen muss, dass es sich mehrheitlich einer Clique überantwortet hat, deren fundamental rassistische Arroganz, gekoppelt mit totalitärer Machtausübung, ein europäisches Desaster verursacht hat.

Einen Judenhass hat es jedoch in der deutschen Bevölkerung auch in der NS-Zeit erwiesenermaßen nur dort gegeben, wo die den NS-Staat tragenden Alterskohorten ihn als einen wesentlichen ideologischen Teil des deutschen Faschismus begriffen, akzeptierten und exekutierten. Dem großen Rest der Bevölkerung ist jedoch eine unentschuldbare Gleichgültigkeit angesichts ruchbar gewordener Verbrechen zu bescheinigen.
Hier waren die bösesten Gespenster Wirklichkeit geworden! Sie waren nicht mehr diskret.

Nun erleben wir spätestens seit 2015 ein Aufflammen des Judenhasses nicht durch eine politische „Elite“, sondern durch Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten, die sich mehrheitlich einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen deren wesentlich islamisch fundamentalistische Militanz und Segregationideologie sie in Bürgerkriege stürzte, aus denen sie nach West-Europa und hier vornehmlich nach Deutschland zu entkommen suchen.
Dabei ist ihr Israel-Bild geprägt von einem nachgerade archaischen Hass auf die (für sie) als feindlich definierten Sieger einer Geschichte des Orients im 20. Jahrhundert.

Da sie sich als Muslime einerseits jeder anderen Kultur (da im Besitz der einzigen Wahrheit befindlich) überlegen fühlen und andererseits das Scheitern des „Projekts Allah“ ständig sichtbar vor Augen haben, sind sie in ihre eigene Falle getappt, in der sie – sich ausweglos missverstanden fühlend – ihr Heil in einem permanenten Konfrontationsmodus zur westlichen Welt und hier besonders zu Israel sehen.

Dass sie diese Haltung im Westen nicht einfach aufgeben und eine andere Sicht der Dinge annehmen würden, was unter den Kennern der islamisch-muslimischen Kultur bekannt, jedoch nicht innerhalb der politischen Klasse, die bereits lange vor 2015 alle Bedenken (als Gespensterdebatte) in den Wind geschlagen hatte. Zugleich wurde damit begonnen, alle Kritiker der muslimischen Migrationspolitik zumindest einer Fremdenfeindlichkeit zu bezichtigen, in deren Folge (bei Verschärfung der Tonlage), sich der Vorwurf von „kulturalisiertem Rassismus“ hinzugesellte, wie ihn die Bundeszentrale für politische Bildung erfunden und postuliert hat.

Gerade in Deutschland müsste aber ein Hinweis auf Rassismus sehr klar formuliert sein, zumal die Juden ja nicht deshalb ermordet wurden, weil sie jüdischen Glaubens waren und ein paar andere Gewohnheiten hatten, sondern weil man sie (und das ist wichtig) genetisch für minderwertig hielt.

Das ist nämlich die gleiche Ideologie, welche besondere Verkehrsmittel oder Parkbänke für dunkelhäutige Menschen fordert, wie wir das etwa aus Südafrika kannten.
Neuerdings gab es eine solche Forderung in Belgien, wo die muslimische Gemeinde in Brüssel eigene Verkehrsmittel für Muslime gefordert hat.
Bezöge sich das alleine auf ein religiöses Bedürfnis, wäre es zwar anmaßend, jedoch in einem gewissen Sinne verständlich.
Rassistisch ist es jedoch deshalb, weil Muslime anders- oder Ungläubigen nicht die gleiche menschliche Würde zugestehen. Das macht hier den Unterschied, denn der Ungläubige ist ein Hund, den man belügen und töten darf.

Nun darf man natürlich auch darüber streiten, ob hier auch (zusätzlich) die Würde der Hunde betroffen ist, denn sie sind dem Menschen nicht selten sehr wertvolle und gelegentlich sogar die einzigen Partner, denen es ihrerseits völlig unmöglich ist zu lügen.

Wir halten also einmal fest, dass sich ein Antisemitismus in der Gestalt eines massiven Judenhasses nahezu adäquat mit zur Anzahl der eingewanderten Muslime vervieltausendfacht hat!
In unseren größeren Städten und vor allem in Berlin sieht man die Erfolge solchen Importes und das weiß man natürlich auch innerhalb der Bundesregierung. Deren große Sorge besteht vor allem darin, dass Übergriffe auf Juden möglichst nicht im muslimischen Umfeld angesiedelt werden.
Manchmal gelingt das ganz gut, wenn ein Täter bereits einen deutschen Pass hat und weniger gut gelingt es, wenn unterstellt wird, die oder der Täter seien (nach Tagen) noch nicht identifiziert. Deutsche Täter sind in der Regel in Minutenschnelle zu identifizieren, womit die Angelegenheit schon wieder gespenstisch wird.

Nun seien wir mal ehrlich, denn wer von uns gibt Fehler und vor allem Fehler von größerer Tragweite gerne zu. Eine Beule ist uns in den neuen SUV natürlich von irgend jemandem reingefahren worden, der sich dann verdrückt hat und selbstverständlich sind wir es auch nicht gewesen, die über die schöne Vase aus der Ming-Dynastie gestolpert sind, was nun mal leider ihr Ende bedeutete.

Natürlich sollte man teure Vasen nicht genau dorthin stellen, wo man ständig vorbeirennt und warum tragen manche Juden auch eine Kippa, wohl wissend, dass das im Neu-Berlin unserer Tage nicht mehr so gerne gesehen wird? Ja warum? Das ist provokant und da müssen sie sich natürlich auch nicht wundern, wenn….ja wenn halt usw..
Auch der Versuch einer bildlichen Darstellung des Propheten wird ja schon länger nicht mehr versucht, weil man richtigerweise erkannt hat, dass das die Muslime extrem kränkt, was dann zu bestimmten, nicht genau vorhersehbaren Verhaltensweisen führen kann. Im Grunde ja nur ein kleines Entgegenkommen, mit dem man ungleich mehr für die Sicherheit tun kann als mit teuren Polizeiaufgeboten.

Das hat die Bundesregierung erkannt und arbeitet über den Verband der Muslime in Deutschland mit deren Standesorganisationen zusammen. Das ist gewissermaßen so etwas wie die Werteunion in der CDU, aber halt eine muslimische Werteunion, auf die man sich stets verlassen kann. Sie legt nämlich fest, wie viele Moscheen wir noch brauchen, welche Unterrichtseinheiten in den Schulen neu überdacht werden müssen, welche muslimischen Feste in den Kalender gehören und in welchen Fällen das Recht der Sharia dem bürgerlichen Recht vorzuziehen wäre.

Nun darf man der Bundesregierung keine Einseitigkeit unterstellen, da sie bekanntermaßen nach allen Seiten so offen ist wie unsere Grenzen.
Deshalb arbeitet sie auch sehr eng mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen. Dessen Funktion ist es nicht nur, an eine immerwährende und nie enden wollende singulare deutsche Schuld zu erinnern, sondern er hat auch ein waches Auge auf jenen Schoß, dem er allzeit die Geburt eines neuen Faschismus zutraut. Das sollten wir ihm übrigens ruhig gestatten!

Wir wundern uns allerdings ein wenig, wenn er (der Zentralrat) diese Stunde offenbar gekommen sieht, wie die Zeugen Jehovas den Harmargeddon.
Unisono mit der Bundesregierung beschwört er einen dynamisch wachsenden Antisemitismus, den er – man höre und staune – in der autochthonen deutschen Bevölkerung verortet.
Warum denn das auf einmal fragt man sich verdutzt und versucht herauszubekommen, ob die Juden die Daimler-Benz AG übernommen haben, den Euro durch den Shekel ersetzen wollen, eine neue bolschewistische Weltverschwörung planen oder die Beschneidung aller Männer und einen koscheren Aldi fordern.

Nichts von alledem und bis auf den verschwindend geringen Bodensatz verstockter Nazis im Promillebereich, mit dem man sich in allen europäischen Staaten unsäglicherweise herumschlagen muss, ist ein gesellschaftlich zu verortender Ansatz von militantem sog. Antisemitismus ja auch nirgendwo sichtbar. Außer……..siehe oben.
Noch nirgendwo hat jemand „Juden Raus“ an Hauswände geschmiert, niemand will sie aus öffentlichen Ämtern entfernen und keine SA-Horden stürmen ihre Wohnungen und zerstören ihre Geschäfte.
Das Schänden ihrer Friedhöfe oder Gotteshäuser ist allerdings als Landfriedensbruch zu werten und angemessen zu bestrafen auch dann, wenn es sich um angeblich nur etwas verstörte Jugendliche Täter gehandelt hat!

Nun war die Kanzlerin gerade und auch noch erstmals in ihrer politischen Karrière in Auschwitz, wo sie in angemessener Zerknirschung programmatisch tätig wurde und darauf verwies, dass ein wachsender Antisemitismus nicht hinzunehmen sei und man müsse entschieden dagegen vorgehen. Richtig!
Dem ist nichts hinzuzufügen, aber eine Befürchtung schleicht sich klammheimlich ein, weil man von ihr weiß, dass sie diejenigen nicht gemeint hat, die den Judenhass mit ihrer Hilfe ins Land getragen haben.

Es geht ums Ganze, denn dies zuzugeben hätte möglicherweise nicht unerhebliche Folgen und das könnte einen (politischen) Erdrutsch verursachen, den es pflichtgemäß zu vermeiden gilt.

So mutieren die von ihr gerufenen Gespenster deutscher Herkunft zu den altbekannten Ungeistern eines Antisemitismus, der je nach Bedarf instrumentalisierbar ist und im Zentralrat der Juden in Deutschland einen willfährigen Gehilfen hat, weil dieser auf die Ritualisierung deutscher Dauerschuld im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals angewiesen ist.
Er wird sich hüten, im Islam den Fixpunkt des aktuellen Judenhasses sehen zu wollen, weil von dessen Vertretern weder Scham noch Reue zu erwarten wären.

Dieser muslimische Judenhass bedarf keiner gespenstischen Aura, die den lichten Tag zu scheuen hätte und seine Präsenz bedient sich des öffentlichen Raumes wie einer Bühne, wenn etwa auf dem Münchener Stachus (siehe oben) das Freitagsgebet inszeniert wird, während man sich in Brüssel juristische Gedanken um ein Verbot der Islam-Kritik macht.

Wie kürzlich zu hören, wird auch dem Labour-Abgeordneten Jeremy Corbyn neuerdings Antisemitismus unterstellt. Unsere Qualitätsmedien wussten dies zwar per Zitat oder Aussage nicht zu begründen, aber wer einmal Antisemit war, der bleibt es immer und wer es noch nicht ist, dem wird schnell geholfen.

Das Glück ist immerhin, dass gebildete Juden über solcherlei gespenstisches Geschehen den Kopf schütteln und (siehe Prof. Michael Wolffsohn) den Deutschen eher raten, ein vernünftiges nationales Bewusstsein zu entwickeln, auf dass ihnen beim Begriff Volk nicht sofort ein Angstschauer über den Rücken laufen möge, der sie zur Selbstgeißelung zwingt.

Es gibt keinen neuen deutschen Judenhass, zumal es auch einen alten in einem kollektiv gesamtgesellschaftlichen Sinne nicht gab.
Es gibt Ressentiments, die sich bestätigen lassen oder zu verwerfen sind und es gibt sie gegenüber und innerhalb allen gesellschaftlichen Phänomenen.

Die in Deutschland geführte – oder viel richtiger – die den Deutschen aufgenötigte Gespensterdebatte, um einen dynamisch wachsenden (deutschen) Antisemitismus, ohne dass es für diesen irgend eine irgendwie gesetzte oder vermutete Begründung hinsichtlich eines deutschen Problems mit jüdischen Mitbürgern geben könnte, ist eine nachgerade ungeheure Zumutung und der durchsichtige Versuch vor allem in der Person der Kanzlerin, einen nicht wieder gut zu machenden Fehler zu kaschieren und seine Auswirkungen bei denen zu belassen, die dafür teuer bezahlen werden und massive Nachteile erdulden müssen.

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