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zwischendurch: Hate Speech, der Gute und die Männer

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Hate Speech, der Gute und die Männer


Hate Speech oder Nazikeule,
wie hätten’s denn gern?

Die politische Diskussion ist gerade in sozialen Netzwerken im Eimer. Wer nicht post-modern linker oder grüner Ansichten ist, der wird schon einmal in eine Schublade gesteckt. Man wird nur als Diskutant respektiert, wenn man mindestens pro Homo argumentiert. Nur die leiseste, vorsichtige Kritik an den Buchstabenmenschen (Queer, LGBTQxyz) und man landet in der düsteren Nazischublade.

Manchmal ist die Nazischublade auch getarnt. Dann traut sich der Bessermensch nicht direkt mit dem Begriff des „Nazis“ zu kommen. Er benennt die Schublade nicht direkt, er umschreibt sie. Der Bessermensch kann seine Schubladen tarnen. Dennoch bleiben sie die gleichen. Manchmal hört man nämlich Aussagen wie

Du hast ein reaktionäres konservativ rechtes Weltbild gegen moderne Entwicklungen….!

Macht man ihn darauf aufmerksam, dass er hier die Nazikeule nutzt, kann er rhetorisch schwach behaupten, er habe ja nicht Nazi gesagt.

Die Ablösung der Nazikeule

Die Nazikeule wird aber offenbar vom Gerede über Hate Speech abgelöst. Die Frau mit dem wunderschönen Namen Tamara Wernli klärt uns auf:

Hate Speech: Die neue Nazikeule

Leute mit anderen Ansichten werden stumm geschaltet, indem sie der Hassrede bezichtigt werden.

Die Hate-Speech-Bezichtigung ist die Steigerung des Nazivorwurfs. Über diese werden nämlich neue Zensurwege beschritten. Dem Maas sei Dank. In Großbritannien läuft es ähnlich. Frau Wernli beschreibt, dass dort Zeitungen vom Unikampus verschwinden und unliebsamen Meinungen das Rederecht entzogen wird. Spaßig wird es, wenn die Revolution die eigenen Mütter frisst. Bei der Feministin Germaine Green kann man nicht von Kind der Revolution sprechen.

(…) Die Londoner City University, Heimat einer der weltweit angesehensten Journalistenschulen, verbannte The Sun, Daily Mail und Daily Express – weil diese Zeitungen Hass in der Gesellschaft schüren würden. Studentenorganisationen verbannten Redner vom Campus – wie etwa die Bürgerrechtlerin Maryam Namazie, die sich gegen Islamismus engagiert, oder die Feministin Germaine Greer, weil sie ihre eigenen Ansichten zum Transgenderismus hat. (…)

Ups, es erwischt auch Feministen. Tja, die langsame, verborgene post-modern linke Revolution zeigt seinen gesamten Schrecken. Sie zeigt ihre faschistoiden Begleiterscheinungen. Was man vorgibt zu bekämpfen, führt man ein. Man tarnt die Zensur als Kampf gegen Hate Speech.

Faktum hat einige Zitate von Frau Green in ein kleines Ratespiel gepackt. Dort kann man sich überzeugen, was die Dame so von sich gibt. Gedeckt ist das alles allerdings von Meinungsäußerungsfreiheit.

In die Welten des „Hate Speech

Zunächst zitiert die Autorin die Definition von Hate Speech, um dann zwei Beispielzitate zu bringen, was Hate Speech nun offiziell nach Bessermenschenlaune ist und was nicht.

(…) Beispiele von Hate Speech: «Wenn ich einmal an der Macht bin, wird die Vernichtung der Juden meine erste und wichtigste Aufgabe sein.» (Zitat Adolf Hitler). Oder: «Tötet Erdogan – mit seinen eigenen Waffen.» (Plakat der Revolutionären Jugendgruppe Bern an einer Demo vergangene Woche). (…)

Die Unterschiede mögen nachvollziehbar sein, oder auch nicht. Ich bin eher bei: „oder auch nicht“. Das Hitlerzitat ist übrigens tatsächlich so gefallen. Es gibt mittlerweile Menschen, die den Antisemitismus des Adolf Hitler verklären und die Geschichte verleugnen wollen. Warum aber die Aufforderung „tötet Erdogan“ kein „Hate Speech“ sein soll, das weiß nur der Bessermensch.

Dazu steht im Artikel:

(…) Die Social Justice Warriors, zu deren Mission es zählt, jedes verletzte Gefühl auf der Welt zu schützen, vergaloppieren sich zusehends. (…)

Der Artikel ist ein guter Artikel für zwischendurch.

Der Gute fühlt sich angesprochen

Bei Tichys Einsichten stellt man hingegen fest, dass vieles keine neuen Erscheinungen sind. Dort schreibt man über

Umwertung aller Werte
Friedrich Nietzsche: Der Gute

Herr Nietzsche hat offenbar schon vieles in „Der Wille zur Macht – Versuch einer Umwertung aller Werte“ über „Der Gute“ beschrieben. Im Selbstgefühl des Gutseins kommt es zu den genannten Vorwürfen.

Der Selbsterhaltungs-Instinkt des Guten, der sich die Zukunft der Menschheit opfert: im Grunde widerstrebt er schon der Politik, – jeder weiteren Perspektive überhaupt, – jedem Suchen, Abenteuern, Unbefriedigt-sein. Er leugnet Ziele, Aufgaben, bei denen er nicht zuerst in Betracht kommt. Er ist frech und unbescheiden als „höchster“ Typus und will über Alles nicht nur mitreden, sondern urteilen. Er fühlt sich denen überlegen, welche „Schwächen“ haben: diese „Schwächen“ sind die Stärken des Instinkts, wozu auch der Mut gehört, sich ihrer nicht zu schämen. (…)Friedrich Nietzsche: Der Gute

Nach den Guten die Männer

Walter Hollstein hat einen Artikel in der Faz untergebracht. Dieser wird natürlich kontrovers aufgefasst. Ich sehe den Artikel so: Hollstein sieht die Realität richtig, er deutet sie aber an einigen Stellen falsch. Gewalttätige Ausschreitungen haben zumeist einen anderen Ursprung als den verletzten westlichen Mann.

Man kann über diesen 4-seitigen Artikel hervorragend Diskutieren. Während einige den Artikel als „Male Bashing“ sehen, fassen ihn andere als Erfassung der Realität auf. Zumindest ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die Männlichkeit, die es zu überwinden und zu zensieren gilt, einmal in einen 4-Seiten-schweren Artikel schafft.

„Male bashing“ – das Beschimpfen von allem, was männlich ist – hat Hochkonjunktur. Auslöser ist Donald Trump; Bernie Sanders hat ihn als „Mr. Macho“ etikettiert. Trump gilt als Symbol der „angry white men“, die derzeit für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht werden: Klimakatastrophe, Terrorismus oder Wirtschaftskrise. Nachdem er diese und noch ein paar andere Übel aufgezählt hat, jammert Daniel-Dylan Böhmer in der „Welt“: „Eine Männerkrise bedroht den Planeten“. Und weil Männer gar nichts können, jedenfalls nichts Gutes, fleht der Autor: „Frauen der Welt, rettet uns vor diesen Männern!“

Mit Geduld und einem Bier liest man einen Hollstein. 😉

 

 

 

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