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The Red Pill – Die Aufführung in Berlin

The Red Pill - Movie - Faktum Magazin

The Red Pill
Die Aufführung in Berlin
(am 14.11.2016)

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Wenn eine feministische Filmemacherin aufbricht die mysteriöse und polarisierende Welt der Männerrechtler zu dokumentieren, beginnt sie ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. The Red Pill zeichnet die Reise von Cassie Jaye nach, die eine alternative Perspektive über Geschlechtergleichberechtigung, Macht und Privilegien erkundet.

So lautet die – frei übersetzte – Selbstbeschreibung des Films. Dass die Aufführung des Film The Red Pill überhaupt stattfinden konnte, ist einem Mann zu verdanken: Sebastian Wessels.

Er hat es über ein Crowdfunding Projekt möglich gemacht, dass der Film in Berlin zur Aufführung kam. Man kann ihm gar nicht genug danken. Während sich andere im Internet zerfleischen, hat er Sinnvolles zustande gebracht. Weitere Informationen gibt es auf seiner Seite.

Der Film hat weltweit für Aufsehen und feministische Proteste gesorgt: In Sydney, Australien wäre es fast nicht zu einer Aufführung gekommen. (Link auf Englisch) Der „feministischen Menschenrechtsbewegung“ ist es zu gefährlich, dass immer  mehr Menschen die rote Pille schlucken.

Was bedeutet „rote Pille“?

Der Ausdruck stammt aus dem Film „The Matrix“ (1999). Nimmt man die blaue Pille, bleibt alles beim Alten, nimmt man die rote Pille, sieht man die Wahrheit. Auf die Geschlechter bezogen bedeutet dies, dass die Diskriminierung des männlichen Geschlechts deutlich wird. Es wird bewusst, dass an allem rund um das s. g. Patriarchat vieles nicht stimmt.

This is your last Chance. After this, there is no turning back.
You take the blue pill, the story ends.
You wake up in your bed and believe whatever you want to belive.
You take the red pill, you stay in Wonderland and I’ll show you how deep the rabbit-hole goes.
Remember, all I’m offering you it’s the truth, nothing more

In Berlin konnte man sich aufmachen, die Pille zu schlucken.

Rund um die Aufführung im CineMotion in Berlin

Einlassschild - The Red Pill - Berlin - FaktumAufgeführt wurde der Film in einem normalen Kino. Der normale Kinobetrieb lief in der Zeit weiter: Sebastian Wessels musste also beim Einlass ein wenig improvisieren. Es wurde kurzerhand ein kleines Podium aufgebaut, an dem der Einlass geregelt wurde.

Es wurde auch Platz für einen kleinen Büchertisch gefunden. Man konnte also vor Filmbeginn seine Nase also schon einmal in Bücher zum Thema stecken. Die Auswahl war überschaubar, aber gut.

Es waren insgesamt geschätzt über 150 Personen anwesend, was nicht schlecht für eine Veranstaltung ohne Presse und Werbung ist.

Endlich: Von den Büchern in den Film

Die Zeit vor dem Film verging wie im Flug: Man hielt Smalltalk mit dem ein oder der anderen, hat in die Bücher geblickt und dann ging es auch schon los. Alles war straff organisiert: Der Einlass funktionierte hervorragend und der Film konnte beginnen.

Der Film

Mir war vor dem Film nicht bewusst, dass die Wandlung von der Feministin zur hinterfragenden Persönlichkeit der Filmemacherin tatsächlich einen großen Teil des Films ausmachen würde. Ich wurde positiv überrascht.

Cassie Jaye stellt sich am Anfang des Films zunächst als ehemalige Feministin vor, die das Phänomen der bösartig dargestellten Männerrechtler über einen Dokumentarfilm hinterfragen möchte. Bereits sehr früh bemerkt sie, dass der verteufelte Männerrechtler Dinge sagt, die der Wahrheit entstprechen könnten. In ihr setzt ein Prozess der Wandlung ein.

Diese Wandlung wird im Film durch immer wieder eingestreute Szenen aus ihrem Videotagebuch dokumentiert. In diesen Szenen wird ihre Unsicherheit deutlich, wenn ihr feministisches Weltbild zu wackeln beginnt. Es wird einstürzen.

Trotz Pille: Der Versuch einer objektiven Beurteilung des Films

Ich bilde mir ein, die rote Pille bereits vor zwei oder drei Jahren geschluckt zu haben. Daher waren sämtliche vermittelten Fakten des Films keineswegs neu für mich. Neu und dabei schmerzhaft zugleich war es, Dinge ausgesprochen auf der Leinwand zu sehen. Es ist ein Unterschied, ob man sich Zahlen, Daten und Fakten in Schriftform ansieht oder ob ein Mann persönlich über diese Vorkommnisse berichtet.

Es werden Fakten vermittelt, die man schon lange an vielen Stellen nachlesen kann, die aber ignoriert werden. Dazu gehören die hohe Selbstmordrate bei Männern, die kürzere Lebenserwartung von Männern, Falschbeschuldigungen (Vergewaltigung), die Diskriminierung im Bildungssystem und einiges mehr.

Es ist bedrückend dies Dinge in bewegten Bildern und Tönen wahrzunehmen. Hier wurde hervorragende Arbeit durch die Filmemacherin geleistet.

Die blaue Pille kommt zu Wort

Der einen Seite, wird die andere Seite entgegengesetzt. Die andere Seite wird durch Dr, Michael Kimmel, Chanty Binx (Big Red) und eine Feministin vom Ms.-Magazin repräsentiert. Recht auffällig ist hier im direkten Vergleich, dass die Seite ROT mit Daten und Fakten arbeitet und die Aussagen der Seite BLAU eben genau ohne diese Fakten auskommen will. Es ist erschreckend: Der Kampf von Fakten gegen Ideologie wird deutlich.

Dr. Michael Kimmel gibt bestandlose Argumente von sich, ich habe sie direkt wieder ausgeblendet. Er bringt an einer Stelle bspw. die Rechte Homosexueller ins Spiel, obwohl diese überhaupt kein Thema waren. Die Rechte schwuler Männer stehen sehr wohl auf der Liste der Männerrechtler. Es war absurd.

Chanty Binx war vom Tonfall wie eh und je: Viel unflätiges Geschimpfe, keine Inhalte.

Inhalte aus dem Film kommen im folgenden YoutTube-Clip vor. Der Clip ist vom Amazing Atheist – er ist kein Männerrechtler. Chanty Binx ist die Rothaarige, die auch in diesem Clip vor lauter „Fuck“ kaum zu Inhalten kommt.

Für das Team Rot spielen

Nun gut, eine Sportveranstaltung ist es nicht, dafür ist das Thema zu ernst. Es geht im Film um

  • Selbstmorde von Männern,
  • Kriegsopfern, die fast ausschließlich männlich sind,
  • die Einseitigkeit vor Familiengerichten gegenüber Männern,
  • männliche Beschneidung
  • und vieles mehr.

Doppelmoral bei vielen Themen – je nach Geschlecht

Im Film wird die Doppelmoral die bezüglich der Beurteilung von Geschehnissen aufgrund des Geschlechts des Opfers deutlich. Für diese Doppelmoral eignen sich zwei Beispiele aus dem Film am besten:

  • die Beschneidung und
  • Boko Haram
Männliche Genitalverstümmelung (Beschneidung)

An einer Stelle des Films musste ich weggesehen: Es wurde eine Beschneidungsszene gezeigt. Da ich die Szene nicht gesehen habe, weil ich diese Dinge nicht ertrage, kann ich den Härtegrad nicht beurteilen. Den Jungen, der seinen Penis bei einer missglückten Beschneidung verloren hat, habe ich gesehen. Die Doppelmoral bezüglich männlicher und weiblicher Moral ist widerlich.

In Deutschland sind Beschneidungen von Jungs legal, die Beschneidung von Mädchen steht unter Strafe.

Tote Jungs bei Boko Haram? Bring back our girls!

So richtig deutlich wird die Doppelmoral anhand von Boko Haram gezeigt. Männliche Opfer werden in die Kategorie Mensch gepackt, weibliche Opfer werden immer explizit genannt. Die männlichen Opfer sind in der Überzahl und werden direkt umgebracht. Für Mädchen gibt es die prominent unterstützte Kampagne „Bring back our girls“. Für die Überzahl der Opfer gibt es solche Aktionen nicht – sie sind männlich.

Einige Namen der Männerrechtler im Film

Fazit und Ausblick

Auch wenn ich meine, ich habe die rote Pille schon vor längerer Zeit geschluckt: Der Film hat sich auch für mich gelohnt. Die Dinge, die man sieht, werden noch intensiver, wenn sie nicht nur auf Daten und Fakten gestützt, sondern auch auf weitere Sinne gestützt wahrgenommen werden.

Für alle anderen, die offenen Herzens und offenen Verstandes durch die Welt ziehen, kann dieser Film tatsächlich so etwas wie die rote Pille aus der Matrix bedeuten. Wenn dieser handwerklich und inhaltlich gut gemachte Dokumentarfilm Menschen zum Erwachen verhilft, wäre vieles für eine echte Gleichberechtigung getan.

Echte Gleichberechtigung

Wer einen deutschsprachigen Film möchte, der thematisch in einer ähnliche Richtung geht, den möchte ich bitten, das Projekt von Chris Peherstorfer aus Österreich zu unterstützen. Er plant einen deutschsprachigen Film zu Geschlechterthemen zu drehen. Es wäre schön, wenn sein Projekt realisiert werden könnte und ich irgendwann eine Besprechung zu diesem Film schreiben könnte.

Projekt „Echte Gleichberechtigung“

Nach dem Film in Berlin

Ich wäre gerne noch ein wenig nach dem Film im Kino zum Smalltalk verblieben. Leider hatte ich allerdings keine Zeit. Gesprächspartner waren zumindest vorort und dann noch bester Laune. Ich musste mich leider vorzeitig verabschieden – der Abend war sehr gelungen und wird mir in Erinnerung bleiben.

 

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Sebastian Wessels, der Organisator der Premiere in Berlin, hat nun auch einen Bericht (Englisch) online gestellt.

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