Klimarevolution aus Karlsruhe

Klimarevolution aus Karlsruhe
– eine kritische Betrachtung von Michael Mansion

In der Juni 2021-Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik, findet sich unter der Überschrift „Klimarevolution aus Karlsruhe“ ein Beitrag von  Susanne Götze, in welchem zu lesen ist, ganz Deutschland habe am 29. April 2021 schlagartig erfahren, dass Klimapolitik kein Hobby für Ökos ist.
Davon ist wohl eine Mehrzahl auch nicht ausgegangen, zumal Hobbys in der Regel eher eine individuelle und keine kollektive Angelegenheit sind und dies vor allem dann nicht, wenn ein gewisses Bedrohungsszenario im Raume steht.

Die Autorin spricht dabei von Freiheitsbeschränkungen, die sich durch den Klimawandel für kommende Generationen ergeben und spielt dabei auf ein Szenario an, welches die Menschheit leidvoll durch ihre Geschichte begleitet hat, mussten sich doch schon ganze Völker auf der Flucht vor Dürre oder anhaltenden Überflutungen auf die Suche nach neuen Siedlungsräumen begeben und dies sogar in den uns bekannten vorindustriellen Zeiten.

Das wirft zumindest für den Laien die berechtigte Frage auf, welche anderen, nicht menschengemachten Gründe es für den Klimawandel (noch) geben kann, was die Fachleute auf den Plan ruft.

Dabei ist es nicht ganz unbedeutend, wen man hierbei zurate zieht.

Würde man z.B. einen Astronomen nach dem zentralen Verursacher des Weltklimas fragen, so würde er dies wohl eindeutig mit dem Hinweis auf die Sonne beantworten. Ein Geo-Morphologe sieht vermutlich die Kontinentaldrift als den zentralen Veränderer, ein Astrophysiker die Diskontinuität der Erdrotation und ein Glaciologe sagt uns in spätestens 15 – 20.000 Jahren eine neue Eiszeit voraus. Alle zusammen würden zugleich auf keinen Fall bestreiten wollen, dass der Mensch mit seiner enormen Vermehrung und den von ihm zwecks Wohlstandsvermehrung ausgelösten massenhaften Oxydationsprozessen, mit großer Sicherheit ebenfalls das Weltklima beeinflusst.
Strittig wäre dabei allenfalls der Anteil in %, denn das würde voraussetzen, dass wir schon deutlich länger als gerade mal ungefähr hundert Jahre imstande sein müssten, weltweit exakte Messungen durchzuführen, was leider nicht der Fall ist.

Insoweit kann von einer Revolution aus Karlsruhe eher keine Rede sein, sondern lediglich von einer sich über die Wissenschaft erhebenden Anmaßung, welche unterstellt, dass lediglich der (in seiner Größe vermutete) menschliche Anteil an der Gestaltung des Weltklimas von Bedeutung ist. Allerdings kommt noch hinzu, dass man in Karlsruhe damit (zugleich) den Eindruck zu erwecken versucht, als seien die immerhin bekannten 2,3% des deutschen Anteils am internationalen CO²-Ausstoß von relevanter Bedeutung auf das Weltklima.

Warme Jahre, kalte Jahre

Die Autorin zitiert die Vorgabe einer beabsichtigten Begrenzung der Temperaturerhöhung auf vorindustrielle Werte. Dabei lässt sie jedoch außer Acht, dass es im vorindustriellen Mittelalter in Europa im Durchschnitt deutlich wärmer war als heute. Die Leute litten im Südwesten teilweise an Malaria!

Zugleich gab es in den frühen 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Reihe sehr kalter Jahre, wo vorübergehend sogar die Rheinschiffahrt eingestellt werden musste und damit zu Zeiten, wo die progressiv laufende Nachkriegsindustrie einen deutlich höheren Schadstoffausstoß hatte als aktuell, auch wenn es damals deutlich weniger Autos gab. Eine Überlegung übrigens, die das weltweite Geschehen im Bereich des Vulkanismus ebenso wenig berücksichtigt, wie die Beobachtung und Deutung der sog. Sonnenflecken und damit zwei weitere wesentliche Klimafaktoren, als einem weltweiten und nicht nur regionalen Phänomen.

Der Hinweis der Autorin au Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 2 ist hinsichtlich des sich daraus ableitenden Schutzanspruches der Bevölkerung richtig, wobei, wie in der Satzführung des Beitrages unterstellt, hierbei nicht vom Klima die Rede ist. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes, hätten es sich kaum vorstellen können, dass Deutschland nach einem verlorenen Krieg sich dereinst bemüßigt fühlen könnte, das Weltklima retten zu wollen.

(Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 2 
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.)

Notstand in Nachkriegszeiten

In den Nachkriegszeiten ist man mit dem Begriff eines Notstandes zudem vorsichtig umgegangen, wusste man doch noch sehr genau, wann er berechtigt in Anwendung zu bringen ist.
Der auch von der Autorin verwendete Begriff eines Klimanotstandes, in dem sich die Bundesregierung nach dem Karlsruher Urteil befinde, hätte zu diesen Zeiten ungläubiges Kopfschütteln verursacht.
Wenn dann (nicht nur seitens der Autorin) ein Begriff wie Klimaneutralität zunehmend in Gebrauch kommt, ohne dass diesem eine Definition zugrundegelegt wird, dann darf von einer allgemeinen Begriffsverwirrung gesprochen werden.
Zumindest die eingeforderte Neutralität bedarf eines Referenzpunktes. Sie muss ein Darüber und ein Darunter beschreiben können und könnte eine Kreislaufwirtschaft als ökonomisches Modell favorisieren. Diese hätte nur so viel an Verbrauch zu generieren, wie jeweils wieder nachwachsen kann. Die dann (gerade sehr beliebte) moralische Frage wäre dann allerdings, mit wie vielen Menschen ein solches Wirtschaften bei allseitiger Zufriedenheit auf diesem Globus möglich sein könnte?

Wenn denn die deutschen Industriebetriebe und Haushalte bis zum Jahre 2040 oder gar schon bis 2035 rund 88% weniger Treibhausgase als im Referenzjahr 1990 verursachen sollen, dann müsste es das Ziel verantwortungsvoller Politik sein, den bisherigen Lebensstandard als grundsätzlich nicht mehr damit zu vereinbaren dargestellt werden. Das wäre dann in der Tat wirklich revolutionär, zumal sich außer Deutschland niemand daran halten wird.

Die EU in Brüssel braucht dann auch keine zusätzlichen Ziele mehr zu beschließen, wie die Autorin anmerkt, denn die reichlich 50 Mrd. € die sie jährlich alleine aus Deutschland bezieht, werden mangels Masse nicht mehr verfügbar sein.

Was die AfD-Schelte der Autorin angeht, so beobachte ich diese Partei sehr genau, wobei mir dort niemand bekannt ist, der jemals einen Klimawandel geleugnet hätte, weil das zugleich die Leugnung aller bisherigen Klimaveränderungen auf der Welt bedeuten würde. Allerdings gibt es dort Abgeordnete, die einen ausschließlich vom Menschen verursachten Klimawandel bestreiten, wobei sie sich damit grundsätzlich im Kontext mit den bisher bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen befinden.

Interessant ist immerhin, dass die Autorin im Zuge der sog. Klimapolitik auf „gewisse soziale Härten“ verweist, zu denen es vermutlich kommen könnte, was dann – wie sie meint – „diesen Kräften“ (gemeint ist die AfD) erheblichen Zulauf bescheren könnte.

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