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Über „Widerworte: Warum mit Phrasen Schluss sein muss“

Alexander Kissler
Widerworte: Warum mit Phrasen Schluss sein muss
Eine Buchbesprechung von Michael Mansion

Der Autor spricht im Vorwort von einer „Bestimmung des Denkens“, welches sich verbaler Unterwerfung bedient und sei es auch nur, dass von einem Mut die Rede ist, „man selbst“ sein zu sollen und dabei natürlich so wie alle anderen.

Parallel hierzu gibt es ein Interregnum von entleerten Begriffen, die sich zwar noch finden, aber sie verkommen zu Platzhaltern, zu verbalem Treibsand, zu Phrasen, welche Inhalte nur noch simulieren.
Was nach individueller Sorge klingt, wird zum kollektiven Herrschaftsinstrument. Die Politik als das natürliche Habitat der Phrase.
Bislang klare Begriffe werden durch inflationären Gebrauch vom zuvor bezeichneten Ausnahmetatbestand zum Regelfall und betreiben damit ihre Entwertung.

Moralisierender Dauergebrauch und strategische Instrumentalisierung, sind die Grundlage der monologisierenden Verlautbarungen, die das Risiko der Widerrede bereits eliminiert haben.
Demokratische Unmöglichkeit – so der Autor – werde so zur Normalität.
Eine öffentlich-mediale Redeweise treibe die Implosion der Begriffe im Gleichklang voran, während sich ein öffentlich wacher Geist verabschiedet hat.

Eine Diffamierung des Dagegenseins (Sonnemann), verhindert einen Staat, als für die menschliche Freiheit in Funktion befindlich.
Der „einmütige Beschluss“ lässt das deutsche Herz schwellen, wenn es im Konsenswahn „Große Koalitionen“ betreibt und wäre doch gut beraten, die Befreiung des Wortes aus der Phrase zu betreiben.

Ob der Heimatbegriff mit dem Verschwinden der gewerkschaftseigenen Immobiliengesellschaft „Neue Heimat“ seine Wertigkeit verlor, ist eine eher scherzhafte Frage des Autors, aber er ist sich zugleich sicher, dass man mehrere Heimaten so wenig haben kann, wie ein Baum mehrere Wurzeln und dies selbst dann, wenn der amtierende Bundespräsident das mit Hinweis auf die vielen Migranten zu glauben scheint, die ihm seine Theorie wohl eher nicht bestätigen werden.
Zugehörigkeiten können entstehen oder eine bewusste Abkehr.
Es mag dann verwundern, wenn in Deutschland geborene Türken, nach einigen Jahrzehnten ihr Herz für die Türkei und ihren amtierenden Despoten entdecken.
Die Grünen werden vermutlich sagen, dass wir dann für die Integration mehr Geld in die Hand nehmen müssen.
Was aber, wenn es sich bei den Heimattreuen bereits um Millionäre handelt?

Heimat als Wohlfühloase einer produktiven Diskursgemeinschaft, deren Ort erst noch zu (er-)schaffen wäre.
Viele multiple Identitäten auf dem Weg in die multiethnische, gewaltfreie und religionsoffene Gesellschaft, in der wir vermutlich keine Stärkeren mehr treffen werden, sondern nur noch gleich Schwache, die aus diesem Traum mit uns unsanft erwachen werden oder halt auch nicht mehr.
Der heimatlose Mensch als billigste Beute ökonomischer und politischer Manipulationsversuche.

Wenn unter dem Projekttitel „Heymat in Berlin“, hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle“ untersucht werden, ist das hölzerne Eisen nicht weit—so der Autor.
Die Heimat als ein „Offenes Meer der Freiheit“, ist eine Verheißung, auf der man einen Staat nicht bauen kann.
Vielfalt als Identität wirkt ein wenig verwirrend, wenn nicht so ganz klar ist, auf welchen buntbewegten Pfaden aus dem Sein ein Sollen werden kann (Kissler).
Was geht da eigentlich über Bord, wenn umstandslos behauptet werden kann, unsere Identität heiße Vielfalt und diese sei ein unbedingt unterstützenswertes Projekt?

Höchst gegenständlich wird die Debatte dort, wo sich Asylbewerber durch einige „bunte“ Identitäten mogeln und dabei zwischen 20 und 70 000€ ergaunern.
Ihre wahre Identität konnte bis heute nicht festgestellt werden.
Auch der Attentäter vom Breitscheidplatz hatte 14 verschiedene Identitäten genutzt.
Das Vielfalt-Konzept der sog. „Offenen Gesellschaft“ hat weitreichende praktische Folgen, wenn „Grenzenlose Solidarität“ statt „Tödliche Abschottung“ gefordert wird.
Vielfalt und Solidarität verbinden sich dabei zu einem humanitaristischen Hadrianswall, welcher, wie der aus der Wirtschaftssoziologie entlehnte Begriff von Diversity, nahezu unüberwindbar angelegt ist.

Ein „zu viel“ an Diversity darf es nicht geben, dafür aber eine „Charta der Vielfalt“, ins Leben gerufen von vier Unternehmen der Bundesregierung bzw. der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration und dies natürlich unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität (ja—aufgepasst!), Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschuung, Behinderung, Alter, sowie sexueller Orientierung.
Das ruft Orientierungshilfen für die Medien auf den Plan, weil niemand mehr sagen und wissen kann, ob er sich als Herkunftsdeutscher oder als Inlandsgeborener zu bezeichnen hat und antidiskriminierend unterwegs ist.

Nach neuester Lesart bedeutet Islamismus übrigens keine Gleichsetzung mehr mit Terrorismus, Gewaltbereitschaft oder Extremismus.
Islamist zu sein bedeutet, islamistischer Gesinnung zu sein, was alleine nicht verboten ist, sondern nur in Verbindung mit strafbaren Handlungen.

Dahinter stehen die „Neuen Deutschen Medienmacher“ (NDM), ein bundesweiter Zusammenschluss von Medienschaffenden aus unterschiedlichen Ländern.
Es gibt jetzt also einen legalen Islamismus ebenso, wie nichtweiße Weiße, die so mächtig sind, als ob sie weiß wären und deshalb nicht weiß genannt werden dürfen.
„Diese Neuen Deutschen Medienmacher*innen engagieren sich gegen Hassrede im Netz und betreiben einen Onlineknotenpunkt für geflüchtete Menschen in Deutschland mit der Expertendatenbank „Vielfaltfinder“, auf der rund 450 Expert*innen – allesamt mit Migrationshintergrund – zugange sind“.

Ja,–was kann einer Stadt—was kann einem Land besseres passieren?
Diversität als großer Gewinn für die Staatsverschuldung, nachträglich befeuert von Fr. Monika Grütters (CDU).
Vielfalt als antinazistische Schutzimpfung oder auch als Ausdruck eines sadomasochistischen Kulturverständnisses.
Vielfalt und Wandel auch im Verständnis der Bertelsmann-Stiftung, im Sinne einer entwicklungsfähigen Gesellschaft, an die Adresse der ewiggestrigen Zweifler, ist einer der medialen „Kernkompetenzen“ für die „Neue Wahrnehmung“ vom fortschrittlichen Denken.

Die Rede von der „Offenen Gesellschaft“ – so der Autor, hat immer einen utopischen Überschuss, eine romantische Sehnsucht.
Im Umfeld der Wirklichkeiten sind die Dinge komplizierter.
Eine offene Gesellschaft wäre eine selbstkritisch-zivilgesellschaftliche, in der die Institutionen von den Bürgern kontrolliert werden.
Eine schrankenlose Offenheit untergräbt dagegen die Rechtsnormen mit einem Durcheinander der Religionen, Kulturen, Sprachen, sowie unterschiedlichen Rechts und Wertvorstellungen.
Sie bedeutet zugleich Gegensätzlichkeit, Bindungslosigkeit, Vereinzelung und ein verlorenes Wir-Gefühl.
Sie ist keine soziale Klammer, sondern das Gegenteil (Kirschhofer-Bozenhardt).

Es wird viel in die Kanzlerin hineininterpretiert, aber die Dinge liegen wohl ganz einfach, denn sie bringt, wie Alexander Kissler meint, das protestantische Pathos der Pfarrerstochter mit. Viel mehr ist es wohl auch nicht.

Die Philosophen Michael Hardt und Antonio Negri wollen „die Kirchen der Linken räumen, ihre Türen verrammeln und sie niederbrennen“, während die SPD im Bundestagswahlkampf von 2013 ein neues Wir-Gefühl entdecken wollte.
Aber wer ist eigentlich der Verwalter dieses Gefühls und um welches Ziel geht es? Merkels „Wir schaffen das“ umfängt ein Hauch von Spät-Romantik und eher weniger ein moralischer Rigorismus.
Der Beschwörungscharakter einer Beschwörungstreue tritt zutage, welche im Lande der ewigen Täter hymnisch erlebt wird.
Ein Schuft, wer dagegen zu sein wagt, während die vornehmlich jungen einwandernden Männer zu Zensoren einer Bewertung Deutschlands werden.
Deutschland als Land der Hoffnung! Welche Erlösung!
Welche Ich-Erhöhung, die als Wir Appell daher kommt und die Deutschen endlich von der Geschichte freispricht.

Erleichterte Einreise und erschwerte Abschiebung, während Italien und Griechenland in die Überforderung taumeln, da längst klar sein muss, dass sich der Rest Europas nicht an einem „fairen“ Verteilungssystem beteiligen wird.
Dieses fände ohnehin keine Entsprechung, weil der konkurrenzlos attraktive deutsche Sozialstaat wie ein Staubsauger wirkt.

Zugleich geriert sich die Kanzlerin als eine von Sachzwängen getriebene, zum Spielball schicksalhafter Geschehnisse, die man nicht beeinflussen kann.
Deutschland braucht die „Flüchtlinge“, um es mit sich selbst auszuhalten. Das neue „Wir“ darf dann auch ein Stück stolz auf sich sein. Dies vor allem dann, wenn es sich globalistisch verbrämt.
Schicksal als gegebene Situation, verengt jedoch die Handlungsspielräume des Politischen.
Dabei wird jede politische Vernunft von einem alles überwölbenden Global-Romantizismus neutralisiert, welcher die Welt wissen lässt, dass Deutschland wieder gut ist.

Dass Europa gerade über die Migrationsfrage zerstritten ist, vermittelt sich der Kanzlerin und ihrer interessanterweise eher pseudo-linken Anhängerschaft durchaus und führt zu diversen Drohgebärden (Entzug von EU-Mitteln), sowie Aufrufen, die an Kriegsanleihen erinnern.
Die Kanzlerin orakelt derweil über „ganz andere schlimme Folgen für unser Land“ im Falle eines Zurückweisens des Migrentenstromes.
Was meint sie da? Einen Totalruin des deutschen Ansehens in der Welt, fragt der Autor?
Zugleich bemüht sie die Geschichte, aus der wir zu lernen hätten, möglichst großzügig zu sein, gewissermaßen als Lackmustest für wiedergewonnene deutsche Zivilität.
Die „Willkommenskultur“ als Alternativlosigkeit zur deutschen (Nazi-)Geschichte, bei gleichzeitiger (alternativloser) Einbindung in die EU, wo „Wir“ beweisen können, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. Das ist dann so etwas wie eine staatsbürgerliche Pflicht.

Respekt ist in diesem Zusammenhang eine oft bemühte Vokabel, die den Anschein zu erwecken sucht, alles und jedes verdiene ihn, weil es nun mal da sei. Vermutlich auch schlechtes Wetter oder Dauerhitze.
Rassismus natürlich nicht, weil der respektlos ist, aber das hätten wir zur Not gewusst.

Die Stadt Köln warb an Silvester 2017 um Respekt miteinander, wohl in Erinnerung an die Ereignisse von 2015.
Respekt also vor einer vormodernen, partrarchalischen Herrschaftskultur, die wohl kaum vertunsichert sein wird von einer Kultur, in welcher die Männer ihre Frauen nicht mehr verteidigen, offen für das Schwulsein geworben wird und 62 Geschlechter erfunden werden.
Die Liste der Respekt-Bündnisse, Stiftungen, Kampagnen, Büros, Initiativen und Vereine geht in die Hunderte und wird mit Vorzeigesportlern garniert.
Das kommt wohl davon, dass, wie der Autor erkennt, Würde mit Respekt verwechselt wird, denn den letzteren muss man sich mühsam erwerben. Er ist eine Bringschuld.
Dem Autor ist in diesem Zusammenhang auch nicht das wohlfeile Geschwätz der Bundeszentrale für politische Bildung entgangen.

Im Gegensatz zum unscharfen Rückzug auf eine allgemeine und verbriefte „private“ Religionsfreiheit, hat der Autor in dankenswerter Weise das Private einer genaueren Betrachtung unterzogen und kommt zu der (erwartbaren Erkenntnis), dass es so privat im religiösen Umfeld garnicht zugeht, wenn einmal der Staat nicht wirklich säkular ist und wenn das Umfeld der gewachsenen Lebenswirklichkeit von der Religion (mit-) geprägt ist. Das Fazit lautet:
Religion ist keineswegs nur Privatsache, darf jedoch nie zur Staatssache werden.

Wenn Martin Schulz meint, dass uns die Flüchtlinge den „verlorenen Traum von Europa“ neu träumen lassen, dann ist zu konstatieren, dass er nicht mehr alle Nadeln an der Tanne hat, aber der Autor hat das nicht gesagt und will es dabei nicht bewenden lassen.
Er fragt nämlich, ob sich der europäische Denker Martin Schulz nur im Falle Deutschlands in so umfänglich euphorischem Höhenflug begreift und es nur die deutschen Fehler der Geschichte sind, die zu weit offenen Grenzen gemahnen. Und wenn denn es denn so sein sollte, warum sollte der Rest Europas daran mittragen?
Natürlich muss auch Europa schuldig gesprochen werden, denn sein Wohlstand erzeugt ein Wertegefälle, weshalb es natürlich (moralisch) zu umfänglicher Hilfe verpflichtet werden kann.
Bei Verweigerung „ertrinken Europas Werte im Mittelmeer“. So einfach ist das!
Wenn dann auch noch der Papst in seiner Friedensbotschaft die „wertvolle Prägung“ durch die uns bereichernden fremden Kulturen herausstellt, dann übertrifft er sogar Martin Schulz, woran man schon fast nicht mehr geglaubt hat, auch wenn die uns segensreich beglückenden Kulturen solche sind, vor denen die Beglücker gerade geflohen sind.
Sind die Toten im Mittelmeer wirklich nur Europas Schande oder nicht auch die Afrikas? Dass Afrika ein Kontinent der Hoffnung sei, glauben derweil nur wenige.

Da die klassische Entwicklungshilfe gescheitert ist, kann die Alternative zugleich nicht darin bestehen, dass die jungen Männer Afrikas auswandern.
Nach Angaben des Gallup-Instituts wollen 42% der Afrikaner im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auswandern.
Nigeria ist das bevölkerungsreichte Land Afrikas mit 190 Mill. Einwohnern und wird schlecht regiert. Der Autor meint, wir müssten damit aufhören, die Afrikaner nur als Opfer zu betrachten.
Migration ist für die politische Klasse in Afrika eine leichte Art, Arbeitslosigkeit zu exportieren, während die Betroffenen selbst bisweilen märchenhafte Vorstellungen von einem europäischen Reichtum haben.
Darüber hinaus behindert der Geldtransfer in diese Länder die Mühsal ein eigenes Wirtschaftswachstum zu generieren.

Ende 2018 gab die Bundesregierung bekannt, dass im Jahre 2016 über 20 Mrd.$ aus Deutschland zurück in die Herkunftsländer der Migranten geflossen seien.
Der beliebte Vorwurf, Deutschland habe in der Kolonialzeit viel Schuld auf sich geladen und sei deshalb (moralisch) gezwungen, mehr oder weniger unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen, wirkt ein wenig haltlos vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Afrika vor 60 Jahren unabhängig wurde.
Die dortigen „Eliten“ erweisen sich als korrupt, unfähig, ignorant und teilweise kriminell, womit Europa nichts zu tun hat.
Europa stellt auch die Seenotrettung nicht in Frage, wie gerne behauptet wird, aber die Aufnahme aller Migranten liegt nicht in seiner Verantwortung.
Auch wird die historische Verantwortung bei dauerhaftem Ansiedlungsrecht überdehnt.

Wenn 50%n aller weltweiten Sozialleistungen in Europa ausgegeben werden, wo nur 7% der Weltbevölkerung lebt, so bedeutet das nicht zugleich ein Teilhaberecht an dem von den Steuerzahlern erwirtschafteten Staatsvermögen. Ein solches Recht kann es nicht geben.

Der Autor geht auch auf Veröffentlichungen auf der SPD-Homepage ein, wo in unterschiedlichen Abständen krasse Unwahrheiten die eingeforderte Willkommenskultur begleiten (Seite 94).
Die Zuwanderung muss zwingend als Chance begriffen werden, egal wie das Experiment enden wird.
„Ein kategorischer Moralbefehl“ wird erteilt und wer nicht mitzieht — ist ein Nazi.

Ob derweil die digitale Arbeitswelt wirklich an einer schrumpfenden Bevölkerung litte, wenn das Weltwirtschaftsforum vom Sept. 2018 immerhin ermittelt hat, dass bis 2015 beachtliche 52% der Arbeitsstunden weltweit von Maschinen und Algorithmen erledigt werden, fragt der Autor zu Recht.
Eine neue Begrifflichkeit soll entstehen im Übergang von der Willkommens- zur Anerkennungskultur, ein Narrativ wie etwa „Nation of Immigrants“.
Aus Sicht der Bundesregierung lautet der neue Status Quo:
Man braucht keine deutsche Staatsbürgerschaft, um Teil der deutschen Gesellschaft zu sein. Wer halt da ist, der gehört dazu und dann braucht man auch keine Willkommenskultur.

Welch seltsam (pseudo-)revolutionäres Element sich darüber hinaus in meist grünen Hirnen vor dem Hintergrund der Migration zeigt, wenn von einer neuen Generation gesprochen wird auf die man sich freut, erschließt sich auch für den Autor spürbar schwer, was an einem Vergleich von A. Gauland mit K.G. Eckhardt deutlich wird.
Beiden unterstellt er, dass sie zwischen Revolutionsbegeisterung von der einen Seite und Ablehnung der bestehenden Bundesrepublik (bei Gauland??) pendeln.
Dieselben Mittel würden zu entgegengesetzten Zwecken beschworen, die angeblich in einem „mehr“ oder „weniger“ Deutschland kulminieren.

Immerhin wird auch mit dem Tübinger Bürgermeister Boris Palmer ein Grüner zitiert, der es wagt, die medial meist geschönte Kriminalitätsstatistik in einem Interview mit der FAZ vom 13.06.18 zu berichtigen:
Bei einem Bevölkerungsanteil von 1,5% (Palmer) stellten die Zuwanderer 8% aller Tatverdächtigen und bei den schweren Straftaten seien es 15%.
Seit 2005 ist die Zahl der deutschen Tatverdächtigen im gleichen Zeitraum um 23,16% gesunken.
Laut dem Europol-Bericht, der in Den Haag vorgelegt wurde, hat es in 2018 insgesamt 205 Anschläge mit 68 Toten gegeben. Das entspricht einem Anteil von fast 45%.

Medial wird derzeit aber der Eindruck zu erwecken versucht, die autochtone deutsche Bevölkerung würde immer gewaltbereiter.
Der Autor ist um eine saubere Quellenangabe bemüht, wobei das von ihm zitierte Material auch in anderen kritischen Studien (etwa bei Hartmut Krauss) auftaucht.
Dabei muss es verwundern, wenn sich ein Somalier mit bislang 27 Identitäten und Nationalitäten , sowie zahlreichen kriminellen Delikten drei Jahre lang im Südwesten Deutschlands herumtreiben kann.
Auch der Richter, dem er schlussendlich vorgeführt wurde, weiß bis heute nicht wirklich, um wen es sich hier handelt.

Hinsichtlich einer eingeforderten internationalen Solidarität, kennt – so der Autor – die Hybris der UN offenbar keine Grenzen, wenn sie in ihrer Agenda 2030 vollmundig erklärt, man sei entschlossen, die Menschheit vor Tyrannei, Not und Armut zu befreien, sowie den Planeten zu heilen und zu schützen.
Die UN verfügt über einen Jahresetat, welcher unwesentlich höher ist, als der, der Tokyoter Feuerwehr.
Von unbeirrbarer Entschlossenheit ist da die Rede und man fragt sich, ob es sich hier um eine spätromantische Inszenierung handelt, die ein wenig aus der Zeit gefallen ist oder um glaubwürdige Absichten.
Solidarität sei keine Einbahnstraße hören wir auch aus der EU, die mit erhobenem Zeigefinder die migrationskritischen Visegrad-Staaten „zähmen“ will.

Es ist ein rauher und kränkender Ton in der EU entstanden, wie wir ihn zuvor nicht kannten. „Gewaltsame“ (gesetzgeberische) Quotenregelungen werden angedacht.

In 2018 war ein Manifest unter dem Motto:
„Solidarität statt Heimat“ aufgetaucht, welches vor seinem Verglühen von der Integrationsforscherin Naika Foroutan und dem Soziologen Stephan Lessenich unterzeichnet worden war.
Der Autor spricht hier von einem Begriffskladderadatsch, der eine nachgerade planetarische Stufe erreicht habe.

Die häufig zu hörende Formel, dass „unser Reichtum die Armut der Anderen sei“ war und ist eine auch von Brecht gepflegte Metapher gewesen, der sich dabei jedoch mit solcherlei Antagonismen auch selbst gelegentlich überfordert hat.
Wir kennen wohl alle den Typus des ständig leicht zerknirscht wirkenden und gut situierten Mittelständlers, der von seinem Wohlstand gerne ein bisschen abgeben möchte, weil er sich sonst schuldig fühlt und ein Gefühl „kolossalen Unrechts“ mit sich herumträgt.
Er ist der Prototyp jenes Masochistentums, welches in seiner Selbst-Beglückung zugleich sadistische Form annimmt.
Die Frage dabei ist ja nicht, ob jemand vernünftigerweise auf bestimmte Luxusgüter oder Urlaubsreisen verzichtet, was über den Preis ja leicht zu steuern wäre, sondern ob ein dekretierter Verhaltenskodex im Hinblick auf die UN-Agenda 2030 das Versprechen einer besseren Welt einlösen kann.

Der Autor stellt das Asylrecht keineswegs in Frage, aber er fragt im Hinblick auf die damalige historische grundgesetzmäßige Zielrichtung des Asylparagraphen, ob dieser den Anforderungen des 21. Jahrhunderts standzuhalten vermag.
Zu den Zeiten seiner Konstituierung dachte man nämlich an Flüchtende aus dem kommunistischen Einflussbereich und keineswegs an völlig fremde Kulturen.
Was aktuell erlebbar wird, ist ein typischer deutscher Sonderweg.
Dieser mündet notgedrungen in eine Situation, welche Migranten eine lebenslange Rundumversorgung zusichert.
Das darf man getrost als sozialpolitischen Selbstmord bezeichnen.

Humanität kennt keine Obergrenze lautet der Slogan von Linksgrün über die Kirchen bis hin zur Caritas und—ja– selbst zur FDP.
Das ist zumindest dann verständlich, wenn man auch keine Landesgrenzen mehr gelten lassen will und mit der Vorstellung lebt, die eigene Währung lasse sich dauerhaft mit dem Ankauf von Schrottpapieren (Staatsanleihen) „retten“.

Der humanitäre Imperativ wird zum Ausdruck einer kaum noch nachvollziehbaren Weltfremdheit, welche sich – blind für die Folgen – aus einer Schuldkultur speist, die den Habitus von religiösem Erweckungsmythos angenommen hat.
Er ist zu einem Herrschaftsinstrument der Regierenden geworden.

Ängste (vor dem Fremden) sollen überwunden werden. Der Fremde darf nicht feindlich gedeutet werden. Angst wird zwar zugestanden, jedoch nur, um schnellstens überwunden zu werden.
Die Nähe zum Angstmachenden soll sogar gesucht werden, oder man verteilt es gleich flächendeckend durch die Republik und in Europa.
Zugleich kann die Angst ein höchst erfolgreicher Motor sein, ähnlich wie die vor dem Waldsterben, vor BSE, vor saurem Regen, vor Glyphosat, amerikanischen Chlorhühnchen und der Klimakatastrophe.
Das hat einer Unzahl von Grünen samt ihrer Entourage Amt und Würden beschert.
Es gibt offiziell zulässige Ängste. Die anderen gelten als Phobien.

Der Autor zitiert eine Reihe von Quellen, darunter auch Zygmunt Bauman, dessen Angsttheorie den Menschen eingezwängt sieht zwischen einer scheinbaren Unendlichkeit von Optionen, sowie der Grenzenlosigkeit der an ihn gestellten Aufgaben.
In „Die Angst vor den Anderen“ sieht Bauman die Angst vor einem nicht beherrschbaren Ausmaß an Unbekanntem und Unkontrollierbarem als Auslöser für Konfrontationen.

Ob man nun unbedingt am linken Anwalt Lukas Thenne, in Bezug auf einige seiner Äußerungen, ein unvermeidliches Gewaltmonopol derer unterstellen will, die sich nonchalant oder naiv einer kaum noch erkennbaren Linken zurechnen, sei mal dahingestellt, selbst wenn es sich um ein beliebtes Deutungsclichée derer handelt, die sich gerne rechts oder konservativ verorten.
Das Gewaltmonopol hat der Staat, weshalb man ja auch von Staatsgewalt spricht.
Dieses Gewaltmonopol kann er (der Staat) verspielen, wenn er entweder keinen Gebrauch mehr davon macht oder wenn er seine Schutzverpflichtung gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern (durch den Verzicht) bewusst unterlässt.
Das wäre ein Präzedenzfall, der eine genaue Untersuchung voraussetzt und eine Berechtigung dafür schaffen kann, den Staat (auch gewaltsam) zu beseitigen, was wiederum voraussetzen würde, dass man das Militär auf seiner Seite hat.
Man spricht in einem solchen Falle von einem Putsch, welcher (für seine Berechtigung) der amtierenden Regierung zuvor unterstellt, dass sie das Grundgesetz wesentlich und dauerhaft missachtet habe.

Wenn der evangelische Bischhof Bedfrod-Strohm verkündet, das Gebot der Feindesliebe sei auch auf IS-Enthaupter anzuwenden, dann darf an ihm gezweifelt werden, weil damit keine „Haltung“ unter Beweis zu stellen ist, wie sie seit einiger Zeit auch aus der Mitte der Gesellschaft eingefordert wird.
Die verführerische Polarität „Haltung gegen Hetze“ ist ein Aufruf, dem sich (emotional) große Mehrheiten anschließen. Da gibt es dann keine Möglichkeit mehr, der Moralfalle zu entkommen. Das ist wie ein Ja zum Frieden und ein Nein zum Krieg.
Dabei wird mittlerweile neben dem nebulösen „Kampf gegen Rechts“ auch der Kampf gegen einen angeblichen Antifeminismus phraseologisch einbezogen.
Dass eine wirklich liberale Demokratie auch Demokratiekritik, Staatskritik und Engagementverweigerung aushalten muss, scheint so wenig bekannt, wie die Erkenntnis, dass man antidemokratische Straftaten und Umsturzversuche (wie etwa die Implementierung einer anderen Rechtswirklichkeit auf deutschen Boden) nicht ungestraft lassen darf.
Eine eigene Meinung als „Haltung“ verkaufen zu wollen, korrumpiert sich selbst.

Dabei geht der Autor sehr ausführlich und in einem ganzen Kapitel auf die Alternativlosigkeit ein und zitiert u.a. den Jounalisten Dirk Kurbjuweit, der den Begriff „Volkskanzlerin“ vorgeschlagen hatte, weil die Alternativlosigkeit bereits in diesem Wort steckt.
John Stuart Mill wird mit seinem Hinweis auf die beiden zentralen Gefahren der Demokratie zitiert, die da wären, eine Diktatur der Mehrheit und eine Diktatur der Gewohnheiten.

Eine große Zahl von Gefährdern solch alternativlosen Zuschnitts, sitzen offenbar in großer Zahl an den Schalthebeln der europäischen Gemeinschaftsmacht EU.
In den „Brüsseler Dunkelkammern“, wie dem nicht legitimierten Gouverneursrat, der über die Verteilung von 700 Mrd.€ im sog. Rettungsschirm Europäischer Stabilitätsmechanismen bestimmt, ist die Alternativlosigkeit gewissermaßen geadelt.

Alexander Kissler - Widerworte: Warum mit Phrasen Schluss sein mussEine fundamentale Entfremdung hat um sich gegriffen, welche die politischen Handlungsfelder dem notwendigen Diskurs entzieht und eigenmächtig Leuchtturmprojekte mit Weltrettungsanspruch gebiert.
Ein grenzenloser Raum ohne wirksame Staatsgrenzen entsteht, welcher sich der Überprüfung von Absicht und Ertrag verweigert und dabei Bedingungen für ein neues „buntes“ Miteinander diktiert und dabei fetischisiert.

Dabei müsste sich (eigentlich) das Primat des Politischen gegen den Fatalismus des Alternativlosen durchsetzen.
Damit empfielt der Autor am Schluss zur Sacharbeit zurückzukehren, wobei eine gute Sacharbeit und eine schlechte Arbeitskultur kaum vereinbar seien.
Zudem sei auch ein erhöhter Phrasenbedarf immer ein schlechtes Zeichen.
Gelingen kann gute Sacharbeit nur, wenn sie unter Ausschluss jeglicher Alternativlosigkeit nicht zur Selbstblockade dort wird, wo ein aktuell dringendes Thema mit dem Hinweis auf (andere) Sacharbeit bewusst sabotiert wird.

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