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Wer ist Deutschland? Über Geheimdienste

Reinhard Gehlen - BND - Faktum Magazin

 

 

Wer ist Deutschland? Über Geheimdienste

Will man unsere sukzessive Umerziehung im Sinne der Amerikaner nachvollziehen, muss man sich zunächst die Entstehungsgeschichte unser beiden nichtmilitärischen Geheimdienste BND (Bundesnachrichtendienst) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz ansehen.

Die militärische Aufklärung der Wehrmacht war bis 1945 Aufgabe der FHO (Fremde Heere Ost gewesen), das akribisch über alle im Einsatz befindlichen Truppenteile der Sowjetunion Buch führte. Mit dem Einmarsch der Amerikaner war diese gesamte Spionageabteilung auf einen Schlag entnazifiziert. Übergangslos wurde die „Organisation Gehlen„in amerikanische Dienste gestellt, weiter besoldet und dann 1956 in „Bundesnachrichtendienst“ umbenannt.

Reinhard Gehlen

Der 1902 geborene Berufsoffizier machte Karriere im Dritten Reich – und scheiterte genau zum richtigen Zeitpunkt: Im Frühjahr 1945 trug er Hitler im Berliner Führerbunker in seiner Funktion als Chef der Generalstabsabteilung „Fremde Heere Ost“ (FHO) die desaströse Lage an der Ostfront vor – und wurde daraufhin zum 9. April 1945 seines Postens enthoben.

Etwas Besseres konnte Gehlen zu diesem Zeitpunkt gar nicht passieren. Zusammen mit einigen Vertrauten und Dutzenden Kisten mit geheimen Erkenntnissen über die Rote Armee zog er sich in die Einsamkeit einer Hochgebirgsalm in den Alpen zurück und wartete hier in aller Ruhe das Ende des Krieges ab. In der Ausstellung ist eine solche Kiste zu sehen, gefüllt mit Unterlagen, darunter auch ein Originalexemplar der „Aufmarschanweisung Barbarossa“. (…)

Lügen und fiese Tricks - so entstand der BND

Man bedient sich der Altlasten

Die USA hatten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie hatten sofort einen funktionierenden Geheimdienst in Deutschland gegen den nächsten Gegner, die Sowjetunion und gleichzeitig wurden spätere deutsche Spitzenfunktionäre gescreened. Dass dabei spätere Bundespolitiker wie Ollenhauer, Gustav Heinemann und Herbert Wehner als Staatsfeinde auf den Fahndungslisten des neuen Dienstes standen, war nur ein Schönheitsfehler und ließ sich bald korrigieren indem mit anständigen Listenplätzen bei Wahlen Trostpflaster verteilt wurden.

Eine enge Freundin von mir hatte bis in die 60-er Jahre als Psychologin alle BND-Mitarbeiter dahingehend zu beurteilen, dass ein Bild darüber entstand wer für die amerikanische Aufgabe geeignet war und wer nicht. Die „Org-“ wie die Spionage für die USA in Deutschland bis 1956 hieß, war am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Gusto der USA maßgeblich beteiligt.

Ein weiterer Geheimdienst

Der zweite Geheimdienst entstand noch peinlicher. Ich hatte, als Otto John, der erstes Chef des Bundesverfassungsschutzes, versuchte sich in der Öffentlichkeit zu rehabilitieren, ihn einige Male aufzusuchen. England wollte nach dem Krieg einen „eigenen deutschen Geheimdienst„. John, der während des Krieges nach England übergelaufen war, machte Propaganda für das englische „Foreign Office“ über den “ Soldatensender Calais „. Beim Einmarsch der Engländer trug er sie englische Uniform – für diese Führungsaufgabe ausgesucht.

Warum er später als Chef des Bundesverfassungsschutzes zu den Sowjets ein weiteres Mal überlief, war für die deutsche Justiz ein Rätsel. So waren die Verhältnisse zu Beginn unserer Republik.

Es wird oft von vielen Seiten bemängelt, dass Alt-Nazis überall in den Spitzenpositionen der BRD untergekommen seien. Dass sich viele für die Alliierten bezahlt gemacht hatten, wird dabei übersehen. Im Rahmen meiner damaligen Untersuchungen gegen John hatte ich seinen vormaligen Freund Otto Hans Winterer einen ehemaligen Luftwaffenpiloten aufzusuchen, der Mitbegründer des Widerstandes gegen Hitler gewesen war.

Ihn hatte John damals 1946 für die Zusammenarbeit mit England gewinnen wollen. Aber Winterer zog es damals vor, für Trujilo die dominikanische Luftwaffe aufzubauen und Jagd auf Castro zu machen. Nach dem Angebot durch John emigrierte Winterer, weil er sah, dass in Deutschland überall kleine und große Überläufer Posten und Pöstchen bekamen. John blieb bis zu seinem Tod in der Dominikanischen Republik, „weil er Deutschland in solchen Zustand nicht wiedersehen wollte„.

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