Sprache

Apachen und Makkabäer in geschlechtergerechter Sprache: Original und Fälschung

94c - Lupe - Bücher - Faktum Magazin

Apachen und Makkabäer in geschlechtergerechter Sprache

Original und Fälschung

von Bernhard Lassahn

Wie war es wirklich im Wilden Westen?

An einem sonnigen Tag ritt Old Shatterhand auf seinem treuen Pferd Hatatitla über die Prärie und traf an verabredeter Stelle Winnetou, der ihm sein Leid klagte. „Mein weißer Bruder“, sagte sein rothäutiger Freund mit belegter Stimme, „ich muss dir etwas gestehen: Ich bin nicht länger Häuptling der Apachen.“

„Uff“, entgegnete Old Shatterhand, der die Sprechweise von den Indianern übernommen hatte, um sich ein wenig den Sitten und Gebräuchen anzupassen. „Was ist passiert? Haben die Komanchen den edlen Stamm der Apachen besiegt?“

Winnetou winkte ab: „Nein, das nicht. Doch ich darf mich nicht länger Häuptling der Apachen nennen.“

„Wie denn sonst?“, wollte Old Shatterhand wissen.

Winnetou blickte zu Boden, so sehr schämte er sich vor seinem weißen Bruder. „Häuptling der Apachinnen und Apachen.“

„Verstehe …“, sagte Old Shatterhand. Aber das sagte er nur so. Er tat gerne so, als würde er nicht nur alles wissen, sondern auch noch alles besser wissen, „die rote Frau spricht mit gespaltener Zunge.“

„Nicht nur das“, entgegnete Winnetou, „sie spalten alles. Die Zungen sind gespalten. Die Herzen sind gebrochen. Die Zelte sind zerrissen. Wir haben jetzt sogar getrennte Pfähle, an die wir – hier – die Stuten und – da – Hengste anbinden.“ Winnetou untermalte seine Rede mit kräftigen Handbewegungen. „Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder zusammenfinden, auch die Friedenspfeife ist zerbrochen.“

„Ich dachte immer“, überlegte Old Shatterhand, „die roten Frauen wären sowieso Nichtraucher …“

„Nichtraucherinnen“, verbesserte Winnetou.

Da erkannte Old Shatterhand den Ernst der Lage. Er war sprachlos, er konnte nicht einmal mehr ein leises „Uff“ hervorbringen. Er musste in Ruhe nachdenken und unterließ es, vorschnell „verstehe“ zu sagen.

Wie war es wirklich bei den Makkabäern?

Mir geht es auch so. Ich verstehe es nicht. Früher wurde in der Bibel „Das Buch der Makkabäer“ erwähnt, doch in der Bibelübersetzung in gerechter Sprache heißt es neuerdings das „Buch der Makkabäerinnen und Makkabäer“.

Makkabäerinnen? Was sind das für Leute? Ich hatte mir nie Gedanken über diese Personengruppe gemacht. Nun schon. Was ist dabei herausgekommen?

Ich gestehe es offen: Ich mag sie nicht. Ich würde natürlich nicht sagen, dass ich sie hasse. Das wird heute viel zu leichtfertig unterstellt. Das tue ich nicht. Ich hasse die Makkabäerinnen nicht. Doch sie sind mir unsympathisch.

Was waren das für Leute? Sie waren übermäßig geltungssüchtig, eitel und wichtigtuerisch, sie wollten gegenüber den Männern ohne Angabe von Gründen hervorgehoben werden. Dieser Wunsch wird ihnen nun nach vielen Jahrhunderten erfüllt.

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Es wird so getan, als wären sie Querulanten – Querulantinnen, besser gesagt –, die per einstweiliger Verfügung darauf bestehen, dass sie gesondert im Abspann eines historischen Films erwähnt werden, auch wenn sie darin gar keine Rolle gespielt haben, und die Zuschauer längst das Kino verlassen haben. Denn womit – bitte schön! – haben die Makkabäerinnen die besondere Aufmerksamkeit verdient, die sie beanspruchen? Was haben sie getan? Haben sie überhaupt etwas getan?

Vermutlich schon – jedoch nichts Gutes! Sie haben die Gemeinschaft der Makkabäer zerstört. Sie haben aus einer guten Gruppe zwei schlechte Gruppen gemacht.

Bisher hatte ich mir eine einheitliche Bevölkerungsgruppe vorgestellt, die von gemeinsamen Interessen zusammengehalten war und im Notfall mit vereinten Kräften einem äußeren Feind entgegengetreten ist. Doch die Bibelübersetzung in gerechter Sprache sagt mir: Stopp! So war das nicht.

Wie war es denn? Es muss da irgendeinen Dissens gegeben haben, irgendeinen Widerspruch, von dem ich bisher nichts gewusst habe, und der mir auch nicht erklärt wird. Doch es muss da was gegeben haben. Warum sonst legen die Übersetzerinnen und Übersetzer der Bibel in gerechter Sprache Wert darauf, die Makkabäerinnen als schwierige, nicht integrierbare Minderheit zu präsentieren, über die man nichts Gutes zu sagen weiß, aber Schlechtes vermuten darf?

Warum wird so viel Aufhebens davon gemacht, dass man sie extra erwähnt, aber nicht begründet, warum man es tut? Die Übersetzerinnen und Übersetzer kommen mir vor wie Teenager, die sich darin gefallen zu sagen: „Ich habe ein kleines, süßes Geheimnis, aber ich verrate es nicht, Ätschi Bätschi.“

Wollen uns die Übersetzerinnen und Übersetzer, die diese Bibelübersetzung in gerechter Sprache erarbeitet haben, wirklich etwas über die Makkabäerinnen sagen – oder vielmehr etwas über sich? Wie heißt es doch: „Was ihr den Geist der Zeiten heißt/
Das ist im Grund der Herren eigner Geist/ 
In dem die Zeiten sich bespiegeln.“

Nun, ich bin gespannt. Prof. Dr. Martin Leutzsch wird zum Auftakt einer Genderdebatte* im Rahmen des evangelischen Kirchentages ein zehnminütiges Kurzreferat halten ‚Erfahrungen und Reaktionen zu Bibel in gerechter Sprache’.

Die Diskussion steht unter dem Motto: ‚Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Eine Makkabäerin kennt keinen Scherz’ … Nein, ich korrigiere mich. Das Motto lautet:

Für eine sanfte Revolution der Sprache“.
Einladende Impulse für die Genderdebatte. Zentrum Regenbogen.
Fußnote
* Es wirken mit – außer mir:

Gesine Agena (Frauenpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen), René_Hornstein (Vorstand Bundesverband Trans* (in dem Fall weist das Sternchen nicht auf eine Fußnote hin, sondern auf eine Besonderheit in der Frage der Geschlechtszugehörigkeit)), Prof. Dr. Martin Leutzsch (der, wie gesagt, über die Bibel in gerechter Sprache sprechen wird), Dr. Andrea Lassalle (GenderKompetenzZentrum – Netzwerker_innen).

Die Veranstaltung leitet Dr. Franz Ferdinand Kaern-Biederstedt. Er hat sie auch vorbereitet. Sie findet am Freitag dem 26. Mai um 11.oo Uhr statt, im „Kosmos“, Saal 10, Karl-Marx-Allee 131A in Berlin Friedrichshain.

Noch ein Tipp, ein Buch-Tipp diesmal:

Arno Schmidt: Sitara und der Weg dorthin’.
In dieser Studie weist Arno Schmidt durch Stilanalysen nach, dass Karl May schwul war. Ein sehr interessantes Buch. Im Ernst.

Bernhard Lassahn hat Notizen zur Sprache gesammelt auf seiner Seite Bernhard Lassahn unter ‚Aus der Welt der Literatur’ und speziell zur so genannten geschlechterechten Sondersprache auf der Seite Frau ohne Welt unter ‚Frauenmund’.

Die weiteren Artikel der Serie

Geschlechtergerechte Sprache: Die „Alle“-Falle

XY ungelöst. Auf der Suche nach dem Täter im Nebel der geschlechtergerechten Sprache

Artikel über die Sprache

Bernhard Lassahn

4 comments

  1. Fiete 17 Mai, 2017 at 23:05 Antworten

    Wie schön, ein Fußnotensternchen, das – man staune – auf eine Fußnote verweist!
    Is das noch nich verboden?
    Weil …. irgendwie rechts, frauenhassend, allemöglichen Leute ausgrenzend ( schäum … sprudel … )?
    Im Ernst ( nee, Kopfkino ), wenn ich mir so vorstelle, daß Käppn Blaubär die Geschichte erzählt, die sieben originalsibirischen Goldhamster ( ah nee, quatsch, das war ja Mecki, in der Höä-Zu ), na … weißt schon, um sich rum gekuschelt, ab und zu sagt einer: „Opa, nu tüdelst Du aber …“ ( was locker gekontert wird ), oder so ungefähr – dann könnte ich fast drüber lachen, fast so skurril, wie die Sache mit dem Äquatorkontrolleur.
    Fast.
    Denn diesmal tüdelt der Opa gar nich …..

  2. Fiete 17 Mai, 2017 at 23:18 Antworten

    Übrigens ( Triggerwarnung! Könnte irgendwie schlüpfrig assoziiert werden, wenn man das will …)
    Danisch hatte da vor ein paar Tagen einen lustigen Vergleich:
    „Ich habe ja schon lange den Verdacht, dass das Gender-* die Queer-Rosette als symbolisches Gegenstück zum Binnen-I-Phallus ist. “

    ( Ich hätte noch ’n Punkt vor und hinter das „I“ gemacht …

    P.S.: Kann sein, daß ich den Post oben morgen, oder so, mal irgendwie bei mir einbau, macht Sinn , denke ich
    https://fietes2groschen.blogspot.de/ )

    • Balthazar Vanitas
      Balthazar Vanitas 18 Mai, 2017 at 09:44 Antworten

      Muss den Blog mal an den Oberguru weiterleiten, dami er ihn in die Webseitenübersicht aufnimmt. Ich kannte den gar nicht.

      Bernhard Lassahn liest nie die Kommentare hier, werde Deine Vorschläge weiterreichen. 😉

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