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Achtung Kommentar! Das ZDF, das Album 2016 und Donald Trump

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Achtung Kommentar!

Das ZDF, das Album 2016 und Donald Trump

Am zweiten Weihnachtstag brachte das ZDF den Jahresrückblick Album des Jahres 2016. Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten war ebenfalls Thema eines Kurzberichst. In diesem Kurzbericht verwechselt der deutsche Fernsehjournalist und Autor Elmar Theveßen die Begriffe Anmerkung und Meinung. Eigentlich sollte er Anmerkungen hinzufügen, entstanden ist allerdings ein linkspopulistischer Beitrag.

Grund genug für unseren Autoren LGK, dem Autoren einen Brief zu schreiben.
Der Beitrag ist unter dem Brief zu sehen.

Trump im Album 2016 – Bilder eines Jahres


Guten Tag Herr Theveßen,

sind Sie eigentlich ein antiamerikanisch sozialisierter Mensch? Ihr Kommentar, ein Bericht war das nicht (!), über die Wahl Trumps zum US-Präsidenten im ZDF-Jahresrückblick Album 2016 lässt darauf schließen.

Ich habe 2007 und 2008 in den USA gelebt, lebe demnächst wieder länger dort und bin mit einer Amerikanerin (keine Trump-Wählerin) verheiratet. Sie und ich sind entsetzt über Ihren „berichtenden“ Rückblick auf den beeindruckenden Wahlsieg Donald J. Trumps in „Album 2016 – Bilder eines Jahres“ vom 26.12.16.

Deutsche, die reiferen Demokraten?

„Und doch schien uns Amerika reif genug, das größere Übel zu erkennen.“

Wer ist „uns“? Mich können Sie nicht meinen. Ich lasse mich nicht vereinnahmen. Wie arrogant und besserwisserisch Ihr Kommentar an dieser Stelle schon klingt. Sie beleidigen damit einen großen Teil der US-amerikanischen Wahlbevölkerung. Das ist eine manipulative Meinungsäußerung, ohne diese als persönliche Wertung kenntlich zu machen.

Das ist nicht in Ordnung! Sind ausgerechnet wir Deutsche heute reifere Demokraten als die Amerikaner? Soll an unserem Wesen wieder mal die Welt genesen? Sie spüren hoffentlich meinen tiefen Unmut über Ihre Art der „Berichterstattung.“

„Eigentlich musste man nur zuhören…und nun ist einer, der die USA spaltet, rassistisch, frauenfeindlich, mit 2,7 Mio. Stimmen weniger als seine Gegnerin dennoch der Amerikaner erste Wahl.“

Wer wählte Trump? Wer spaltete die USA?

Trump wurde von 53% der weißen Frauen und von vielen weiblichen Hispanics und Schwarzen gewählt. In seinen Gebäuden arbeiten mehr Latinos und Schwarze als – Achtung Kommentar – beim ZDF unvoreingenommen recherchierende Journalisten. So ist das eben im US-Wahlsystem. Es ist anders als das unsere. Sie erwähnen das mit keiner Silbe. Sie lassen die Lücke offen. Warum? Das ist Manipulation. Gerne hätte ich erfahren, wie viele Schwarze und Latinos in Hillarys „Imperium“ arbeiten. Aber danach fragt kein Journalist. Warum nicht?

Es ist umgekehrt: Obama hinterlässt ein tiefer denn je gespaltenes Amerika. DAS trifft eher auf die Wirklichkeit zu. Der wieder aufgebrochene Rassismus, enttäuschte Schwarze, denen es nicht besser geht als vor 8 Jahren, und legal ins Land gekommene Latinos, Arbeitslose oder in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen existierenden Arbeiter im Rost Belt sowie die in Florida lebenden Exil-Kubaner, denen der Kurs Obamas mit Blick auf Castros sozialistische Diktatur nicht gefiel, sie alle wurden von deutschen Journalisten – Ausnahmen bestätigten die Regel –  nicht gehört, nicht gesehen, übersehen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Journalisten schüren Angst und Hass

„Trump ist – Achtung Kommentareine klare und unmittelbare Bedrohung für sein Land und den Rest der Welt.“

Sind Sie ein Prophet? Augstein vom FREITAG nennt Trump sogar einen Faschisten. Was soll das? Es schürt Angst und Hass. Vielleicht ist er eine „Bedrohung“ für Medienleute, die allerdings in einem ungeheuren Ausmaß von ihm profitieren. Trump regierte bis heute noch keinen einzigen Tag. Dafür macht Obama in der Übergangszeit (Transition Phase) ungewöhnlich aktiv Politik mit weitreichenden Folgen für seinen Nachfolger. Das hat nicht mal ein George W. Bush gemacht! Aber, um bei den Linken und vermeintlich progressiven Gleichgesinnten glaubwürdig zu bleiben, wird nun jede Äußerung und jede politische Aktion Trumps künftig ganz sicher entsprechend wahrgenommen, kontextualisiert und kommentiert. Aus Studien weiß ich, dass 60-80% der deutschen Medienmacher sich als politisch links betrachten. Das ist wahrlich in den Redaktionen kein Spiegel der Bevölkerung in Deutschland.

Ich bin gespannt, ob es auch unvoreingenommene Berichterstattungen, sprich Nachrichten, über die USA geben wird. Eine Meinung bilde ich mir dann nämlich selbst!

Sie brandmarken dann in Ihrem Rückblick den Umgang Trumps mit Ölmultis, Bankern und  Großlobbyisten. Merkwürdig, die habe ich meistens mit Hillary in Verbindung gebracht. Hillary Rodham Clinton war der Liebling der Bosse, Börsen und Banken. Dass ein Immobilienmogul Geschäfte mit solchen Leuten macht ist ziemlich normal, abgesehen von dem Antisemiten.

Ein Geschäftsmann will Geld verdienen. Vielleicht müssen wir uns bei Trump schlicht gedanklich umstellen, weil wir es seit Jahrzehnten gewohnt waren, Politiker nach bestimmten Kriterien zu bewerten. Das geht bei DJT aber schief, weil er kein Politiker der herkömmlichen Art sein will. Er bleibt vermutlich der 140-Zeichen-Mann.

Über das Establishment

„Von Anti-Establishment fehlt hier künftig jede Spur.“

Trump meinte – wenn man genau hinhörte, was deutsche Journalisten offenbar nicht taten – das politische Establishment in den USA, präzise, das in Washington D.C. Dort wählte jenes Establishment und seine Anhänger zu mehr als 90 % Clinton. Warum wohl?

Der Teil über die US-Wahl endet mit Ihrem Rechtfertigungssatz „So, das musste mal gesagt werden“. Er hätte lauten sollen: „So, das war meine Meinung und Einschätzung dazu!“

Meine Meinung, meine Einschätzung

Finden Sie es wirklich in Ordnung, Ihre Stellung im ZDF zur persönlichen Meinungsäußerung bei einem Jahresrückblick zu nutzen, man könnte auch sagen zu mißbrauchen?

Wenn Sie eine solche Sendung mit „Theveßens wertender Rückblick“ betitelt hätten, dann wäre es ja nachvollziehbar und okay gewesen. Aber so wie Sie es machten, bin ich als Zuschauer verärgert.

Und damit kein Zweifel aufkommt: Auch ich werde die brillanten politischen Reden, den Humor, auch das Gespür für Situationen eines Barrack Obama vermissen. Allerdings gebe ich dem gewählten neuen Präsidenten, wie es eigentlich Usus unter republikanischen Demokraten sein sollte, mindestens eine 100-Tage-Schonfrist und „schieße“ ihn – bildlich formuliert – nicht schon vor Amtsantritt ab. Ich finde, in Deutschland beklagen sich viele Bürger scheinheilig über Hass und praktizieren ihn mit Blick auf Trump mehr oder weniger selbst.

Ein letztes,

da Journalisten von anderen stets gerne Transparenz fordern: Darf ich neugierig nach Ihrer Parteipräferenz (oder ggf. –mitgliedschaft) fragen oder endet da Ihre Transparenz?


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