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Wahrheit oder Lüge: Väter zahlen schlechter Unterhalt als Mütter

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Wahrheit oder Lüge

Väter zahlen schlechter Unterhalt als Mütter

Das verzerrte Bild der säumigen Unterhaltszahler

Ein verbreitetes Bild ist es, dass viele Trennungsväter ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Kindern, die bei der Mutter leben, nicht nachkommen. Dieses Bild stimmt grundsätzlich. Die Gründe – finanzielle Überforderung, Kindesentzug, etc. – sollen hier nicht diskutiert werden. Es ist zu untersuchen, wie die Zahlungswilligkeit bei Vätern und Müttern aussieht.

Die Minister Sigmar Gabriel und Manuela Schwesig malen das Bild des zahlungsunwilligen Vaters in schrillen Farben: Sie fordern einen Führerscheinentzug für säumige Väter:

Väter, die keinen oder zu geringen Unterhalt zahlen, stärker in die Pflicht nehmen – und ihnen notfalls den Führerschein abknöpfen: Mit diesem Vorschlag meldet sich SPD-Chef Gabriel zu Wort. Familienministerin Schwesig unterstützt seine Forderung.

Mit diesem verzerrten Bild, der zum Unterhaltverpflichteten, wird zumeist nicht auf die Nöte der Kinder aufmerksam gemacht, sondern die feministische Perspektive auf die „arme alleinerziehende Mutter“ gelenkt. Die säumigen Unterhaltszahler werden zu „zahlungsunwilligen Vätern“.

Schwesig und Gabriel – das väterfeindliche Duo

Die Intentionen von Fraueministerin Schwesig sind feministisch. Selbst das „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendspricht von Frauenministerinnen. Da ist es klar, dass nur die Väter auf der Abschussliste stehen. Warum bei diesem Ministerium die Familie an erster Stelle genannt wird, erschließt sich nicht.

Woher aber kommen die Intentionen von Sigmar Gabriel?

Ein Blick auf seine Webseite verrät es:

(…) Dass es manchmal schwierig im Leben ist, das haben wir zuhause auch erleben müssen. Aus eigenem Erleben weiß ich, was alleinerziehende Mütter leisten – im Beruf und für ihre Kinder. Nicht nur materiell, sondern auch weil unsere Mutter um uns kämpfen musste. Vor allem gegen unseren Vater. Wir sind ihr bis heute dafür dankbar. Denn unser Leben wäre wohl anders und schlechter verlaufen ohne ihr Kämpferherz. (…)

Den Kampf seiner Mutter gegen seinen Vater führt Gabriel nun fort. Diesmal aber gegen alle Väter. Es betrifft letztlich nicht „nur“ den säumigen Vater, es wirft ein schlechtes Gesamtbild auf alle Väter. Die alleinerziehende Mutter wird romantisiert. An Gabriel wird deutlich, wie Politiker Trauma ihrer Kindheit in ihre Politik einfließen lassen. Traumabehaftete Ideologien findet man gerade bei Feministen.

Seine Politik würde anders aussehen, wenn er bei einem alleinerziehenden Vater groß geworden wäre. Dass er allerdings Persönliches derartig zu seiner und damit zu SPD-Politik macht, wirft ein schlechtes Bild auf ihn.

  • Wie aber sieht die Situation alleinerziehender Väter aus?
  • Wie steht es bei ihnen mit dem Erhalt von Kindesunterhalt?

Unterhaltsansprüche und deren Wirklichkeit

Bastian Harmann von der Ruhr-Universität Bochum hat zu diesem Thema im Mai 2014 eine Studie erstellt.

Die Studie definiert zunächst das betroffene Personenfeld.

Im Jahr 2012 verzeichnete die amtliche Statistik 179.147 rechtskräftige Ehescheidungen. In etwa der Hälfte der Fälle waren minderjährige Kinder von der Scheidung betroffen (Statistisches Bundesamt 2013b: 14). Hinzu kommen Trennungen von Eltern, die nicht verheiratet waren. Beides führt zu einer steigenden empirischen Relevanz der Familienform „alleinerziehend“, welche mehr als andere Familienformen mit sozialpolitischen Risiken und Bedarfen einhergeht.
(…)

Anschließend wird die genaue Personengruppe ermittelt, die in den vorhandenen Zahlen zur Betrachtung herangezogen wird: Es handelt sich um 1.282 Personen und 2.055 Kinder.

(…) So verbleiben 1.282 alleinerziehende Personen im Datensatz, in deren Haushalten insgesamt 2.055 Kinder leben. (…)

Mehr getrennterziehende Mütter als Väter

Die Gründe, warum mehr Frauen vom „Alleinerziehen 1 betroffen sind liegen auf der Hand. Generell ist es so, dass die Kinder nach einer Trennung bei der Frau verbleiben. Dies liegt zumeist an gesellschaftlichen Voraussetzungen und väterfeindlichen Familiengerichtsurteilen.
1(Mittlerweile wird an vielen Stellen der Ausdruck „getrennterziehend“ bevorzugt.)

Während die Mutter ihren Teil der Unterhaltsverpflichtung durch Erziehung, Pflege und Betreuung leistet, kommt dem „Mann damit die Pflicht zum Barunterhalt zu„. Eine Pflege, Betreuung und Erziehung liegen bei Kindskontakten des Vaters mit dem Kind offenbar nicht vor. Ansonsten würde an dieser Stelle nicht derartig strikt unterschieden werden.

(…) In der Regel bleiben die Kinder nach einer Trennung bei der Frau und diese erfüllt ihre Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kind somit durch Erziehung, Pflege und Betreuung. Dem Mann kommt damit die Pflicht zum Barunterhalt zu. (…)

„Butter bei die Fische“
– reale Zahlen zu geschlechterbezogenen Aspekten

Zunächst stellt die Studie fest, dass über die Hälfte der Kinder Getrennterziehender keinen Kindsunterhalt bekommt.

(…) Alle 1.282 Alleinerziehenden im Datensatz haben (stellvertretend für ihre Kinder) Anspruch auf Unterhalt. Von diesen geben nur 622 Personen an, dass sie tatsächlich Unterhalt für ihre Kinder erhalten. Dies entspricht einem Anteil von 48,5%. Der Anteil der Kinder von Alleinerziehenden, die keinen Kindesunterhalt erhalten, beträgt 50,17%. Mehr als die Hälfte der unterhaltsberechtigten Kinder bekommt also keinen Barunterhalt. Bei hochgerechneten Daten verschärft sich dieser Befund eher noch. Von 1.377.412 Personen erhalten nur 635.636 tatsächlich Unterhalt für ihre Kinder (46,2%). (…)

Diese Situation ist für viele Kinder schlecht. Viele von ihnen sind auf Alg II angewiesen. Ist es aber tatsächlich so, dass es eine generelle Zahlungsunwilligkeit bei den Vätern gibt? Oder kann man dies eher bei den zahlungspflichtigen Müttern feststellen?

(..) Die Anteile unterscheiden sich deutlich zwischen den Geschlechtern. Von 96 Männern geben nur 14 Unterhaltseingänge an. Dies entspricht lediglich knapp 15%. Bei Frauen, die den Großteil der Stichprobe ausmachen, liegt der Anteil bei etwa 51% (608 von 1186). (…)

Na, wer hätte das gedacht? Mütter, die Unterhalt zahlen  müssen, kommen nur in 15 % der Fälle ihren Verpflichtungen nach, während Väter zumindest zu 51 % Unterhalt zahlen. Bei Vätern kommt es sogar vor, dass sie mehr Unterhalt überweisen als nötig. Dies ist zwar selten der Fall, aber es findet statt. Bei zahlungspflichtigen Müttern ist dies so gut wie nie zu betrachten.

(…) Unterhaltszahlungen, die den Mindestunterhalt übersteigen, sind ̈außerst rar (und bei alleinerziehenden Vätern nahezu nicht zu beobachten). (…)

Die Hälfte der Väter, die keinen Unterhalt zahlen, sind bemüht, dies gegenüber dem Kind auszugleichen. Sie kümmern sich vermehrt um das Kind – solange sie nicht vom Umgangsentzug betroffen sind. Ungefähr die Hälfte der nicht Unterhaltzahlenden bemüht sich als Ausgleich um mehr sozialen Kontakt zum Kind. Die Unterhaltsverpflichtung „Erziehung“ kommt aber nur der Frau zu. An der Zahlungsverpflichtung ändert der vermehrte Kontakt  nichts.

(…) Insbesondere in der Gruppe der Kinder, für welche kein Unterhalt gezahlt wird, zeigt sich eine interessante Zweiteilung. In etwa der Hälfte der Fälle findet nahezu kein Kontakt zwischen der unterhaltspflichtigen Person und dem Kind statt. In etwa ebenso vielen Fällen kann jedoch ein reger Kontakt beobachtet werden. Eine solche Zweiteilung zeigt sich ebenfalls bei der Gegenüberstellung von Aussagen über die Intensität der Beziehung und dem Deckungsgrad der Unterhaltszahlungen (nicht aufgefuhrt). Etwa die Hälfte der Personen, die keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen, scheint dies also mit gemeinsam verbrachter Zeit kompensieren zu wollen. (…)

Was zudem kaum beachtet wird: Es ist oft zu beobachten, dass alleinerziehende Mütter sich in einer neuen Partnerschaft befinden. Dieser unterstützt oftmals seine „neue Familie“ finanziell. Für die Frau ergibt sich in diesen Fällen eine bessere finanzielle Situation. Solche Situationen sind allerdings schwer zu erfassen und zu betrachten. Auch dies ändert an den Verpflichtungen des zahlungspflichtigen Vaters nichts.

Fazit

Die Einstellung zum Unterhalt ist kein Väterproblem. Es sieht eher so aus, als hätten zahlungspflichtige Mütter ein Problem mit ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Kind. Die strikte Trennung von Erziehungs- und Zahlungsleistungen ist zudem zu hinterfragen.


Ein weiterer Artikel zum Thema:

Kindesunterhalt als aktuelles Lügenmärchen in Sachen politisch gesteuerter Volksverhetzung


 

 

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