Sprache

Singende können nicht gleichzeitig schlafen! Über die Sprache

Sprache - Bahnhof - NICHT-Feminist

Über die Sprache

Singende können nicht gleichzeitig schlafen!

Das Partizip Präsensstudierend“, „singend“, „mitarbeitend“ oder „mithelfend“ bezeichnet ein momentanes Geschehen, das seinem Wesen nach gerade abläuft. Das ändert sich auch nicht durch die Substantivierung.

Beim Mitarbeiter oder Radfahrer handelt es sich um einen Status. Ein Radfahrender bin ich nur im Moment des Radfahrens. Das Problem zeigt sich, wenn das Substantiv mit einem Partizip Präsens verbunden wird. Wenn berichtet wird, Mitarbeiter seien im Schlaf ermordet worden, handelt es sich nicht um schlafende Mitarbeitende, sondern um schlafende Mitarbeiter. Niemand kann gleichzeitig schlafen und mitarbeiten.

Singende können nicht gleichzeitig schlafen! Analog den Studierenden, die auch nicht schlafen oder feiern und gleichzeitig studieren können, was Studenten jedoch sehr wohl können. Außerhalb des Studierens ist man Student. Dies bezeichnet der Duden als Status- oder Gattungsbegriff.

Medien verwenden weiterhin ganz überwiegend generische Begriffe. Letztlich geht es bei den Studierenden (der/die Studierende, die Studierenden), Mitarbeitenden oder Mithelfenden um eine nicht-umgangssprachliche Wortschöpfung eines bestimmten politischen Milieus, das glaubt, damit gendersensibel zu formulieren. In Wahrheit will man manipulieren. Aber das wird zum Eigentor! Explizit schließt man nämlich sprachlich genau gegenteilig alle anderen Geschlechter damit aus, und das ist wirklich diskriminierend, gemessen am Maßstab von Protagonisten des sog. Genderismus sogar rückwärtsgewandt. In Deutschland sind das die Gegner einer natürlichen, im Volk entstehenden Sprachentwicklung.

Generische Begriffe haben die unschätzbaren Vorteile, alle nur denkbaren Geschlechter einzubeziehen und daher integrativ zu wirken! Diskriminierung und Desintegration betreiben diejenigen, die Geschlechter auf lediglich zwei reduzieren, z. B. bei der Anrede „Liebe Kolleginnen und Kollegen“. Ich gestehe jedoch, auch ich beginne eine Rede wegen der anerzogenen Höflichkeit stets mit „Sehr geehrte Damen und Herren“. Ich weiß, da bin ich inkonsequent. Mea culpa. Ist das wegen der impliziten Diskriminierung nicht längst überholt? Nein! Der Duden formuliert dazu, „in der persönlichen Anrede“ sei die feminine und maskuline Anredeform in Ordnung. Gut, also dann bleibt es ja doch dabei.Gesunder Menschenverstand also doch noch im Duden „Deutsche Rechtschreibung“ !

Ich kenne erfolgreiche Frauen, die eine Rede, aus den gleichen Höflichkeitsgründen wie Männer das tun, ganz gleichberechtigt beginnen mit “Sehr geehrte Herren und Damen”

Besonders seltsam finde ich aber, dass Feministen gerne von Frauenmannschaften (z. B im Sport) sprechen, denn es gibt doch ganz Duden konform sowohl eine Mannschaft (Männer) als auch eine Frauschaft (Frauen). Das kann jede Person nachlesen. Hier tritt der ideologische Hintergrund offen zutage. Warum ausgerechnet sich als fortschrittlich bezeichnende Frauen Quoten nur für mehr Frauen und nicht etwa für mehr Geschlechtervielfalt (LSBTIFSM usw.) in Vorständen und Aufsichtsräten einsetzen zeigt, dass es egozentrisch ausschließlich um Fraueninteressen geht, aber bestimmt nicht um Gleichberechtigung, Gleichstellung, Geschlechtervielfalt, Geschlechterdemokratie oder gar Geschlechtergerechtigkeit. Das Ziel ist die Umkehrung der Geschlechterverhältnisse. Die sog. gendersensible Sprache ist dabei ein Mittel zum Zweck. Wer aber kopiert, was er vorher kritisierte, der ist schlicht unglaubwürdig. Ideologie kennt keine Logik und Logik – das ist die gute Nachricht – kennt keine Ideologie. Da bin ich meinen Latein- und Deutschlehrern bis heute dankbar. Sie lehrten uns Schüler Kritik und die Bemühung des eigenen Verstandes, ganz im Sinne von Immanuel Kant.

Sprache muss nicht nur les-, sondern auch flüssig sprechbar bleiben. Ein sogenannte Binnen-I- kann man nicht sprechen. Es ist schlicht nicht hörbar, auch nicht durch Überbetonung. Den Unterstrich- oder Sternchenunsinn (Lehrer_innen, Schüler*innen) machen nur Leute mit, die allem und jedem hinter laufen. Gruß an die menschlichen Lemminge, die auf jede Ideologie hereinfallen.

In meiner Generation lernte man noch etwas über das generische Femininum (die Hebamme, die Berühmtheit, die Person, die Ikone, die Leute, die Fachkraft, die Führungskraft, die Koryphäe, die Geisel, die Aufsicht, die Wache, die Waise, die Katze), das generische Maskulinum (der Bürger, der Mensch, der Arzt, der Student, der Jugendliche, der Polizist, der Politiker, der Gärtner, der Deutsche, der Hund) und das generische Neutrum (das Kind, das Vorbild, das Mitglied, das Lebewesen, das Rumpelstilzchen, das Tier, das Pferd). Da waren immer alle angesprochen. Niemand wurde diskriminiert oder fühlte sich ausgeschlossen. Ausgerechnet erst die sogenannte „geschlechtersensible Sprache“ schafft es, aus vielen Geschlechtern wieder nur zwei zu machen. Das kann man folgerichtig nur noch reaktionär nennen.

Vielleicht bin ich ja schon zu alt oder aus der Zeit gefallen, oder denke zu viel oder falsch? Gutes Deutsch und gutes Sprachverständnis sind jedoch zeitlos. Am besten ist es, in solchen Fragen gegenseitig Toleranz zu üben, was jedoch mit Blick auf so manche „sprachpolizeiliche“ Interventionen in Teilen der Gesellschaft hierzulande oft nicht (mehr) der Fall ist, ganz zu schweigen von Transparenz.

Wenn aus Sprachleitfäden, Hinweisen und Empfehlungen in der Praxis ein Verbindlichkeitsanspruch hergestellt wird, dann ist was faul – und spätestens an der Stelle sollten alle in einer freiheitlichen Bürgergesellschaft aufhorchen.

Anmerkung
Die englische Sprache ist in dieser Frage wunderbar deutlich. Wenn man den Satz „The students and teachers as well as the managers are learning together“ wörtlich aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, dann übersetzen Genderisten ihn immer fehlerhaft. Meine Frau möchte nicht mit Managerin angesprochen werden. Sie weiß, dass sie eine Frau ist. Das muss ihr keine Feministin und auch kein Feminist erst belehrend mit dem gläsern erhobenen Zeigefinger sagen.

Starke Frauen brauchen weder Quoten noch Geschlechtersprache. Sie benutzen einfach ihren Verstand.

Und das sollten Männer auch.

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5 comments

  1. Waldemar 15 Juni, 2016 at 17:33 Antworten

    Endlich ein Beitrag, der mit Mitteln der Sprachanalsyse belegt, dass der Genderismus leicht ad absurdum zu führen ist. Auch ich erinnere mich noch gut an meinen Deutschunterricht auf dem humanistischen Gymnasium und die generischen Formen. Die Gendersprache – warum eigentlich Denglisch? – also die Geschlechtersprache gehört als das bezeichnet, was sie ist: herrschaftsbeanspruchend und damit zutiefst reaktionär! Dieses Mal halt von links, denn dort sitzt die Orwell`sche Gedanken- und politische Sprachpolizei schon in den Startlöchern …

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