Gendertheorie – Der Ursprung (Teil 3): Existenzialismus

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Die nachfolgenden Ausführungen sind stellenweise polemisch: sorry, aber der Ärger hat mich übermannt. Der Ärger ist im Buddhismus die siebte von insgesamt siebzehn zu durchwandernden Bewusstseinsstufen. Die Befassung mit dem Feminismus ist ein Rückschritt in der geistigen Entwicklung.

Jedes Elternteil kennt das Phänomen, dass ein pubertierendes Kind solange provoziert, bis sich Verzweiflung oder Ärger in den Augen des Adressaten zeigt. Das Brechen in den Augen der Eltern ist beabsichtigt, weil es die zukünftige Macht und Autonomie des Kindes ankündigt. Was in der Pubertät ein vorübergehendes Phänomen ist, wird beim Feminismus zur Ewigkeit.

Deren Furz, vor 150 Jahren entfahren, hat mittlerweile die ganze Welt erfasst und in unerträglichem Gestank gehüllt. Selbst eine mäßig begabte Feministin sollte das Phänomen stutzig machen, dass mit Abnahme des geglaubten Patriarchats, die Klagen über den Mangel und die Beschränkung zunehmen oder im Bild zu bleiben, der Gestank des Furzes sich intensiviert. Der Feminismus wird am Ende, will er nicht an den Gärungsgasen verpuffen, sein Denken vermännlichen. Er wird die Schranke nicht außer sich suchen, sondern das tun, was die Männer schon immer getan haben, nämlich, die Schranke in sich selbst entdecken, sie akzeptieren und dadurch überwinden. Aus dieser Schwerfälligkeit des feministischen Verstandes rührt mein Ärger. Und auch daher, dass wir Männer die Königsmacher dieser unselbstständigen Haltung waren und noch immer sind.

Ich versuche, den Entstehungsbedingungen des Feminismus philosophisch auf die Spur zu kommen. Dazu breche ich alle Denkschulen über die Kategorien des Seins und des Denkens. Den Spott, den dieser einfache Ansatz nach sich ziehen könnte, trage ich gelassen. Die Alternative wäre die Kategorie der Macht (Macht als Substanz, Patriarchat, Kapitalismus) anzunehmen, die die Freiheit beschränkt. Diese Annahme ist nach meiner Ansicht nur eine Rationalisierung, um der eigenen Freiheit zu entgehen. Der Feminismus geht so vor.

Mein Ansatz ist nur ein weiterer Beitrag zur Erstarkung der Männerrechtsbewegung. Das ist das Ziel und nicht die Verkündung einer idealistischen Wahrheit.

Am Ende wird die Männerrechtsbewegung das nötige Selbstbewusstsein und die Anerkennung erreichen, um den Staatsfeminismus, der an allen Stellen gärt und fault, den Tritt in den Orkus zu verpassen.

Inhaltsverzeichnis

A. Einführung

B. Denkschulen, die einen Bezug zu Judith Butler haben
1. Marxismus siehe hier
2. Analytische Philosophie siehe hier
3. Frankfurter Schule siehe hier
4. Neuhegelianismus siehe hier
5. Existenzialismus siehe weiter unten
6. Strukturalismus (noch nicht erstellt)
7. Poststrukturalismus (noch nicht erstellt)

C. Ausblick und Fazit

 

A. Einführung

„gender trouble“ war der Ausdruck für ein obsoletes männliches Subjekt. Der Staatsfeminismus und im Besonderen der Genderismus sind die Abrisstruppen, die an den Knochen dieser Leiche nagen. Die äußere Organisation des Leichenschmauses heißt gender studies, deren Diplomanden, Dissertanten, Doktoranden und Professoren mit jedem schriftlichen Erguss einen neuen Knochensplitter präsentieren. Es waren fast nur Männer, die das theoretische Besteck für die Leichenfledderei zur Verfügung gestellt hatten. Wenn also die Wissenschaft in der Lage war, das Subjekt für tot zu erklären, so ist jetzt die Forderung, es wieder zum Leben zu erwecken. Wie kann das geschehen?

Wozu wird hier zur Beantwortung dieser Frage das Ideengebäude einer Judith Butler analysiert? Sind Begriffe wie Sein und Denken nicht Anachronismen aus vergangener Zeit? Ist der Feminismus nicht einfach nur ein Lobbyismus, der an die Fleischtöpfe des Staates will?

Der Mann ist das Objekt der Untersuchung

Es geht nicht um das Verständnis des theoretischen Feminismus, sondern um das Erkennen der Bedingungen, die den Staatsfeminismus ermöglicht haben. Da die Männer die Bedingungen realisiert haben, ist die Erforschung der Wegbereitung für den Staatsfeminismus eine Erforschung der Männer selbst. Ökonomische, biologische und soziologische und psychologische Analysen verweisen auf Ursachen des Staatsfeminismus, die das Subjekt als Sinnstiftendes aus der Betrachtung heraushalten. Damit ist der Feminismus nicht zu wiederlegen.

Der Mann erfasst sich als Subjekt

Die Männerrechtsbewegung beginnt jetzt erst ihren Aufschwung, kurz nachdem sich die MGTOW – Bewegung etabliert hat. Dies ist ein Paradigmenwechsel gewesen, weil sich der Mann als Zentrum begreift und nicht als passiver Ausfluss eines Diskurses oder als Funktion innerhalb des Ganzen. Der einfache Entschluss: „Ich seh‘ das anders und ich mach‘ das anders“ ist ausreichend, um den Staatsfeminismus den Saft abzudrehen.

Warum überhaupt Sein?

Sein und Denken sind reziprok. Gibt es kein Sein, dann gibt es kein Denken. Die Setzung beider geschieht durch ein Gehirn, das seinem Bewusstsein eine Grundlage geben will. Beide, Sein und Denken, sind Erfindungen des neuronalen Komplexes. Sie sind empirisch nicht nachweisbar und entweichen bei der Analyse: dies ist die Erfahrung der analytischen Philosophie, die deshalb die Nichtigkeit der Metaphysik folgert. Das unsystematische Sinnen, das die leere Koinzidenz von Denken und Sein als Axiom voranstellt, ist der Poststrukturalismus. Eine Widerlegung des Poststrukturalismus, der die Grundlage des Genderismus ist, ist ohne Ontologie nicht möglich.

Ist der Biologismus die neue Ontologie?

Der Biologismus ist ein vermeintlicher Gegner des Radikalfeminismus. Beschäftigt er sich nicht mit dem harten Sein, den Fakten? Ist diese Naturwissenschaft nicht das geforderte Denken, das ein Sein durchdringt? Ja und nein. Eine einfache Überlegung zeigt den Widerspruch: würden die Ergebnisse der Theorien der Evolutionsbiologie plötzlich das Patriarchat oder die Destruktivität des Mannes belegen, wäre die positive Wertung des Männlichen purer Eigensinn. Der ehemalige Gegner der Genderisten, die Evolutionsbiologie, mutierte zum Liebling. Es ist also nur ein Zufall, dass die Evolutionsbiologie der Verbündete der Männerrechtsbewegung ist. Die Biologie geht korrekt von bewusstlosen Kräften aus, die die biologische Vielfalt hervorbringen. Wären es bewusste Kräfte, wäre sie keine empirische Wissenschaft, sondern Theologie. Wären überhaupt keine Kräfte vorhanden, entfiele die Ursache-Wirkung-Beziehung und alles wäre Ergebnis des Zufalles. Es gäbe keine evolutionsbiologische Erkenntnis. Also ist die Biologie die Untersuchung bewusstloser Kräfte. Sie können kein Maßstab der Männerwegung sein. Würde ich  verlangen, diese bewusstlosen Kräfte als niederrangig abzustufen und die Untersuchung derselben als Hilfswissenschaft (Evolutionsbiologie) ohne normative Kraft abzuwerten, könnte ich dies nur subjektiv begründen. Ich  hätte keine empirische Autorität. Wenn empirische Relevanz als alleiniger Maßstab für ein Selbstbewusstsein gefordert wird, um seine Stellung zur Evolutionsbiologie zu bestimmen, entspricht dies der Forderung, bewusstlose Kräfte als Maßstab des Denkens zu verwenden.

Um dies zu vermeiden, ist jede Naturwissenschaft verpflichtet, den Rang einer Hilfswissenschaft einzunehmen, es sei denn, sie würde das Bewusstsein zusammen mit der untersuchten Realität studieren. Die gender studies sind die Unternehmung dieser absoluten Wissenschaft und zeigen damit, dass sie in den hier dargelegten Kategorien zu denken versuchen. Es wird bei diesem Versuch bleiben, denn wie kann eine Ideologie ohne Subjekt/Sein-Verhältnis, also eine, die das Subjekt ausschließt, eine Wissenschaft begründen, die das Subjekt einschließt?

Totalitarismus entsteht durch Abwesenheit des Subjekts

Jede totalitäre Ideologie erhält ihren Input aus einem Sein, in dem bewusstlose Kräfte wirken: Stalin und der dialektische Materialismus, Hitler und der Volkswille mit den Gesetzen der Evolutionsbiologie, Feminismus und die (patriarchalische) Macht, Raubtierkapitalismus und die Gier nach Besitz. Deswegen: Trennung von Sein und Denken (mit anschließender Vermittlung) ermöglicht Subjekt und verhindert totalitäre Ideologie. muttersheera, eine feministische Kommentatorin, deren Name Weisheit andeutet, offenbart Unkenntnis dieses Zusammenhangs. Sie schätzt die konsequente Weiterentwicklung des feministischen Grundgedankens in Gestalt der Femitheistin so ein: „ ich hab … mich mit dem Blödsinn … nicht beschäftigt. Wozu?“.

Der Feminismus trennt das Sein nicht vom Denken. Dadurch ist er der wandelnde Widerspruch.

Die Männerrechtsbewegung ist zum großen Teil das Aufzeigen der Widersprüche des Feminismus. Insofern wäre man dem gelben Forum, männerstreik oder wollepelz zu Dank verpflichtet, weil sie am vehementesten diesen Standpunkt vertreten. Die gemäßigte Männerrechtsbewegung verwendet die Argumentationsfiguren, die der radikale Maskulismus schon vor Jahrzehnten entwickelt hat. Wenn die gemäßigte Männerbewegung den radikalen Maskulismus als Abgrenzung verwendet, um sich als mainstreamtauglich zu empfehlen, bedeutet es, dass die Saat des rechten Maskulismus aufgegangen ist. Mehr konnte er nicht erwarten. Auf diese Weise versanden die Parolen von fiona baine, die Arne Hoffmann als strammen Antifeministen darzustellen versucht: die Diskrepanz ist zu groß. Ich schlage vor, um der Männerrechtsbewegung auch die Abgrenzung nach links zu ermöglichen, einen radikalen anarchistischen Maskulismus zu entwerfen, der die Axiome des Feminismus konsequent zu Ende denkt. Daraus entstünden dann Forderungen wie die Abschaffung der Kategorie „Geschlecht“ bei den olympischen Spielen: die Frauen würden aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Oder: Ernstnehmen der Gendertheorie hinsichtlich der Abschaffung des biologischen Geschlechts. Die Trennung in soziales/biologisches Geschlecht ist nicht der Gendergedanke. Durch die Abschaffung des biologischen Geschlechts würden wir alle Klone Judith Butlers. Dies ist einer Wald-und Wiesenfeministin gar nicht klar. Sie glaubt naiv, dass sie Frau bleiben dürfe. Gegen solche Forderungen würde sich der widersprüchliche Feminismus aussprechen und damit die gem. Männerbewegung unterstützen. Alexander Roslin, der wortgewaltige Spötter, wäre die perfekte Besetzung solch einer Unternehmung. Der vernünftige Antifeminismus (Elmar Diederich) ist die endlich stattfindende Positionierung des konservativen akademischen Lagers („Vernünftiger Antifeminismus ist daher weniger eine soziale Bewegung, sondern eher eine theoretische Herausforderung.“. E.D.). Die aktuellste Erscheinung in der Männerrechtsbewegung, der Nicht-Feminismus (wollepelz), widersetzt sich einer Katalogisierung – er gewinnt Antrieb und Legitimation aus sich selbst. Oder, um wollepelz aus meiner Erinnerung zu zitieren: „Männlichkeit heißt, dass man sein Ding macht“. In dieser Aussage steckt sowohl die optimistische, selbstbewusste Tat (freies Subjekt) als auch der Rückbezug auf die Dinge (Objekt). Weiblichkeit ist nach Wikipedia „die Projektion eines Bündels von Normen, die von der Gesellschaft oder Gruppen einer Gesellschaft für Mädchen und Frauen gesetzt werden“. In dieser schwächlichen Auffassung von Weiblichkeit gibt es weder ein autonomes Subjekt, noch ein Objekt in welchem die Frau ihre Freiheit realisieren könnte.

Die Linke verlöre mit dem WHM ihren letzten Gegner, nachdem sie den Kapitalismus integriert hat

Das Plädoyer für eine linke Männerpolitik von Arne Hoffmann ist die Formulierung des Unverständnisses, warum Ungerechtigkeit gegen Jungen und Männer in der linken Politik keine Empörung auslöst. Linke Politik ist eine Freiheitsbewegung und gegen Entfremdung fördernde Strukturen gerichtet. Der Ansatzpunkt ist die Gruppe, die sich gegen Unterdrückungsmächte wehrt. Der Träger von Macht in der modernen Welt ist nach feministischer Analyse der weiße heterosexuelle Mann (WHM). Der Kapitalismus ist nur noch ein Werkzeug in den Händen des WHM. Welches Argument kann Arne Hoffmann gegen die Freiheitsbewegung des Feminismus ins Feld führen? Dass der Feminismus sich in der Wahrnehmung seiner Unterdrückung täusche? Wie kann Arne erwarten, dass sich die Linke auf die Seite der Unterdrücker stelle? Es gibt nur einen Weg, die Linke für den Mann zu begeistern: wenn der Mann sich endlich als determiniertes Opfer, ohne eigenen Antrieb, begriffe. Allerdings ist dann die Frage, wie eine Freiheitsbewegung ohne machtvollen Gegner existieren könnte. Würden wir dann Russland als letzten Patriarchen mit einem Angriffskrieg überziehen?

Ist der Mann ein Opfer der Gesellschaft?

Auch Leszek erscheint der Mann nur als Opfer verständlich. Er glaubt, durch empirisch begründete Analysen, die Bewusstwerdung der Abwertung des Männlichen in den Mainstream zu heben. Die Idee ist dabei, die gesellschaftliche Gruppe der Männer auch zu einer unterdrückten Minderheit zu definieren. Der Plan ist möglicherweise, dass, nachdem sämtliche gesellschaftlichen Gruppen als diskriminiert erkannt werden, sich dann die Frage stellt, wer diskriminiere.

Ist die Überwindung des Kapitalismus unsere Rettung?

Wenn Menschen dafür nicht mehr in Frage kommen, dann nur eine bewusstlose Kraft: der Kapitalismus. Leszek sieht in der Männerdiskriminierung einen Hebel, um die Kapitalismuskritik zu befördern. Das eigentümlich Männliche (das z.B. die Förderung der Familie impliziert), interessiert ihn nicht: es ist nur eine Variation innerhalb der Vielzahl von Weltsichten. Die Männer sind eine beliebigen Gruppe, wenn er schreibt: „Für eine multikausale und intersektionale Analyse und Kritik der Ursachen und Bedingungskontexte männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen ist eine linke politische Orientierung m.E. diejenige, die die umfassendsten Möglichkeiten und besten Voraussetzungen bietet. Ich glaube nicht, dass sich das Thema „Männerrechte“ von einem rein liberalen oder gar einem konservativen Standpunkt aus, potentiell so umfassend wissenschaftlich und theoretisch bearbeiten und fundieren lässt.“ Abgesehen davon, dass dieser Text durch Ersetzung von „männlich“ und „Männerrechte“ durch die passenden Gegenstücke aus einem Genderlehrbuch stammen könnte, empfiehlt er als Aufgabe der Männerrechtsbewegung ein Vorgehen analog zur Frauenrechtsbewegung.

Männer und Frauen gestalten ihre Bedingungen selbst

Interessanter ist jedoch ein alternatives Vorgehen, das den Mann und die Frau als Gestalter seiner und ihrer Bedingungen beschreibt und ermuntert. Ob dies in einem linken, konservativen, liberalen, idealistischen, humanistischen, existenzialistischen oder sonstigen Kontext geschieht, ist erst einmal irrelevant. Den Mann als Opfer gesellschaftlicher Bedingungen zu beschreiben ist sinnvoll, um das feministische Opfermonopol zu brechen, indem die Empfindungsfähigkeit von Männern dargestellt wird. Er fällt so als gefühlsloser Unterdrücker aus. Als Grundlage eines Männerbildes ist dieses Vorgehen ungeeignet, weil dazu, wie beim Feminismus, ein übermächtiger Gegner zu behaupten wäre.

Die feministische Wissenschaft ist die wissenschaftliche Darstellung ihres Widerspruchs

Von allen Widersprüchen des Feminismus gibt es einen, der dem unlogischen feministischen Kern am nahsten ist: die These von der Subjektgebundenheit objektiver Erkenntnis. Der Feminismus proklamiert, er habe diesen Wechselbezug durchschaut. Sollte man also nicht erwarten dürfen, dass die Erkenntnisse feministischer Wissenschaft, das erzeugte Wissen weißer heterosexueller männlicher Wissenschaftler (whmw) in den Schatten stelle?

Wissenschaft erfolgt durch ein sich objektivierendes Subjekt

Diese unerfüllbare Hoffnung hat nur der Feminismus selbst, der zu folgendem einfachen Gedankengang nicht bereit ist: richtig ist die Beobachtung, dass sich der whmw eine Welt unter Einschluss seines Körpers setzt, die er dann unter Einschluss seines Körpers untersucht. Richtig ist aber auch, dass er diese Welt einer Prüfung des Denkens unter Einschluss seines Körpers unterzieht. Auf der anderen Seite vergleicht er sein wissenschaftliches Denken mit seiner gesetzten Welt. Dazu verwendet er subjektiv gewählte empirische Befunde, die er subjektiv unter Einschluss seines Körpers auswertet. Diese Prüfung hat seine Welt (und sein Denken) widerspruchsfrei und damit objektiv gemacht, zwar nur eine für ihn objektive, aber die beste aller für ihn möglichen objektiven Welten. Er ist immer bereit diesen Entwurf zu ändern. Diese Prüfung garantierte, dass zum Beispiel die dichotomische Trennung von Wahr und Falsch nicht nur eine männliche Kinderei war, sondern große Teile der Realität, die der Mann selbst erzeugte, korrekt beschrieb. Das Sein des Computers, das der Mann erschuf, funktioniert perfekt nach diesem Gesetz. Es hat nicht an Kritik an der Binarität gefehlt, wobei die substantiellste von Männern geliefert wurde (z.B. Gotthard Günther). Das Binäre ist das Ergebnis eines langen Weges der Setzung, Prüfung und Objektivierung. Nun der Feminismus: er schafft keine Welt und trennt kein Subjekt, noch weniger überprüft er sein Denken. Er findet zum Beispiel das Dichotomische vor und beklagt dessen Mangel. Er glaubt wirklich, dass der whmw die 1 und die 0 aufgrund ihrer männlichen Anmutung genommen habe, um einen Computer zu bauen (letztendlich sei das Patriarchat das Motiv dieser Wahl). Was dem whmw als ungerechter Vorwurf erscheint, ist in Wahrheit das Eingeständnis, den oben dargestellten Zusammenhang nicht zu verstehen. Deswegen geht die feministische Wissenschaft frisch ans Werk und sagt, sie wolle eine feministische Wissenschaft. Es gäbe ja schließlich auch eine männliche. Anstatt, den Versuch zu wagen, der postulierten geschlechtlichen Binarität beim Forschen ganz zu entsagen, nimmt sie das Patriarchat und den feministischen holistischen Instinkt als Axiome ihrer Wissenschaft. Um die Inkonsequenz auf die Spitze zu treiben, sagt sie nicht, dass ihre Ergebnisse notwendig feministisch gefärbt seien, sondern behauptet deren Objektivität. Nach diesen Prämissen lässt sich der Hauptsatz der reinen feministischen Wissenschaft formulieren: Die Wissenschaft, die die Subjektbezogenheit am eifrigsten in der objektiven Wissenschaft aufzeigt, ist auch diejenige, deren Erkenntnisse am meisten von subjektiven Einfällen durchsetzt sind. Alle Ergüsse des Feminismus haben diesen Webfehler.

Es gibt viele verschiedene Seinsentwürfe

Die Vorstellung, das Sein müsse etwas Dinghaftes und Ewiges sein, übersieht die vielen möglichen Seinsdefinitionen. Allein in der vorliegenden Untersuchung gibt es schon sieben verschiedene Setzungen (Hegel, Marx, Kojève, Hyppolite, Sartre, Heidegger und implizit ich) und in der Philosophiegeschichte noch mehr. Zum Beispiel spricht Heidegger von einem Sein ohne Denken (was nach meiner Ansicht kein Sein, sondern Instinkt ist). Sartre hingegen setzt einen unbestimmten Seinsstoff, aus dem sich ein schwaches Denken („schmutzige Reflexion“) herausschält. Deswegen spricht Sartre auch kaum vom Denken, sondern vorzugsweise vom Bewusstsein.

Subjekt und Realität sind die Enden eines Spannungsverhältnisses

Wozu setzt sich das Gehirn ein Sein? Man könnte sagen, es spanne mit dem Sein ein Segel auf, gegen das es sich mit seinem Denken wirft, um Fahrt aufzunehmen. Dieses Denken glaubt an das von ihm gesetzte Sein, macht es zu seinem Maßstab und wird dadurch konsequent. Das Sein wird durch die Bearbeitung und Prüfung durchs Denken Realität. Das Denken wiederum wird durch die Bewährung an der Realität (Empirie) substanziell. Seinsdenken ist männliches Denken. Dieser Satz ist wahr, wenn man die Empirie zur Grundlage nimmt: es gibt keinen weiblichen Seinsphilosophen.

Eine Qualle verträgt keine Spannung. Schlaff lässt sie sich von außen bestimmen.

Judith Butler ist ein tragisches Beispiel der Seinsvergessenheit. Ihre Nicht-Philosophie begründet den Boden für Inkonsequenz, Täuschung und Betrug. Wenn sich der Feminismus fragt, warum es so wenig weibliche Patentinhaber, Gamedeveloper und Ingenieure gibt, so wird er den Grund nicht in einer Diskriminierung finden. Sein Standpunkt ist das Nicht-Denken. Ein machtloses Bewusstsein, das keinen harten Gegenstand hat, an dem es wachsen und ein Subjekt ausbilden könnte. Es erpresst sich seine Macht vom erklärten Gegner, der noch über ein Sein verfügt und nennt diesen Ausbeutungszusammenhang „Patriarchat“, um sich als Profiteur zu verschleiern.

Gibt es eine feministische, lesbische Heldin?

Dass es richtig verstanden werde: wenn ich sage, „Seinsdenken ist männliches Denken“, dann meine ich nicht, dass alle Männer ein gesetztes Sein mit ihrem Denken aktiv durchdringen, noch, dass alle Frauen dies nicht tun. Dieser Satz ist nur richtig in Bezug auf den Staatsfeminismus, weil er negativ anprangert, was ich positiv ausspreche. Es gibt Männer, die eine Seins-Setzung als dogmatisch, pathetisch, naiv oder machtbesessen ablehnen. Warum auch nicht? Dieser Position wäre lediglich die Aufgabe zu stellen, die abstrakten Grundlagen seiner Gewissheit offenzulegen. Es gibt Frauen, die ihr Leben nach dieser Setzung ausrichten. Wie immer, ist es eine Mischung. Würde ein Schwuler, eine Transfrau oder eine hünenhafte Lesbe mir ein formidables Sein vorschlagen, das mich integrierte und begeisterte, ich würde, z.B. im Falle der Lesbe, an ihrer Seite kämpfen. Sollte sie im Heldinkampf getroffen zu Bode sinken, nähme ich ihr Haupt in meinem Schoß und meine Tränen glätteten ihre herben Züge. Doch gäbe es so eine Heldin? Ist fiona baine, deren rhetorischer Schleim die Männerrechtsbewegung verklebt, eine Heldin? Oder Alice Schwarzer, die sich beim Boulevard prostituiert? Oder gar das amorphe Quallenwesen, das in Was mich müde macht durchschimmert? Der Feminismus gebiert keine Helden.

Zeitenwechsel

Sei die Philosophie die Erforschung der ambivalenten Setzung von Sein und Denken. Dann ist Sartre der letzte Philosoph. Alles was sich danach den philosophischen Mantel umwirft, ist entweder Philologie, Psychologie, Literaturwissenschaft, Logik, Soziologie, Ökonomie, Biologie, Lobbyismus oder ein Gemisch davon. Das männliche Denken der letzten hundert Jahre hat aus logischer Konsequenz seine eigene Subjektivität zerlegt und sich dem Feminismus zum Fraß vorgeworfen. Es ist an der Zeit, nachdem dieser Kelch getrunken ist, den Blick nach oben zu richten.

Der Poststrukturalismus hat die Merkmale einer Qualle

War die analytische Philosophie noch enttäuscht, dass die genaue Analyse der Metaphysik deren Gesetztheit bewies (hat sie erwartet, auf ein Ding zu treffen?) – so hat der Poststrukturalismus empört die Spuren des gedachten Seins in der Sprache entdeckt. Die Heerführerin der Seichtigkeit, Judith Butler, hat in abstoßender Sprache die banale Erkenntnis, dass der Mensch von der verfestigten Struktur seines Denkens, i.e. Sprache und Kultur, beeinflusst werde, dem staunenden Publikum als absolute Weisheit präsentiert. Die gebildete Leserschaft konnte sich einfach nicht vorstellen, dass der Genderismus zu einem höheren Standpunkt nicht fähig sei und vermutete noch einen besonderen Dreh. Die geschlechtslosen Zombies der Gendertheorie sind die Antithese zu jedem Seinsentwurf. Die Gleichheit der Geschlechter ist das Symbol für die Nivellierung von Sinn und Denken. Da das männliche Denken vornehmlich Seinsdenken ist, führt die Dekonstruktion von Geschlecht automatisch zur Reduktion des Subjekt/Sein-Verhältnis und damit zu einer Abwertung des Männlichen. Das Geschlecht, welches immer schon den höheren Konstruktionsgrad aufwies, eben weil es Symbole setzt, konstruiert, baut, Dichotomien postuliert, Ideen stiftet, Theorien erfindet, sich dabei entzweit und das Sein durchdringt, ist das Ziel und Opfer der Dekonstruktion. Der Feminismus in Form des Genderismus ist in dieser Hinsicht ein Feind der Männer. Dekonstruktion meint nicht die Wandlung sozialer Rollen.

Sartre, der letzte Philosoph

Es ist interessant zu sehen, wie die Setzung bei Sartre geschieht und welche Konsequenzen und reale Aktionen sich daraus ergeben. Noch aufschlussreicher ist die Stellungnahme Judith Butlers, die hier einen Großteil ihres geistigen Inputs bezieht. Treffsicher stört sie sich an das harte Sein und an der Freiheit (= Verantwortung für sich selbst) in der existentialistischen Philosophie.

Im Existenzialismus wird das Sein als das Andere des Denkens betrachtet. Die Grenze zwischen beiden ist aber nach dieser Philosophie unüberwindlich. Wenn das Denken nicht mehr zum Sein gelangen kann, bleibt das Sein leer und umgekehrt, wenn das Sein das Denken nicht erfüllt, dann findet kein Denken statt. Sartre hat am Anfang seiner Philosophie nicht eine Gleichung, sondern die Nebeneinanderstellung „das Sein und das Nichts“ gesetzt. Das Denken ist das Nichts.

Mit dieser Entscheidung verhält Sartre sich stringent, denn er übernimmt den Schluss Hegels, der das reine Sein (d.h. das vom Denken noch unberührte) dem Nichts gleichsetzt. Was bei Hegel nur der Startpunkt ist, wird bei Sartre die ganze Philosophie. Dazu muss Sartre dem reinen Sein, als auch dem Nichts, Bestand geben. Deswegen sagt er: das leere Sein, als auch sein Anderes (Nichts, Bewusstsein) sind. Sie haben beide ein für sich getrenntes Sein, entwickeln sich nicht und sind einfach da.

B. Denkschulen die ein Bezug zu Judith Butler haben
1. Marxismus siehe hier
2. Analytische Philosophie siehe hier
3. Frankfurter Schule siehe hier
4. Neuhegelianismus siehe hier

5. Existenzialismus

Von Husserl übernimmt Sartre die Phänomenologie, die dem Gegenstand keine Gewalt antut und ihn nicht verdaut, bis er dem Denken gemäß ist. Von Descartes übernimmt er die Methode der Introspektion, so dass alle Sätze seiner Philosophie ihren Grund nicht in der Empirie, sondern nur in Sartre selbst haben. Damit bewegt er sich hart an der Grenze zum Sollipsismus und kommt zu Aussagen wie: Körper und Geschlecht seien das Ergebnis des Bewusstseins. Das physische Geschlecht wird vom Bewusstsein erzeugt. Von Freud übernimmt er die mechanistische Auffassung des Geistes. Freud stellt sich den denkenden Menschen aus Unbewusstheit, Bewusstheit, Über-Ich und Umwelt zusammengesetzt vor. Diese Komponenten haben ein getrenntes Dasein und wirken kausal aufeinander. Die Änderung, die Sartre an dieser Vorstellung vornimmt, ist die Wegnahme des Unbewussten. Hegel verwendet er zur Abgrenzung. Auch gegen Heidegger wendet er sich, insofern dieser mit der Metaphysik auch das Bewusstsein verwirft. Das Alltagssein ist hier die Grundlage. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass der Feminismus, der vor einem rationalem Sein zurückschreckt, von diesem gefühltem Sein angezogen wird. Hier finden Ideologien, denen das denkende Subjekt störend ist, einen Rückzugsort.

Sartre entgeht dem Sollipsismus, indem er ein extrem externalisiertes Sein dem Bewusstsein als Stichwortgeber vorsetzt, was ihn in die Nähe des Positivismus (=das Bewusstsein wird durch die Umwelt determiniert) rückt. Ängstlichkeit kann man Sartre nicht vorwerfen, wenn er zwei so gegensätzliche Denkrichtungen zur Grundlage seiner Philosophie macht.

Durch die Gegensätzlichkeit und die Abwesenheit von Entwicklung ähnelt sein Modell des Bewusstseins einer Maschine, deren Bestandteile ich jetzt darstellen werde.

Nebenbei erwähnt ist die Philosophy of Mind eine gegenwärtige Schule, die das Bewusstsein auch durch ein Maschinenmodell darzustellen versucht. Sie trägt den Namen „Philosophy“ zu Unrecht: er müsste durch „Analysis“ ersetzt werden. Wenn die Anatomie des Bewusstseins Philosophie wäre, könnte mit gleichem Recht ein Anatom das Studium des Skeletts als Surrogat des Gehens empfehlen.

Bewusstsein und Sein nach Sartre

Begierde

Die Begierde ist die Klammer des Ganzen. Das Nichts (das Bewusstsein) hat zwar ein eigenes Sein, aber ein negatives. Es ist, wenn das Sein der Apfel wäre, der Wurm. Das Nichts will zum Sein. Es will sich eine Grundlage geben. Alles, was das Nichts tut, ist darauf ausgerichtet, am Sein teilzuhaben. Es ist Begierde. Eine Begierde die vollkommen frei ist in der Wahl der Werkzeuge, um sich zu stillen.

Das Bewusstsein verwendet seinen Körper, seinen Sexualtrieb, seine Reflexion, seine Leidenschaften und seine Imagination, um dieses Ziel zu erreichen. Alle diese Mittel sind ihm recht. Wenn es eine Rangfolge der Wertigkeit dieser Mittel gäbe, käme die Reflexion an letzter Stelle. Bevorzugte Werkzeuge sind der Körper und seine Sexualität, gefolgt von der Imagination. Der Sextrieb ist danach ein philosophischer Antrieb, um Seinsfülle zu erreichen. Die Imagination ist ein probates Mittel, die Einheit mit dem Sein literarisch herbeizuträumen.

Dieses Bewusstsein ist gehetzt, engagiert und eigennützig. Es erfindet unentwegt neue Wege, um seine Begierde zu stillen. So viele Wege stehen ihm offen, dass ihn die Entscheidung überfordert. Es ersinnt Auswege, um den Anspruch der perfekten Realisierung der Gier nach Sein zu entrinnen. Es betrügt sich selbst, um sich der Verantwortung zu entledigen, sein Sein zu wählen: tausend Ausreden führt es an, die ihm die freie Wahl seines Seinsentwurfs unmöglich machten. Die Lüge ist ein Merkmal existentialistischen Seins.

Wenn eine Mutter ihr Kind im Bauch austrägt, hat sie nach dieser Philosophie das befriedigte Selbstgefühl einer Egoistin, die Sein in sich erzeugt. Wenn der Vater sein Kind liebevoll im Arm hält, manipuliert er es, um seinen Seinsprofit zu erhöhen. Das Sartre-Bewusstsein kennt keine Ethik, dafür Gier und Selbstnutzen – aber auch, und das gibt ihm seinen Wert, Freiheit.

Präreflexives Bewusstsein, Abschattung und Transluzidität

Das Bewusstsein ist da. Es ist von Anfang an komplett. Es muss sich nicht entwickeln, um vollständig zu werden. Das, was es sieht, sieht es vollkommen. Es sieht vielleicht nur eine Abschattung, ein Teil des Gegenstandes, aber diesen Teil erkennt es absolut. Es täuscht sich darin nie. Würde ein Masochist einen Sadisten erlauben, ihm die Augenlieder abzutrennen und seinen Kopf so zu fixieren, dass er vom Schnitt des Skalpells in sein Fleisch den Blick nicht wenden könnte, wäre dies ein adäquates Bild der Transluzidität des Bewusstseins nach Sartre. Während des Schnittes reflektiert das Bewusstsein nicht, um festzustellen, dass es selbst der Träger dieses Sinneneindruckes ist. Das weiß es ohne alle Reflexion. Es weiß sich selbst immer anwesend – dazu braucht es keine Reflexion. Das präreflexive Bewusstsein ist ein nicht reflexives Bewusstsein, das ohne Nachdenken die innere Differenz des sich Selbst-Wissens schon hat. Sartre nennt dies: refleté/reflétant. (Zum Vergleich: Das Selbstbewusstsein bei Hegel ist das Produkt einer Entwicklung).

Das präreflexive Bewusstsein ist der Stratege für die Maximierung des Seinsprofits. Es ersinnt dazu einen passenden Lebensentwurf ( „ich werde Schriftsteller“, „ich werde Millionär“, „ich werde Versager“) und reagiert in jeder Situation blitzschnell entsprechend dieses Ziels.

Freiheit

Das präreflexive Bewusstsein ist frei. Der Masochist, der sich den Körper zerlegen lässt, tut dies aus freien Stücken. Selbst in der Fesselung ist er Herr der Situation. Ein Blick des Masochisten, der den Blick des Sadisten kreuzt, erschütterte die Macht des Sadisten, weil er die Freiheit seines Opfers erkennt und durch dessen Blick zum unfreien Objekt wird, dessen Freiheit zu Seins-Maximierung schwindet. Der Masochist hat diesen Weg der Befriedigung seiner Gier nach Sein frei gewählt. Er lässt sich vom Sadisten zum Objekt machen und ersetzt seine Freiheit durch die Freiheit des Sadisten, der ihn objektiviert. Die Freiheit des Sadisten begründet das Sein des Opfers und erhöht dessen Seinsprofit.

Selbst der achtzehnjährige Soldat, der an die russische Front als Kanonenfutter geschickt wurde, tat dies aus freien Stücken: hätte er sich nicht durch Selbstmord entziehen können? Oder ein Beispiel von Sartre: „Wie auch der Widerstand des Opfers gewesen ist und solange es auch gewartet hat, bevor es um Gnade flehte, es hätte trotz allem zehn Minuten, eine Minute, eine Sekunde länger warten können. Es hat über den Moment entschieden, wo der Schmerz unerträglich wurde.“

Reflexives Bewusstsein

Das präreflexive Bewusstsein wird durch Änderung seiner Struktur zum Bewusstsein, das auf sich reflektiert. Es verdoppelt sich nicht, sondern es wandelt sich. Das präreflexive Bewusstsein bildet kein Objekt, wenn es einen Gegenstand wahrnimmt. Es ist Bewusstsein davon, ohne Vermittlung, direkt. Wenn es sich zum reflexiven Bewusstsein wandelt, ist es Bewusstsein von sich, ohne sich zum Objekt zu machen. Es verdoppelt sich nur scheinbar. Es hat sich nur als Scheinobjekt zum Gegenstand. Trotzdem erhält es im reflexiven Modus einen gegenständlichen Eindruck von sich. Es macht sich zum Sein und damit zum ruhigen Gegenstand und verschafft seinem Selbst Identität. Im reflexiven Modus schafft das Bewusstsein auf diese Weise Schattenobjekte. Das „Ich“, Triebe, Leidenschaften und „Zeit“ sind Schattenobjekte. Alles was die Psyche eines Menschen ausmacht sind Täuschungen, weil sie fremde Objekte vor sich sieht, was in Wirklichkeit es selbst in der Verkleidung eines Schattenobjektes ist. Deswegen basiert die normale Selbstreflexion eines Menschen nur auf Irrtümern. Das reflektierende Bewusstsein wird durch die Schattenobjekte verführt, sich als unterschieden vom Reflektierten zu betrachten. In Wirklichkeit ist das Reflektierte aber es selbst: Bewusstsein.

Das reflexive Bewusstsein rationalisiert den Lebensentwurf des präreflexiven Bewusstseins. Hat das präreflexive Bewusstsein entschieden, als Versager seinen Seinsprofit zu mehren, dann wird es sich immer in Situationen begeben, wo es versagt. Das reflexive Bewusstsein erfindet Ausreden, um die Unerträglichkeit des Scheiterns zu mildern. Dazu ersinnt es ein Ich, das hinter dem Bewusstsein stecke. Dieses Ich soll verantwortlich für das Scheitern sein, denn in es läge die entsprechende Persönlichkeit. Oder es erfindet Triebe, Leidenschaften, Süchte, Ängste etc. (Schattenobjekte), die das Scheitern verursachen. Gefühle haben einen unauthentischen Charakter, sie sind realitätsverleugnend. Sigmund Freud nimmt solche Mächte im Unbewussten an. Sartre lehnt sie als Konstruktion des reflexiven Bewusstseins ab.

Neben dieser verschmutzten Reflexion gibt es aber auch noch eine reine. Rein ist die Reflexion, wenn sie dem Rationalisierungsdruck der Angst vor der Freiheit nicht nachgibt, oder besser: wenn sie ihn als konstitutiv erkennt, aber von sich abhält. Diese geläuterte Reflexion befähige zur Philosophie. Sie erkennt, dass es im Bewusstsein nur ein nicht mit sich identisches Bewusstsein gibt. Das Bewusstsein akzeptiert sich als das, was es ist. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst heißt, dass man als nicht mit sich selbst identisches Bewusstsein ist, was man ist.

Vermehrung des Seins

Das Mangelhafte ist das Bewusstsein selbst. Denn es ist innerlich gespalten. Das, was ihm fehlt, ist die Einheit seiner selbst. Die Einheit wäre der Seinsprofit. Jede Handlung dient dem Seinsprofit. Wenn es seinen Körper Brot essen lässt, dann nicht, weil ein Hunger der Grund wäre (das Bewusstsein wird von nichts und niemanden zu etwas veranlasst, es ist vollkommen frei, spontan), sondern weil es mit sich selbst identisch werden will: Es will der sich vollbringende Hunger sein. Es will sich als gegenständliche Form des Hungers. Die gegenständliche Form des Hungers ist es selbst, wenn es das Brot isst. Das Brot dient hier als Mittel zur Realisierung des hungernden und damit seienden und damit mit sich selbst identischen Bewusstseins. Das hungrige Bewusstsein strebt die Vereinigung mit dem essenden Bewusstsein an. Sartre setzt diese Definition des Triebes, Sein zu werden, weil sie in seinem Gesamtsystem Sinn macht. Für sich allein erscheint sie aberwitzig.

Nicht-Verursachung

Dies ist der am schwierigsten zu akzeptierende Punkt in seiner Ontologie, aber auch der wichtigste, weil die absolute Freiheit und das Nichtgelten der Ursache-Wirkung-Beziehung die Grundlage des Bewusstseins sein soll. Es besagt nämlich, dass das Bewusstsein unverursacht sei. Es könne nichts auf das präreflexive Bewusstsein einwirken, um es zu etwas zu bewegen. Dies kann man im Selbstversuch nachvollziehen. Ich zum Beispiel, habe tendenziell einen fokussierenden Blick. Mein Bewusstsein, so meine ich, wird durch ein Interesse auf einen Gegenstand ausgerichtet. Wenn ich das Interesse nun zur Seite lege und mich nur auf das Bewusstsein konzentriere, das seine Gegenstände spontan wählt, ändert sich tatsächlich auch mein Denken, aber nicht in dem Sinne, dass es jetzt regellos wäre. Es ist so, als erhielten die Gegenstände ihren eigenen Wert, der von mir, meinem Interesse, nicht verändert wird. Als würde ich von den Gegenständen strukturiert, obwohl ich sie mir spontan wähle. Der Standpunkt eines Künstlers? Kreativität, Angstfreiheit, Rücknahme, Überblick und Gefesselt sein fallen mir auch als Charakterisierungen ein.

Objektivität

Präreflexives Bewusstsein ist Bewusstsein von sich als Bewusstsein von etwas. Gäbe es dieses Etwas nicht, gäbe es kein präreflexive Bewusstsein. Das präreflexive Bewusstsein ist Negation des Seins und erzeugt sich dadurch. Das Sein existiert ohne das Bewusstsein. Das Bewusstsein existiert nur mit dem Sein.

Nicht die Sache ist beim Bewusstsein anwesend, sondern das Bewusstsein bei der Sache. Der unstrukturierte Stoff, das Sein, wird unmittelbar ohne den Umweg über die Sinnesdaten strukturiert (negiert). Die Formen Kants werden bei Sartre zur Negation. Sie sind objektiv, wirklich, aber nur, weil das Bewusstsein ein eigenes Sein hat, real ist. Es gibt keine Distanz zwischen Sein und Bewusstsein: das Bewusstsein ist nur die Negation, nicht mehr und nicht weniger.

Das Bewusstsein bezieht sich immer auf etwas Bestimmtes. Es zerfällt in Einzeldinge: eines bildet immer den Vordergrund und alles andere verschwindet in einem undifferenzierten Hintergrund. Das Zerfallen in Einzeldinge ist der Raum.

Wenn das Bewusstsein ein Ding wahrnimmt, geschieht das nicht kontemplativ. Das Bewusstsein erfasst die Dinge auf der präreflexiven Ebene unmittelbar als Forderungen und Utensilien. Die Hässlichkeit von Gegenständen bedeutet, dass das Bewusstsein bei ihnen einen Mangel an Seinsprofit feststellt: sie sind nicht das, was sie sein müssten.

Der Andere

Ein Mensch, der in mein Bewusstseinsfeld tritt, ist Bewusstsein und damit Zentrum einer Welt, zu der jetzt Dinge gehören, die auch zu meiner Welt gehören. Dadurch gerät meine Welt ins Schwanken, doch noch ist die Beziehung des anderen zu meinen Dingen immer noch Objekt meiner Welt.

Wenn allerdings der andere mich anblickt werde ich das Objekt seiner Wahrnehmung. Ich erfahre die Anwesenheit des Anderen schockartig als eine unbezweifelbare Realität. Er ist für mich als Freiheit anwesend und nicht mehr als Gegenstand meiner Wahrnehmung. Er ist Bewusstsein wie ich. Ich kann ihn nicht direkt negieren. Ich kann nicht sagen: ich bin nicht Bewusstsein, aber ich kann sagen: ich bin nicht das Sein, das der andere aus mir macht, wenn er mich objektiviert.

     Scham

Ich akzeptiere meine Objektivierung durch den anderen, weil ich nur diese negieren kann, um meine Freiheit zu erhalten. Der andere kann mich objektivieren, wie er möchte. Insofern bin ich machtlos und empfinde Scham.

Stolz

Um der Scham, der Machtlosigkeit zu entkommen, kann ich mir einreden, ich könnte die Art meiner Objektivierung durch den anderen beeinflussen und sogar auf den anderen über mein Objekt-Ich Macht ausüben.

Furcht

Sie entsteht aus den Möglichkeiten, die der andere hat, wenn er über mein Objekt-Ich verfügt. Er könnte mir schaden.

Hochmut

Ich nehme meine Verobjektivierung nicht war: ich ignoriere sie und objektiviere den anderen umso mehr.

Angriff

Der Erblickende hat Macht über den Erblickten. Solange ich erblickt bin, bin ich Teil der Möglichkeiten eines Anderen, und zwar ohne, dass ich diese Möglichkeiten in mein Möglichkeitensystem integrieren konnte.

Gegenangriff

Grundlage dafür ist meine Identifikation mit dem Objekt-Ich: Indem ich es anerkenne, dass ich es überschreite, wird mir klar: ich bleibe trotzdem ein freies Bewusstsein. Jetzt kann ich meinerseits den Anderen objektivieren und seine für mich bedrohlichen Möglichkeiten in mein eigenes System integrieren. Sein Bild von mir ist nur noch ein Bild. Sein Bewusstsein verschwindet aus meinem Ego und verwandelt sich in eine Funktionsweise einer Maschine, die ich kontrollieren kann. Der andere wird zu meinem Werkzeug.

Zwischenfazit:

Das Sartresche Subjekt kann seiner Freiheit nicht entfliehen. Bei ihm gibt es keine Mächte, die es bestimmen. Es ist frei. Es ist produktiv, weil es permanent ein Sein entwirft, dem es entsprechen will. Es schöpft seinen Sinn aus sich, auch wenn dieser Sinn letztlich die Sinnlosigkeit ist. Reflexion, Imagination, Sexualität und Gefühl sind gleichwertige Selbstrealisationen. Das existentialistische Subjekt ist das Subjekt, das die Verantwortung nur bei sich selbst suchen soll – alles andere sei schmutzige Reflexion und damit Betrug. Der große Nachteil dieser Philosophie ist die fehlende Ethik und die Abwesenheit von Vernunft. Das Subjekt reflektiert zwar pausenlos, aber nur um seine Freiheit zu kaschieren. Die reine Reflexion dient lediglich zur Sichtbarmachung der Freiheit.

Verhältnis des Poststrukturalismus zum Sartreschen Standpunkt

Der Poststrukturalismus wird sich später darum kümmern, die Wahlfreiheit, die in Sartres Philosophie so unentbehrlich ist, zu eliminieren. Denn Freiheit heißt Verantwortung. Das ist dem Staatsfeminismus fremd. Der Poststrukturalismus wird auch das Sein, der Stoff aus dem das Bewusstsein seine Entwürfe erstellt, entsorgen. Was übrigbleibt ist etwas, für das es keinen Namen gibt.

Es gibt keine Akteure im Poststrukturalismus

Vielleicht ist der Begriff des Untoten passend. Die poststrukturalistischen Zombies finden Grundlage und Dasein in einem Meer von Bedeutungen und Strukturen. Dies wäre das neue Sein. Die Positivität jener Bedeutungen und Strukturen ist in den Wortlandschaften der Sprache fixiert. Der postrukturalistische Nicht-Akteur spiegelt sich in der Sprache und lässt sich von ihr bestimmen. Gesetze und Normen haben ihren Ursprung nicht im Denken, sondern im Instinkt.

Ein Zombie kann nicht denken

Die poststrukturalistische Nicht-Existenz hat keinen vernünftigen Maßstab, mit dem sie dem Nicht-Denken entkommen könnte. Wo kein Denken, da ist kein Unterschied. Es hat keine Kategorie, um Differentes festzuhalten. Deswegen liebt der Feminismus paradoxerweise die Differenz und Diversität, aber nur, um sogleich zu sagen, dass alles Differente gleichwertig sei. Alles ist multidifferent und darin gleich: ergo ist alles gleich zu behandeln.

Differenz und Diversität sind dem Feminismus unbegreiflich

Die vielbeschworene Differenz des Feminismus ist nicht mehr als ein schwächlicher Farbwechsel zur Erheiterung des Gemüts. Dem Harten der Differenz begegnet der Feminismus nicht mit unterscheidendem Denken, sondern wahlweise mit Toleranz, Ängstlichkeit, Servilität und offener Aggressivität. Wenn jemand sagt, um der Gleichheit der Menschen Willen, seien sie in ihrer Unterschiedlichkeit festzuhalten und unterschiedlich zu behandeln, ist er Sexist oder Faschist. Die einzige Differenz, die der postrukturalistische Nicht-Akteur festhalten kann, ist jene gegenüber dem männlichen Denken, das seine formlose Beliebigkeit verachtet.

Der Staatsfeminismus ist totalitär

Der Staatsfeminismus, der diesen Standpunkt übernimmt, benutzt die Mittel der Beschämung, der Drohung, der Lüge und der Subversion, um sich zu erhalten. Seine politische Ausgestaltung ist notwendig totalitär. Es gibt nur diesen Weg, Menschen, die die Selbstbestimmung fürchten, einen staatlichen Rahmen zu geben.

Stellungnahme von Judith Butler:

Der kursiv geschriebene Text sind Kommentare von mir. Alles andere sind meine möglichst prägnanten Übersetzungen aus der Dissertation Judith Butlers.

Judith Butler spricht:

Das Imaginäre und das Reale trennt ein Abgrund, daher kann eine Begierde niemals wirklich befriedigt werden.

Sartre

Judith Butler sagt, das Bewusstsein sei vornehmlich Träumen.

Sartre lege eine Theorie des intentionalen imaginativen Bewusstseins vor. Die Imagination sei eine Form des intentionalen Bewusstseins. Die Imagination müsse analysiert werden mit Hilfe der Erfahrung, wobei die Erfahrung aber mehr sei als sinnliche Erfahrung.

Das Bewusstsein ist immer auf die Welt gerichtet.

Intentionalität sei ein Merkmal der Wahrnehmung, der Imagination und des Gefühls. Alle drei seien Formen des intentionalen Bewusstseins und sie bezögen sich dadurch auf Objekte der Welt. Sartre vollzöge die Wendung von der epistemologischen zur existentialistischen Perspektive. Intentionalität als Direktionalität hin zu den äußeren Dingen sei ein Merkmal menschlichen Seins und führe zur Spontaneität und Eruptivität des Bewusstseins.

Durch die Ausrichtung auf Welt, wird das Bewusstsein von der Welt her bestimmt.

Nicht nur das Wissen, sondern auch die Leidenschaft käme von der äußeren Welt und sei von ihr gefesselt. Damit sei ein direkter Zugang zur Welt ermöglicht und nicht nur ein indirekter über Repräsentation der Welt im Bewusstsein. Husserl habe als erster die Illusion der Immanenz als Merkmal einer Verdauungsphilosophie erkannt: diese würde die Objekte der Wahrnehmung im Denken so lange bearbeiten, bis sie ihr gemäß seien. Das intentionale Bewusstsein sei aber fähig direkt mit dem äußeren Objekt in Kontakt zu treten.

Bewusstsein und Welt sind getrennte Seinsbereiche.

Für Sartre sei weder die Welt noch das Bewusstsein das Erste, vielmehr seien beide auf einem Schlag da und die Welt sei vom Bewusstsein unabhängig. Sie seien distinkt und trotzdem strukturell isomorph. Das Bewusstsein sei die durchscheinende Offenbarung der Welt. Die ontologische Differenz von Bewusstsein bzw. Welt sei Nichts bzw. Sein. Der Begriff der Intentionalität befreie vom Idealismus.

Das Bewusstsein will Einheit mit dem Sein

Die kognitiven Funktionen des Bewusstseins seien neben der Repräsentation von Objekten auch Gefühle wie Liebe, Hass und Furcht. Alle diese Funktionen seien Intentionalitäten, die die Welt auf unterschiedlieche Weise verstehen wollten. Begierde sei die Grundform von der sich alle kognitiven Funktionen ableiteten. Begierde sei die Grundstruktur der Intentionalität. Begierde wolle das Sein.

Diese Synthese geschieht direkt oder über den Umweg der Gefühle. Bei der indirekten Herstellung von Einheit hilft das Träumen, doch das Träumen erreicht die Gegenstände nicht.

Begierde sei einerseits direkt mit den Objekten verbunden, indem das Begehrte das Begehren lenke. Andererseits würden Gefühle als Unterformen der Begierde die Objekte nur über Imagination ansprechen und sie damit nicht erreichen.Dies sei ein Widerspruch. Dies sei aber nicht falsch, weil das Wahre immer vom Gegensätzlichen bestimmt sei.

Es gibt kein Ego und wenn, dann nur als Erfindung.

Sartre verwerfe die Annahme Husserls, dass ein Ego hinter der Intentionalität stünde. Das Bewusstsein selbst sei Intentionalität und das Objekt auf das es gerichtet sei, gäbe erst seinen Zusammenhang, eine Einheit des Bewusstseins. Das Bewusstsein organisiere sich, indem es das Objekt denke. Das Objekt überschreite das Bewusstsein, nicht umgekehrt. Das Bewusstsein greife nur danach und würde vom Objekt bestimmt. Das Ich sei nicht Besitzer des Bewusstseins, sondern würde vom Bewusstsein gemacht. Ein Ich entstünde nur wenn das Bewusstsein auf sich selbst reflektiere. Es sei kein überblickendes Ich notwendig, um die intentionalen Akte des Bewusstseins zu beschreiben. Einerseits gäbe es das nicht-reflexive Bewusstsein, das nichts setzt, sondern das Ich als Objekt wahrnimmt.

Das Bewusstsein unterscheidet sich in präreflexives und reflexives Bewusstsein.

Andererseits gibt es das reflexive Bewusstsein, das die spontanen Akte des nicht-reflexiven Bewusstsein und dessen prä-reflexiven Bewusstseins hierüber beobachtet. Beide Verhaltensweisen wechselten ganz natürlich ab, ohne dass ein Ich dafür notwendig wäre.

Das „ Ich“ als Angst vor der Freiheit

Das Alltagsbewusstsein würde immer vor sich selbst fliehen, weil es Angst vor seiner Spontaneität habe. Um diese Angst zu vermeiden flüchte es sich in ein Ich und damit in die Abhängigkeit. Diese Sicherheit könne es problemlos durch einen spontanen Akt wieder verlassen, um wahrhaft unabhängig zu werden.

Nun eine schöne Reformulierung des eben Gesagten.

Das Bewusstsein sei zugleich prä-reflexiv und reflexiv. Es brauche dazu kein Ich. Begierde sei prä-reflexive Intentionalität. Begierde äußere sich in der Imagination. Imagination sei eine Art spontane Untersuchung der möglichen und versteckten Strukturen der Objekte, so dass das Objekt – über die sinnliche Erfahrung – selbst spreche und sich offenbare.

Jetzt gibt Judith Butler die Erkenntnislehre Humes. Danach gibt sie einen Abriss der Erkenntnislehre Husserls. Während Sartre die völlige Klarheit des intentionalen Bewusstseins postuliert, präferiert Judith Butler das nicht Klare als das Wesen der Dinge.

Das Unausgesprochene, das Abwesende sei entscheidend für eine bedeutungsvolle Realität. Nur so erreiche man die Vollständigkeit der Realität, weil das, was man nicht unmittelbar erfahre, durch Imagination ergänzt werde.

Das Träumen ist determiniert

Die Imagination sei dabei strukturiert, nicht zufällig. Dadurch sei unser Wissen determiniert und absolut. Die Imagination sei zu variieren, was einen Perspektivenwechsel bedeute.

Sartre als Verfechter von klarem Denken wird angeführt

Für Sartre hingegen sei das Produkt der Imagination nicht ein Objekt, sondern eine Relation in der das Objekt entweder als nicht präsent oder als nicht existent oder als neutral gegenüber dieser Einstufung gesetzt werde. Imagination sei irreal, es negiere die Welt, indem sie auf diese gerichtet sei. Sartre erkläre zwar die Imagination als autonom und strukturiert, spreche ihr aber auf der anderen Seite das Denken ab.

Judith Butler ist erschrocken bei der Vorstellung, sie müsse ihr Denken an der Realität messen.

Wenn das Bewusstsein vom Objekt organisiert werde, was sei der Beitrag des Bewusstseins zum Objekt? Wenn das Bewusstsein die Welt nur erscheinen lasse, wie kann sie dann als begehrenswert, hassend oder imaginär erscheinen? Dies könne doch nur vom Bewusstsein kommen. Die Objektorientiertheit der Intentionalität könne dies nicht erklären. Nach Sartre ist die Imagination oder das Gefühl eine verschwommene Ausprägung des Bewusstseins, dass idealer Weise kristallklar sei. Nur das, was außerhalb des Bewusstseins sei, habe Realität.

Doch Rettung naht

An anderer Stelle beschriebe Sartre die Intentionalität als Überschreiten des Bewusstseins hin zu Emotionen und ermögliche so eine emotionale Relation zu den Dingen.

Verwirrung bei J.B.

Einmal ermögliche die Imagination das Verstehen von Welt, das andere Mal flüchtet sie vor der Welt. Sartre frage, ob das Affektive ein Verstehen der Welt bedeute oder nur ein Zeichen von Solipsismus sei.

Die Wahlfreiheit ist nach Judith durch Triebe determiniert. Offenbar hat sie Sartre nicht richtig gelesen, der von der absoluten Freiheit und Unverursachtheit des Bewusstseins spricht. Triebe sind danach inexistent, Erfindungen.

Die freie Wahl des Bewusstseins, in welcher Form es sich ein Sein gebe wolle, sei der Ort, wo die Emotionen wirkten. Die Selbstverwirklichung sei ein Projekt freier Wahl, das mit Leidenschaft verfolgt würde. An diesem Ort wäre das Wissen leidenschaftlich und die Selbstfindung ein Vorgang in der es seine Welt entdecke und schaffe.

Das Träumen vereinfacht die Wirklichkeit. Es erhöht den Seinsprofit.

In der Imagination sei die Komplexität und Fremdheit der Welt negiert. Das Bild der Imagination erhielte Eigenständigkeit, sei nicht mehr durch unzählige Bezüge behindert und würde dadurch präsent und vollständig. Die Präsenz des Bildes fülle die Leerstellen der Wahrnehmung. Die Angst sei das vorherrschende Merkmal der Beziehung des Bewusstseins zur Welt, weil diese Beziehung absolute Freiheit sei und damit permanente Unbeständigkeit. Das Bild der Imagination gäbe eine vorübergehend konstante Präsenz der Welt. Das Bewusstsein wolle an die Existenz des Bildes glauben aber wäre immer dessen Irrealität gewiss. Freiheit sei eine Überwindung der Faktizität. Das Objekt als Bild ist niemals mehr als das Bewusstsein, was man davon hat.

Butler schließt aus dem eben Gesagten:

Das Bewusstsein entsteht durch Imagination.

Dies ist eine völlige absurde Behauptung. Denn nach Sartre ist Bewusstsein einfach da. Sie versucht nun diese These zu stützen:

In seiner späteren Entwicklung nähme Sartre eine subjektorientierte Sicht der Intentionalität ein.

Aber leider bleibt es beim harten Sein und Bewusstsein für Sartre.

Bei Sartre sei Imagination Flucht vor der Realität: Solipsismus.

Vielleicht hilft ja Husserl

Bei Husserl ermöglicht sie Zugang zu den verdeckten Teilen der Realität. In beiden Fällen bestätigt sich Bewusstsein als außerhalb der Realität.

Und wieder versucht sie es:

Es konstruiere nicht die Welt, sondern konstruiere sich als kreative Aktivität.

Träumereien sind viel angenehmer als die Welt:

Bilder würden sich auf einen Schlag präsentieren und würden nicht so widerständig sein wie Objekte der Erfahrung. Ein Bild sei eine Relation zu einem Objekt, das vollkommen begehrt und vollkommen angeeignet werden kann. Die Bilder erscheinen nicht aus einem bestimmten Blickwinkel.

Das Traumbild zur Erhöhung des Seinsprofits.

Das Ich erzeuge sie so, wie sie an sich seien. Begierde kann also durch dieses Bild vollkommen befriedigt werden.

J.B. verliert den Überblick:

Ein Bild sei immer emotional aufgeladen, weil Emotionalität die Welt magisch besitzen oder kontrollieren wolle. Gefühle benötigen Bilder um die Welt neu zu erzeugen. Das Bild sei eine Art Ideal für das Gefühl. Es sei ein eingeschränkter Zustand des affektiven Bewusstseins, ein Zustand in dem Begierde Wissen sei. Die Emotionen seien Variation der Begierde. Das Erzeugen von Objekten strukturiere Emotionalität und Imagination. Es sei die Begründung der eigenen Welt. (Es wird konfus:) Das Bild sei emotional. Emotionen wollen Welt besitzen (Aha. Emotionen sind nach Sartre aber Schattenobjekte, Täuschung, Flucht vor der Welt. hm.). Emotionen erzeugen Welt. Emotionen wollen Bilder. Die Besitzname der Bilder sei Wissen (jup). Bilder strukturieren Emotionen. Bilder erzeugen die Welt (eben waren es noch die Emotionen).

Alles wieder zurück auf Los.

Die Objekte der Begierde seien aber auch außerhalb des Selbst und würden die Begierde steuern. Das Bewusstsein verhielte sich also gegensätzlich: einmal intentional und einmal reflexiv, einmal realistisch und einmal idealistisch.

Wechselbezug Subjekt/Objekt

Das Konstruieren von Objekten widerspräche dem Wissen von diesen. Ein dynamisches und konstitutives Paradox. Welcher Art kreativen Wissens ist die menschliche Begierde? Kann das Bewusstsein gleichzeitig das Objekt entdecken und erzeugen? Unterscheidung zwischen intentionalem und repräsentativem Wissen. Das Wissen von Objekten erfolge immer über verschiedene Präsentationen und verschiedenen Erscheinungsformen.

Unmöglichkeit der absoluten Objektivität

Um ein Objekt objektiv zu sehen muss man sich in bestimmter Weise zu dem Objekt verhalten. Das begehrte Objekt kann also nicht vom objektiven Objekt unterschieden werden, denn das Objekt erschiene immer so, wie es intendiert werde. Wenn ein Objekt begehrenswert erscheine, dann sei das Begehrenswerte konstitutiv für seine Erscheinung.

These:

Es gäbe also kein Unterschied zwischen illusorischer und objektiver Erscheinung.

Implikation und Widerspruch:

Wie könnte man hier noch von einer Täuschbarkeit der Begierde sprechen? Gäbe es einen Unterschied zwischen Bild und Illusion? Wie könnte man es feststellen, wenn Begierde versuche das Selbst zu täuschen, indem es glauben mache, dass Faktizität überschreitbar sei? Dies sei der schlechte Glauben aus „Sein und Nichts“.

Auflösung des Widerspruchs durch vermehrtes und verstärktes Träumen. Der Realitätsgehalt des Traums wird gemessen an der gefühlten Präsenz, dessen was man träumt.

Begierde sei Begierde nach Fülle, um die Leerstellen der Erfahrung zu tilgen (nicht schlecht das Träumen als Negation der Erfahrung zu beschreiben. Reformulierungssucht). Die Präsenz einer weißen Wand in dem imaginierenden Bewusstsein ist unerreichbar für ein Bewusstsein, das durch Perspektive begrenzt ist. Das Wissen, das die Imagination über die Welt erzeuge, sei deren Präsenz.

Imagination ist vollkommen irreal und Erfahrung nur teilweise.

Das Objekt der Imagination sei nicht real insofern es nicht erfahrbar sei. Das Objekt des Erfahrungsbewusstseins ist nicht real insofern es perspektivisch und umrisshaft erfahren wird.

Folgerung nach J.B.: beide sind real. oh je.

Man kann Realität als perspektivbefreite Imagination oder als Resultat perspektivischer Erfahrung definieren.

Jetzt gibt sie die korrekte Einschätzung Sartres hinsichtlich von Emotionen

Für Sartre seien Emotionen ineffektive Antworten auf Schwierigkeiten in der Welt: Furcht negiere die Welt, Wut zeige die Hilflosigkeit gegenüber der Welt und die Flucht davor. Emotionen bewirkten eine magische Veränderung der Welt. Die Welt sei dem Bewusstsein unzugänglich, sie sei brutale Gegebenheit, das absolut Andere. Und dennoch zeige sie sich wieder in ihrer Struktur. Inkonsistenz der Welt.

Trennung von Welt und Subjekt. Intentionalität. Wiederholung von oben. Ontologie.

Die Welt zu wollen oder sich mit ihr zu identifizieren sind zwei sehr unterschiedliche Unternehmungen. Sartres Subjekt entwickelt sich nicht, um zu entdecken, dass es immer schon war, zu was es wurde. Sartres Subjekt entsteht aus dem Nichts. Es entdeckt seine Objekte in ihrer Widrigkeit und Fremdheit. Unsere Relation zur Widrigkeit sind Emotionen. Das Subjekt sei ein Loch im Sein und es kann dieses Negative nicht durch Synthesis aufheben. Sartre nennt das Bewusstsein negative Negativität insofern es sich gegen sich selbst richte und dadurch determiniertes Sein (Selbst) erzeuge. Indem die Selbsts sich gegeneinander negieren, erzeugen sie den Anderen. Begierde habe einen tieferen Grund: das Bewusstsein wolle sich im Sein begründen.

Seinsentwurf des Bewusstseins als ursprüngliche freie Wahl zur Maximierung des Seinsprofit. Das folgende ist eine reine Nacherzählung Sartrescher Philosophie, deswegen auch keine Kommentare.

Dazu treffe es eine fundamentale Wahl, die die grundlegende Haltung zur Welt festlegt. Danach folge eine unüberschaubare Anzahl besonderer Leidenschaften, die die grundlegende Begierde und die grundlegende Wahl wiederspiegeln. Das grundlegende Bedürfnis zu sein, drücke sich im Bestreben des Selbst, sich selbst gleich zu werden, aus. Das Ziel sei ein gottgleicher Zustand, in dem sich der Mensch selbst erfasse. Die Erreichung dieses Ziels sei unmöglich. Die personale Identität ist die partikulare Verkörperung des Bestrebens Gott zu sein. Gott zu sein, hieße sich selbst zu begründen. Das fundamentale Projekt sei die Person und davon seien alle Leidenschaften und Begierden bestimmt. Die Person kann nur durch Leidenschaften verstanden werden. Da Begierde auf Mangel verweise und da das Für-sich (Bewusstsein) ein Sein sei, das für sich selbst den Mangel an Sein feststelle, sei der Mensch Begierde zu sein. Die Begierde zu sein, manifestiere sich in tausende unterschiedliche Gefühle wie Eifersucht, Gier, Liebe und das Menschliche manifestiert sich nur in einer konkreten Person. Die Möglichkeit, das grundlegende Projekt zu erkennen, ergäbe sich aus der Tatsache, dass das reflektierende Bewusstsein sich auf das präreflexive Bewusstsein bezöge, welches Strategien spontaner Leidenschaften umsetze. Es müsse nur die Zeichen hermeneutisch lesen. Derjenige der begehre und derjenige reflektiere sei der gleiche. Das präreflexive spontane cogito sei der Ursprung der Begierde und konkreten Leidenschaften und sei dem reflexiven cogito zugänglich. Freud postuliere eine ontologische Disjunktion zwischen Zeichen (die originale Begierde) und Bezeichnetem (konkrete Leidenschaft) und beide seien dem Bewusstsein nicht zugänglich. Wenn aber Begierde ihre Bedeutung im Unbewussten hätte und der bewusste Ausdruck von Leidenschaften auf das Unbewusste zurückbezogen wäre, dann wäre ein Verstehen von Begierde unmöglich. Begierde habe ihren Ursprung nicht im Unbewussten, sondern im Bewusstsein. Das Subjekt kann seine Begierden selbst interpretieren und verifizieren. Die Interpretation durch eine dritte Person würde eine Verfremdung in die Psyche einbringen und ein Selbstverständnis verhindern. Der Kampf zwischen Vernunft und Begierde sei ein Kampf zwischen präreflexivem und reflexivem Bewusstsein. Das existenzielle Projekt der Begierde sei verdunkelt durch das Objekt der Begierde, das konkrete Projekt aber darin vollbracht. Die Reflexivität, die bei jedem intentionalen Verhalten dabei ist, ist selbst indirekt und kann nur verstanden werden durch eine Reflexion des präreflexiven Bewusstseins.

Das Selbst könne sich nur entdecken, indem es willentlich Objekt setze. Jede Absicht auf ein Objekt setzt ein Wissen von sich voraus. Dieses Selbst ist aber nicht gesetzt. Es ist nicht das Ziel des intentionalen präreflexiven Bewusstseins. Es sei dessen Hintergrund vor dem es ablaufe und außerhalb des präreflexiven Bewusstseins. Das Selbst außerhalb des intentionalen präreflexiven Bewusstseins zu entdecken sei unmöglich, weil die Entdeckung des Selbst nur über die vom intentionalen präreflexiven Bewusstsein gesetzten Objekte möglich sei. Das Selbst sei die Art und Weise des Setzens der Objekte, unsere Verhaltensweise zur Welt oder die Art wie das Selbst erschiene. Das präreflexive Bewusstsein hat ein unmittelbares Selbstbewusstsein und bedürfe dazu nicht des reflexiven Bewusstseins. Dieses Selbstbewusstsein sei aber noch oberflächlich. Das Selbst, das entstünde, sei eine Setzung in die Welt, aber von dieser absolut getrennt. Es gäbe keine zunehmende Synthese mit dieser Welt. Die Trennung sei unüberwindbar. Die Einheit des Subjektes sei zwar das Ziel, aber diese Einheit sei eine Illusion und Projektion. Emotionen sind immer eindeutige Ausdrücke des sich wissenden Selbsts, das Ergebnis einer grundlegenden Wahl. Wenn man etwas begehre, dessen Unerreichbarkeit klar ist, sei man nicht Opfer seiner Begierde, sondern man suche explizit die Enttäuschung der Befriedigung. Die Enttäuschung gehöre zur grundlegenden Wahl des Projektes, das man zur Erschaffung seines Selbsts gewählt hat. Es sei ein Bestandteil dieses Projektes. Das reflexive Bewusstsein wisse das, dem präreflexiven Bewusstsein fehle die Kenntnis. Die Enttäuschung des präreflexiven Bewusstseins springe das reflexive Bewusstsein zur Seite und böte eine Erklärung: das präreflexive Bewusstsein sei ein Opfer seiner Leidenschaften und nicht deren Erzeuger. Die Überzeugung, die daraus entstünde, hieße Bösgläubigkeit. Das existenzielle Projekt eines Bewusstseins ist erfahrbar, insofern das präreflexive Bewusstsein ein ungefähres Wissen davon habe. Das präreflexive Bewusstsein ist ein zweideutiges Wissen, das jede Wahrnehmung eines Objekts begleitet: einmal zugänglich und dann wieder versteckt. Als Bewusstheit decke sie die Verbindung zwischen intentionalen Bewusstsein und reflektiertem Bewusstsein auf. Als nicht-setzendes Bewusstsein sei es ein zurückgedrängtes Bewusstsein, vom Objekt, dass es erfasst, verdunkelt.

Jetzt behauptet sie, der Drang des präreflexiven Bewusstseins, sein Sein zu mehren, sei dunkel. Dies steht im Gegensatz zur völligen Klarheit des präreflexiven Bewusstseins nach Sartre. Dafür kann sie aber eine originelle Analogie zu Hegel herstellen. Sie postuliert eine nach-hegelianische Dialektik bei Sartre und spricht von Entwicklung. Doch Sartre sagt selbst, dass das Bewusstsein sich nicht entwickelt: es erfüllt nur seinen ursprünglichen Seinsentwurf mit vielen Entscheidungen der praktischen Lebensführung.

Begierde als Form des präreflexiven Bewusstseins bestätige und verneine die Dunkelheit des Bewusstseins. Begierde sei nicht eindeutig und direkt, sondern Aufgesogensein im Objekt und gleichzeitige Selbst-Reflexion. Das hegelsche Selbstbewusstsein sei sich ebenfalls am Anfang dunkel und erst über seine Ausbreitung in der Welt falle es mit sich zusammen und würde sich selbst durchsichtig. Das Drama von Entäußerung und Wiedereinholung würde bei Sartre wiederholt mit post-hegelianischer Dialektik. Die Dunkelheit des Selbsts sei das Ergebnis eines prä-reflexiven Bewusstseins, dessen gewollte Objekte die reflexive Fähigkeit behinderten. Vom Objekt in Bann geschlagen, schiede es vorübergehend als Akteur aus. Die Dunkelheit der Begierde sei eine Dunkelheit des Selbst sich selbst gegenüber, die Fremdheit zwischen reflexivem und prä-reflexivem Bewusstseins. Das Implizite des Hegelschen Subjekts sei die noch nicht explizierte Identität mit der Welt. Das Implizite des Sartreschen Subjekts sei das prä-reflexive Bewusstsein, das seiner unverrückbaren Nicht-Identität mit der Welt bewusst, fortwährend interpretierend seine Position in der Welt erzeuge.

Dies sei die Begierde zu sein. Die Relation zu anderen Menschen würde nicht, wie bei Hegel, aufgedeckt, sondern sie würden neu erzeugt. Das Sartresche Subjekt entdecke nicht die Identität zwischen sich und der Welt, sondern das prä-reflexive Bewusstsein wisse, dass es diese Identität selbst erzeugen müsse. Das präreflexive Bewusstsein sei sich seiner Rolle als Akteur bewusst und ist konkret die Wahl, wie man sein möchte.

Unterschiedlichkeit des Bewusstseinskonzepts von Hegel und Sartre

Das prä-reflexive Bewusstsein sei eine reflexive Negation innerhalb des Bewusstseins und nicht die Negation der Welt durch das Subjekt und die darauffolgende Vermittlung in der Synthese wie bei Hegel. Hyppolite sei der Ansicht, dass das Bewusstsein zwei Realitäten unterscheide (sich selbst und die Welt) und zwischen diesen beiden vermittle und das Wissen was daraus entstünde wäre eine Synthese. Präreflexives Bewusstsein sei die Originalität und Mehrdeutigkeit einer Position, die nicht unmittelbares Leben sei. Dadurch würde es das reflexive Bewusstsein vorbereiten.

Unmittelbarkeit des Sartreschen Bewusstseins

Das Leben würde nicht total als Objekt der Reflexion abgebildet und deswegen sei die Reflexion nicht die einzige kognitive Funktion. Unmittelbarkeit sei nicht gleichbedeutend mit Falschheit. Es gäbe unmittelbares Verstehen.

Sartre meint, das Bewusstsein benötige keine Vermittlung mit der Welt, denn es sei sich selbst durchsichtig. Nicht alles Wissen benötige zeitliche Entwicklung. Das präreflexive Bewusstsein sei sofortiges Wissen, es sei bei diesem Verständnis lediglich anwesend und verfolge es nicht absichtlich.

Wichtige Unterscheidung zwischen Idealismus und Existentialismus

Husserl sei der erste, der von einem Bewusstsein sprach, das Bewusstsein von sich ist und nicht ein Wissen, ein Leben, die Entwicklung eines Geistes, noch eine Relation zum Objekt. Das Bewusstsein hätte nur einen Hauch der Negativität, des Nichts an sich. Es bliebe aber hauptsächlich unmittelbar. Es gäbe keine Unschuld, noch gäbe es Sünde. Ein Mensch muss sein Sein werden. Nach Sartre, würde die Differenz nicht durch Vermittlung überwunden, sondern durch die Ängste des spontanen Bewusstseins das seiner Sinnlosigkeit bewusst sei. Sartre internalisiere die Vermittlung in das spontane Bewusstsein. Das Für-sich hat das Projekt zu sein und ist sich der Sinnlosigkeit von Beginn an bewusst, denn es weiß sich als absolute Freiheit, die es nicht auf die Objekte übertragen kann, die es begehrt.

Es gibt keinen übergeordneten Sinn

Nach Sartre gäbe es nichts, was die Freiheit oder eine wachsende Selbsterkenntnis garantiere, denn dies sei nur ein Ergebnis der individuellen Wahl. Die einzige Motivation für Selbsterkenntnis ist die Wahl selbst. Diese sei durch nichts bedingt, daher sei Selbsterkenntnis keine notwendige Entwicklung. Die Person sei Ausdruck einer fundamentalen Begierde, nämlich die Konkretisierung einer Wahl.

Ethik in Sartres Philosophie

Sartres Bewusstsein sei nicht amoralisch, weil es eine Pflicht zur Intentionalität habe. Es habe die Pflicht ein Projekt zu wählen, das alle Leidenschaften sinnvoll vereine und seiner Individualität damit Realität gäbe.

Der perfekte Lebenslauf ist die Darstellung Gottes

In einem perfekten, konsistenten Projekt wäre man Gott und würde das Für-sich und das An-sich in Übereinstimmung bringen. Die menschliche Freiheit wäre so im An-sich verankert. Die fremden, äußerlichen Faktizitäten erschienen so als unbestimmt viele Kreationen des Selbst und verlören damit ihre Fremdheit.

Gott zu sein, ist eine Täuschung

Die Begierde zu sein könne nur befriedigt werden, wenn sich das Bewusstsein selbst davon überzeugte, dass seine imaginativen Kreationen real seien, wenn es sich also im Zustand der Bösgläubigkeit befinde. Umgekehrt bedeute das Streben nach Authentizität und Wahrhaftigkeit notwendig Unbefriedigtsein. Das angestrebte Ideal sei eine Flucht vor der Faktizität und so sei die menschliche Realität ein permanentes Entweichen von der eigenen Situation. Es gäbe viele verschiedene Projekte, z.B. das Streben nach Authentizität oder die Verwendung des eigenen Körpers um seine eigene Freiheit auszudrücken.

Vermehrung des Seinsprofits in der Sexualität

In sexuellen Beziehungen sei die Begierde bestrebt, sich zu zeigen und durch den Blick eines anderen Menschen wirklich zu werden. Dieser Blick sei nicht nur ein feindlich, wobei jeder bestrebt sei, sich im Kampf mit dem anderen als Gott zu bestätigen, sondern ein gemeinsames Erreichen von Freiheit, in denen das Faktische durch den menschlichen Willen aufgelöst werde.

Der Körper ist redselig und gedankenschwer

Das Bewusstsein und sein Körper seien nach Sartre nicht in einem antagonistischen Kampf. Der Körper sei ein ausdruckstarkes Medium des Bewusstseins. Gedanken seien Modifikationen des Körpers. Der Körper spreche und wenn man alle Scham ablegte, würde man die Gedanken als Emanationen des Körpers wahrnehmen.

Sartre schwächt die Transluzidität des präreflexiven Bewusstseins ab, wenn es sexuell begehre. Sexualität würde seine Klarheit trüben.

Sexuelle Begierde sei „trouble“. Das Konzept der sexuellen Begierde nach Sartre führe oft zum Sadomasochismus. Allerdings könnten sich die Rollen wie in einem Zirkel vertauschen. Allein die Möglichkeit zur Inversion impliziere Bewusstsein und Freiheit der Wahl. Die permanente Inversion sei die Basis für Reziprozität (heute bin ich Sado, morgen Maso). Das präreflexive Bewusstsein bleibt für immer den anderen verborgen. Sexuelle Begierde ziele auf dies Verborgene und treibt den Anderen, diese Innerlichkeit über sein Fleisch offenzulegen. Der Körper sei zugleich das Mittel zur Freiheit und Fessel der Freiheit durch seine Faktizität. In Christus würde Hegel die Körperlichkeit und Beschränkung der Freiheit überwinden. Freiheit sei nicht nur über ein Projekt der Entkörperlichung zu erreichen, sondern auch über ein Projekt der expliziten Körperbezogenheit. Freiheit nach Sartre, sei nicht das Fliehen vor dem Kontingenten, sondern das Suchen der Freiheit in der konkreten Situation, indem man sie überlebt, interpretiert und wiederholt. Begierde sei Bewusstsein, das sich körperlich mache. In Sartres Texten erschiene der Blick des einen als Voyeurismus und das Verhalten des anderen als Exhibitionismus. Die Objektivierung durch den Anderen sei die einzige Möglichkeit der Relation.

Es folgt eine Beschreibung des Verhältnisses zwischen Sadisten und Masochisten, wie ich es ähnlich schon oben beschrieben habe. Hier allerdings sehr viel ausführlicher. Da es sich um eine Nacherzählung von Sartres Sexual-Ontologie handelt, verzichte ich auf die komplette Darstellung und greife nur einige Stellen heraus.

Sartre ordne den Körper dem präreflexiven Bewusstsein zu. Obwohl der Körper Faktizität sei (als Tatsache zu akzeptieren) würde er niemals außerhalb eines interpretativen Rahmens erfahren werden (er wird also immer interpretiert). Bewusstsein von Körper, sei wie Bewusstsein eines Zeichens, das auch interpretiert würde. Der Körper verweise nicht auf feste Bedeutungen, sondern bedeutet die Art, in der er Einwirkungen erführe. Diesen Affekt drücke der Körper aus und dies sei eine auf die Welt gerichtete Intention (der Körper tritt als absichtsvoll mit der Welt in Kontakt. Der Körper spricht). Der Körper sei einerseits beschränkte Perspektive und andererseits würde es zu anderen Perspektiven streben. Ein Körper sei niemals passiv, weil er selbst in der Passivität diese aktiv erhalten muss. Darüber hinaus, kann die Passivität die Freiheit des diesen Körper Anblickenden assimilieren, indem er seine Empathie und Imagination anrege. Der Sadist verlange vom Masochisten, was der Herr vom Knecht erwarte: der Körper zu sein, der der Sadist nicht sein will. Das Projekt des Sadisten scheitere, wenn er Vergnügen beim Quälen spüre, weil dies seinen Körper bestätigen würde, den er eigentlich fliehen wollte. Sadismus sei eine Sexualität, die gegen sich selbst gerichtet sei. Er sei Hass gegen die eigene Körperlichkeit. Indem der Masochist sich mit seinem eigenen Körper identifiziert und präsentiert, übernimmt er den Blick des Sadisten und erhält dadurch die Perspektive des Sadisten und überschritte damit den eigenen Körper. Beide, Sadist und Masochist, wollten ihren Körper transzendieren, nur auf verschiedenen Wegen. Jeder sexuelle Ausdruck (vom Schmusen bis zum Geschlechtsakt) folge diesem Muster. Sexuelle Begierde sei ein Paradox, nicht lösbar. Und doch müsse die Begierde immer versuchen, eine Lösung zu finden. Die einzige Möglichkeit, dem Paradox zu entkommen, sei die Imagination des Körpers. Die Verzauberung, das Entzücken könne die Begierde so transformieren, dass ihre Befriedigung gelänge. (Sie bezieht sich hier auf die Fleischwerdung beim Sexualakt, in der die Beteiligten mit ihrem Fleisch verkleben. Alles wird sinnlich. Haptisch. Die Welt besteht nicht mehr aus Utensilien und Möglichkeiten. In diesem Zustand ist die Freiheit des jeweils anderen auf ein Minimum reduziert und damit auch deren Bedrohung. Dieser prosaischen Interpretation Sartres steht die romaneske Judith Butlers gegenüber: für sie ist es eine phantasievolle Flucht in die Traumwelt.)

Judith Butler Schlussfolgerung aus dem bisherigen:

Die Welt des Sexuellen sei nicht irrational und es gäbe Erfüllung. Wenn das Bewusstsein den Körper als seinen notwendigen Ausdruck akzeptiere, würde Bewusstsein passiv und dadurch würde die Gefühls-Welt erschlossen werden (Zur Erinnerung: wir sind hier immer noch beim perfekten Fick, wo alles zu Fleisch wird). Die primäre Relation des Bewusstseins zur Welt sei Distanz (falsch: Null-Distanz nach Sartre). Und diese Distanz würde überwunden, wenn das Bewusstsein in den Körper versinke.

Judith Butler wundert sich, warum Sartre zuerst das Bewusstsein und die Gier nach Sein postuliert. Müsste nicht zuerst der Körper kommen?

In der Tat, so sagt sie, sei es ein Widerspruch, wenn nach Sartre das Bewusstsein mit seiner Gier nach Sein zuerst da sei und dann erst das Fleisch entdecke (der besagte Fick) und auf der anderen Seite nach Sartre das Bewusstsein wesentlich die Begierde nach menschlicher Realität sei. (Ihr gefällt die zweite Formulierung viel besser. Die besagt nämlich nach ihrer Lesart, das Bewusstsein Körper sei. Die zweite Formulierung Sartres ist aber nur eine verkürzte der ersten. Judith Butler hat Probleme mit Begriffen wie reines Bewusstsein, Bewusstsein als nur Negation des Seins, Introspektion, Setzung, etc. Das sind für sie Abstraktionen, unsinnlich und nicht da. Dabei haben solche philosophischen Begriffe oft nur systematische Bedeutung, um Implikationen zu ermöglichen, die mit der Realität kongruent sind. Die Postulate selbst können absolut unsinnlich sein oder unlogisch erscheinen. Jetzt folgen viele Seiten die nachträglich eingefügt wirken. Es wirkt auf mich unzusammenhängend, so als hätte sie Reformulierungen aus ihrem Zettelkasten nachträglich eingebaut. Ich überspringe ca. 13 Seiten gefühlten Stusses, wo es, glaube ich, immer noch um diesen einen Wahnsinnsfick geht und der ihr ein ewiges Geheimnis bleiben wird.)

Die Anwendung existentialistischer Psychoanalyse dargestellt anhand von Flaubert und Genet

Jede dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbte, denen das Frühere nicht und noch nicht das Nächste gehört.

Rainer Maria Rilke, die siebte Elegie

Die Biographie sei das Mittel Sartres, um seine Ontologie zu beweisen. Der grundlegende Entwurf des präreflexiven Bewusstseins, müsse in jedem Lebenslauf nachweisbar sein.

Entwicklung des Selbst durch Begierde

Das Selbst sei die Antwort auf das Unbefriedigtsein, eine besondere Art der Begierde, die mit der Zeit eine persönliche würde. Die Begierde unterteile sich in den originalen, fundamentalen und dem täglichen Seinsentwurf.

Biographie ist konkret und allgemein zugleich

Die Biographie sei in diesem Sinne konkrete Universalität. Der spätere Sartre anerkenne den Einfluss der Bedingungen frühkindlicher Entwicklung, sowie soziale und politische Faktoren auf die Ausgestaltung der Begierde.

Trotz Sozialisation gibt es noch Freiheit nach Sartre

Unverständlicher Weise hielte er aber an der Freiheit der Grundwahl fest. Die Wahlfreiheit würde nun ein subtiler Prozess der Interpretation, eine tägliche Aufgabe, die historische Situation mit eigenen Worten zu beschreiben und neu zu erfinden.

Der Traum erfüllt jede Begierde

Begierde sei unerfüllbar, es sei denn die Befriedigung vollzöge sich in der Imagination. In der Imagination erhielte der Grundentwurf seine symbolische Interpretation. Beide, Genet und Flaubert, seien Prototypen der imaginären Befriedigung, weil sie diese literarisch realisierten. (Ich lasse hier ganze Textpassagen weg, weil Judith Butler beim Traum-Thema immer in den Pathetik-Modus wechselt: Wiederholungen und Reformulierungen sind wieder angesagt).

Genet, der Ausgestoßene

Genet, zum Beispiel, habe Schwierigkeit den Graben zu anderen Menschen zu überbrücken, deswegen zwinge er in seinen Geschichten die anderen, seinen Traum zu träumen. Er bemächtigt sich in seiner Poesie des Blickes der anderen und lenkt ihn von sich weg auf die Leserschaft und erhielt damit Macht über die Blicke der Leserschaft auf ihn. Genets Karriere begänne mit einer Opferhaltung und kulminiere in der radikalen Neuerfindung seiner Welt.

Sprache ist Wirklichkeit

Die ursprüngliche Relation zur Welt würde invertiert, indem die Sprache nicht mehr Bedeutungsträger bleibe, sondern zum Sein mutiere. Poetische Wörter konstituierten traumhafte Realität. In dieser Realität transformiert Genet das bürgerliche Leben, deren outcast er war. Über die Worte wird die eigene Kindheit, in der Anerkennung versagt wurde, neu erzählt.

Die Suche nach Anerkennung als Form der Begierde

Der Wunsch nach Anerkennung sei die treibende Kraft der literarischen Transformation der Wirklichkeit. Beide, Flaubert und Genet, waren in ihrer Kindheit nicht geliebt. Schreiben sei das systematische Erforschen der Situation, in der man geworfen wurde. Die Begierde nach Sein eines Kleinkindes sei der Wunsch nach Anerkennung, Liebe. Hier gäbe Sartre eine Verursachung der freien Selbstwahl zu. Die Freiheit sei doch bedingt. Der Mensch sei gesellschaftlich. Die Einsamkeit des ungeliebten Kindes spiegle die existentielle Einsamkeit jeden Bewusstseins.

Die Welt ist feindlich gegenüber Kindern

Die Welt sei grundsätzlich feindlich gegenüber menschlichem Verlangen. Das Selbst eines Kindes entwickle sich durch Internalisation des elterlichen Verhaltens. Da Genet und Flaubert ihre eigene Substantialität nicht erfahren und sich nicht im Blick der Eltern entdecken können, erfinden sie sich neu. Die frühe Kindheit gäbe den Rahmen für den fundamentalen Lebensentwurf. In diesem würde das die Kindheit bestimmende Motiv immer wieder durchgespielt.

Das Selbst wird immer wieder bestätigt. Von der Matrix.

Die Faktoren seien nicht bewusst, gefühlt oder erlitten: sie existierten innerhalb einer Matrix, einer Unendlichkeit von praktischen Handlungen, die in den unterschiedlichsten Situationen unbewusst das Kindheitsmotiv bestätigen und perpetuieren (Gendertheorie und Bildung des Selbsts geliefert von Sartre).

Die Gier ist interessanter als ihre Befriedigung

Menschen seien an der Begierde selbst interessiert als an ihrer Befriedigung. Dadurch entstünde Interesse an Differenz und Qualitäten und würde die Welt erst in ihrer Gänze aufschließen. Flaubert sei wie Satan, der sich an der puren Lust labt. Er begehre die Begierde. Die Thematisierung von Negativität solle nicht, wie bei Hegel, in die Substanz aufgelöst werden, sondern in ein imaginäres, individuelles Leben.

Hegel ist ein unverbesserlicher Optimist

Hegel sage, negative Sachverhalte seien implizit positiv, hätten eine vorgängige Einheit. Sartre sei nicht so optimistisch: negative Sachverhalte könnten niemals positiv werden. Sie könnten höchstens thematisiert, aber niemals repariert werden. Begierde artikuliere also nicht ein substantielles Selbst, das schon immer da war, noch erfände es ein Selbst aus dem Nichts.

Das Selbst wird erarbeitet

Es erarbeite sich in historisch spezifischen Relationen, ganz wie bei Sigmund Freud. Nach Freud entstehe das Ego als Abwehr gegen Verlust. Die Begierde sei ein vergebliches Streben, die Wunde des Lebensanfangs, zu heilen. Dieser Weg würde ein dunkles Selbst Existenz und Form geben. Der Versuch, dieses zu artikulieren oder zu repräsentieren, würde es gleichzeitig auch bilden. Eine Person zu beschreiben, bedeute, sie gleichzeitig zu erfinden.

Der moderne Roman ist biographisch

Romane müssten grundsätzlich Biographien sein, da der Standpunkt der puren Imagination überholt sei. Jeder Roman müsse einen Bezug zur kulturellen und persönlichen Vergangenheit haben. Erfindung, Wahl und Verlangen müssen die Gegenwart durch die Vergangenheit erklären und dadurch die Vergangenheit ändern.

Wörter sind begrenzt im Ausdruck aber unbegrenzt in ihrer unausgesprochenen Macht

Wörter seien das Mittel, Differenz aufzuspüren und sie zu überwinden. Sei die Kindheit, als ursprüngliche Repression, mit Worten und Bewusstsein zu erreichen, fragt Judith Butler. Was passiere mit Worten, wenn das, was nicht ausgesprochen werden kann, sich in der Sprache fühlbar mache? Dies sei eine Infragestellung der gesamten Sartreschen Philosophie des Subjekts (die Vernichtung des Subjektes wird eingeleitet).

C. Fazit und Ausblick

Judith Butlers Hauptinteresse ist der Körper. Ihr Verhältnis zum Körper wirkt befremdlich. Einerseits soll er zu seinem Recht kommen, andererseits erfasst sie ihn nur als Transzendenz, als Sprache und Mittel zur Erkenntnis. Er sei zwar faktisch, aber sein Sinn sei, sich zu überschreiten. Gabriele Wolff hat in einem Beitrag, Judith Butler als Asketin bezeichnet. Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass Judith Butler einen unnatürlichen Bezug zu ihrem eigenem Körper hat. Weiterhin fällt die Diskrepanz zwischen der Begeisterung für Imagination, Traum, Erfindung und ihres kühl rationalen Stils auf. Gefühl äußert sich bei ihr in einem Stakkato aus Reformulierungen und Wiederholungen. Sie hat neben der befremdlichen Haltung zur Sexualität und Körper auch einen wenig unmittelbaren Bezug zu ihren Gefühlen. Insgesamt wirkt und schreibt sie gegensätzlich, gespalten, von sich entfernt. Diese pathologische Haltung zum Körper und Gefühl wird sich mit den Erkenntnissen des Poststrukturalismus verbinden und als Ergebnis der staunenden Welt geschlechtslose Zombies als die neuen Menschen empfehlen.

 

 

Der Autor dieses Textes heißt Andreas Lange. Er wohnt in Hamburg, ist freiberuflich in der Softwarebranche tätig und lebt seit vielen Jahren in einer glücklichen Beziehung. Mitte 2013 ist er auf die Männerrechtsthematik aufmerksam geworden und veröffentlicht seitdem gelegentlich Kommentare in der männerrechtlichen Bloggerszene unter dem Pseudonym „quellwerk“.
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Andreas Lange

Seine Beiträge gehen in die Tiefe. Er beschäftigt sich häufig mit philosophischen Themen. Judith Butler ist nicht einfach nur eine Feministin für ihn.  

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