An Gayle Tufts: Spalten statt versöhnen? Eine Erwiderung

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Eine Erwiderung zu: Gayle Tufts: Donald Trump ist eine Schande

Komikern Gayle Tufts hat eine klare Meinung zu US-Präsident Donald Trump.

Er sei eine Schande und eine Bedrohung für die ganze Welt, sagte die 60-Jährige mit US-amerikanischen Wurzeln der Deutschen Presse-Agentur. (…)

[Bild von hier.]

Spalten statt versöhnen? Eine Erwiderung.

Sehr geehrte Frau Tufts,

indirekt werten Sie die USA mehrfach ab. Warum? Der 2016 gewählte aktuelle Präsident ist aus Ihrer Sicht „eine Schande und eine Bedrohung für die ganze Welt“ und „Joe Biden ist auch nicht mein Traumkandidat.“ Für mich treffen Ihre Vokabeln wie Schande und Bedrohung eher auf Putin, Lukaschenko, Assad, Kim oder Xi zu.

Wählen Sie demnächst – sollten Sie sich nicht der Stimme enthalten, was ja auch eine Option ist – das aus Ihrer Sicht kleinere Übel? Übel bleibt ebenso Übel wie ein Dieb ein Dieb bleibt, egal ob er oder sie 10 Cent oder tausend Euro klaut.

Warum die US-Demokraten einen auf die 80 Jahre zugehenden Greis als Präsidentschaftskandidaten und keine/n jüngere/n ins Rennen schickten – egal welchen Geschlechtes oder welcher Hautfarbe, Herkunft oder Rasse – ist mir ein Rätsel und spricht eher für politische Dummheit. Man käme dann wenigstens nicht vom Regen in die Traufe. Aber Opa Biden wird’s richten?

Im Übrigen sollten Sie sich eigentlich für einen solchen Satz über Trump schämen, denn Sie beleidigen nicht nur ihn, sondern auch seine Wähler und seine Anhänger sowieso. Das ist nicht nur „typisch deutsch“ moralisierend, das ist schlicht unpatriotisch und von undemokratischem Geist geprägt. Meine Frau ist US-Amerikanerin und wir diskutieren mit unserem Sohn oft solche politische Fragen und Bewertungen.

Trump war ja früher jahrelang Demokrat, da war er bei Liberalen beliebt, dann wechselte er später zu den Republikanern, nun ist er bei denen unbeliebt, zur Freude der Konservativen. Politics. Was sagt das aus über Menschen, die ihn derart rein parteipolitisch beurteilen? Dass die USA tief gespalten sind, Obama nichts dagegen tat, ist eine Tatsache. Aber Deutschland ist in meiner Wahrnehmung auch ein tief zerrissenes und gespaltenes Land mit einem schwindenden Mittelstand. Da mache ich mir eher Sorgen.

Bevor man solche Sätze wie Ihre derart emotional raus haut, erst mal in Ruhe nachdenken. Elmar Theveßen vom ZDF und die meisten deutschen Medien haben seit 2016 für den demokratisch gewählten US-Präsidenten, wie Sie auch, nur Häme, Hetze, Herabsetzung und Spott übrig. Das hat schon „faschistoide“ Züge von Propaganda. Sie alle merken gar nicht, dass Sie damit Trump kopieren. Sicher nehmen Sie an, dass die Deutschen Trump-Bashing gerne hören. Da erhalten Sie dann Beifall. Den gönne ich Ihnen. Aber: Ich empfehle zunächst die Frage selbst zu beantworten, warum Sie einen Präsidenten verdammen, der viele seiner Wahlversprechen Punkt für Punkt umsetzt, ganz im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger und in diametraler Ausprägung zur deutschen Regierungspolitik.

Das schreibe ich Ihnen als lawful Permanent Resident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem der besten Länder der Welt. Warum wollen so viele Menschen dort leben, studieren und arbeiten? Sogar unter dem aus Ihrer Sicht vermutlich „rechten“ Präsidenten und der aktuellen Corona-Politik und trotz aller Probleme bleibt Amerika ein gutes Land. Heiratete Campino von den Toten Hosen 2019 etwa in einer „Richtung Faschismus“ driftenden USA? Diesen Widerspruch müssten Sie oder er eigentlich erkennen. Dass Sie damit so ganz nebenbei, wie so viele andere politisch einseitig Informierte und Orientierte, hierzulande Faschismus verharmlosen ist Ihnen offenbar nicht klar, oder?

Die US-Soldaten, die einst unter großen Opfern (ohne Aussicht auf Öl!) gemeinsam mit Briten, Franzosen und Sowjets 1945 in Deutschland Menschen aus Konzentrationslagern befreiten wissen – anders als Sie und ich – was nationalistisch geprägter Sozialismus, kurz Nationalsozialismus und Faschismus in der Realität anrichteten. Deutschland und erst recht Amerika sind weit weg von solchen Zuständen. Allerdings erinnert man sich hierzulande und auch in Polen, Ungarn und Tschechien sowie dem Baltikum sehr genau daran, was sozialistische und kommunistische Diktatur, Kommunismus und Totalitarismus bedeuten. Auch davon sind die USA gottlob meilenweit entfernt. Morgen fliege ich dorthin. Der amerikanische Traum lebt.

 

Mit freundlichem Gruß

 

LGK

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