Ein paar erstaunliche Dinge

Ein paar erstaunliche Dinge
von Michael Mansion

Ich höre beim Frühstück gerne Radio! Frühstücksfernsehen eher nicht, zumal ich mich dann um ca. 80° verdrehen müsste, um auch das Bild sehen zu können.

Das könnte man ändern, will ich aber nicht. Zugleich gebe ich zu, dass ich in den letzten Wochen gelegentlich auch nachrichtenabstinent war, weil ich nicht in jedem Satz das Wort Corona hören wollte. Es war mir einfach zu viel, hat an der Gesamtlage nichts verbessert und ich habe zumindest wissentlich nichts verpasst, weil ja auch nichts anderes berichtet wurde.

Mittlerweile ist es – wie ich zugebe – etwas besser geworden und so hörte ich am 28.05.20 gegen 08:12 einen Kommentar des Journalisten Uli Hauck auf SR2, in dem dieser (wohl vor dem Hintergrund eines neuen Polizeigesetzes) ein düsteres Szenario dieser Republik beschrieb, wo offenbar hinter jeder Hecke oder Hauswand die braune Pest um die Ecke lugt und sich der Antisemitismus flächendeckend verbreitet.

Das wird mehrheitlich nicht mehr nur von Linken und Grünen geglaubt, so dass, wie im Beitrag angemerkt wurde, unbedingt etwas getan werden müsse. Mein sehr persönliches Problem dabei ist, dass ich die Republik zwar für angeschlagen halte, aber nicht für braun durchseucht.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass sich eine Demokratiemüdigkeit ausgebreitet hat und dies nicht nur hier, sondern z.B. auch in Frankreich. Von diesem Land hatten sich Teile meiner Generation (ja ja—ich auch) eingeredet, es gäbe dort so etwas wie ein permanente revolutionäre Grundstimmung, die es je nach Lage gelegentlich nur zu wecken gälte.

Das ist – wie ich heute weiß – leider großer Unfug!

Ich sah dieser Tage einen französischen Film mit Michel Piccoli und Romy Schneider und da ist mir einmal mehr klar geworden, dass es eine französische Kultur, im Sinne einer solchen, die von der deutschen deutlich abweicht, längst nicht mehr gibt.

Alle Darsteller in diesem Film rauchten, wann und wo sie wollten. Man trank, man fuhr so schnell wie man wollte, man führte wunderbare Dialoge und Monologe, man traf sich an bestimmten Orten, Cafés, Bars oder Kneipen, wo man wusste, wer wann wo sitzt, damit man sich angemessen streiten kann.

Man hatte selbstverständlich mehrere Affairen und alle Politiker, die auf sich hielten, bzw. nicht schwul sein wollten, hatten Mätressen und niemand wäre auf die Idee gekommen, daraus einen Staatsakt zu machen.
Das Leben hat Spaß gemacht und niemand hätte es hingenommen, sich vom Staat sagen zu lassen, was er oder sie zwecks Verlängerung des Daseins nun bitteschön schnellstens zu unterlassen hätte.

Würde mich jemand fragen, was ich von Frankreich halte, dann würde ich antworten, dass es sich um eine heruntergekommene ehemalige Republik handelt, weitestgehend infiltriert von Leuten, die dort nichts zu suchen haben und für Chaos sorgen. Ein Land, finanziell komplett am Ende, durchweg (auch) amerikanisiert, aber immerhin noch mit einem beachtlichen Rotweinkonsum.

Was geblieben ist, sind wunderbare Landschaften und eine durch und durch ländlich-museale Struktur. Der Rest ist Museum.

Gestritten wird schon noch, aber auf höchst elitärem Niveau und dort legt man großen Wert darauf unter sich zu bleiben.

Gelegentlich erfindet auch jemand mal wieder eine neue Philosophie, die es zuvor garantiert noch niemals gegeben hat.

Befreiungsschläge sind das eher nicht und wollen es auch nicht sein.

Die Frage, woher denn plötzlich so viele Nazis, Antisemiten und Rassisten kommen sollen,
beantworten auch französische Philosophen so wenig wie die deutschen, obwohl das doch nicht uninteressant wäre und selbst der Philosophie durchaus würdig.

In beiden Ländern dürften die faschistischen Altbestände der biologischen Zäsur zum Opfer gefallen sein.

Und die neuen? Wer von ihnen hat denn in Deutschland (wieder) einen Führerstaat gefordert? Wer vertritt ernsthaft die Meinung, die Deutschen seien anderen Völkern genetisch überlegen?

Ich kenne niemanden, aber aufgrund der Faktenlage ist zumindest die Wiedergeburt des Judenhasses an der Menge muslimischer Zuwanderung empirisch nachweisbar. Das mag peinlich sein, entspricht jedoch der Wirklichkeit.

Auch in den Morgennachrichten war in den letzten Wochen nichts mehr zu hören von Messerangriffen oder dem fröhlichen Abräumen von Menschengruppen mit den Auto.

Sollte dies ein positiver Corona-Effekt sein, so möge uns das Virus noch ein wenig treu bleiben.

Falls nicht, dann ist es entweder ein Ausbleiben angemessener Berichterstattung oder die so plötzlich ausbleibenden Attacken sind genau so unerklärlich, wie das angeblich dynamische Anwachsen einer „rechten“ Szene.

Erstmals in der Geschichte geschähe etwas ohne ersichtlichen Grund!

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