Politik

Geopolitik – Verständnis der unterschiedlichen Fundamente

Naher Osten - Middle East - Faktum Magazin

Geopolitik –
Verständnis der unterschiedlichen Fundamente

Professor Buchholz greift in seinem Vortrag „Das Große Spiel – Geopolitische Strukturen und Entwicklungen“ ein zentrales Thema auf. Ohne diese Thematik sind Lösungen in der großen Politik ausgeschlossen. Ohne das Verständnis der unterschiedlichen gedanklichen Fundamente der verschiedenen an der Weltpolitik beteiligten Kulturen, wird es keiner noch so gut gemeinten Friedenspolitik gelingen, zu Ausgleichen in den drängenden Fragen der heutigen Global Player zu kommen.

Geopolitik und Geostrategie

Das Wort „Geopolitik“ hat im deutschen Sprachraum bis in die 90er Jahre Aversionen ausgelöst, wenn es in die politische Diskussion geworfen wurde. Immer klang noch Haushofer mit, dem posthum unterstellt wurde, der General und Professor Hitlers gewesen zu sein. Damit das Wort wieder Verwendung finden konnte, hat man es halt kastriert und hat wesentliche Punkte der Haushofer’schen Geopolitik unter den Tisch fallen lassen. Wenn heute das Wort „Geostrategie“ fast synonym gebraucht wird, greift das Heutige immer zu kurz.

Durchdacht sind an Haushofers geopolitischen Schriften die Begriffe „Raum überwindende Mächte“ und „Zeit überwindende Mächte“. Damit ist der gewaltige Einfluss von Wort und Sprache gemeint, der heute durch den umfassenden Einfluss der Medien noch einmal angestiegen ist. Allein was in den unterschiedlichen Ländern an Berichterstattung über internationale Sachbezüge zu vernehmen ist, hat starke kulturelle und geschichtliche Tönung, die von den inländischen Menschen anders verstanden wird als von den ausländischen.

America First vs. Dschihad

Versetzt man sich in die Lage eines Amerikaners, sind die Worte „America first“ oft ein Grund zum Jubeln, für vielemin Europa bedeutet der gleiche Satz das Abgehängt werden von der amerikanischen ökonomischen Lokomotive der USA.

Das Wort „Dschihad“ ruft bei einem Araber „das Gerufensein durch den Propheten“  hervor. Dies wird aus tiefen religösen Gefühlen gespeist. Bei uns ist damit all das Grauen aus Kreuzfahrerzeiten verbunden, in denen Araber sich nur durch Verbreitung von Angst und Schrecken gegen die gut organisierten Kreuzritter wehren konnten.

Wie „Zeit übergreifend“ solche Worte sind erfuhr ich in Saudi, wo ich unter Freunden immer noch als der „Kreuzfahrer“ gelte. Das kollektive Unterbewusste liefert gnadenlos die entsprechenden inneren Bilder – auch wenn das Wort nur „scherzhaft“ auf den Europäer angewandt wird. Es hat im arabischen Raum durchaus subtile Folgen, ob jemand zu arabischen Festen lieber am Schreibtisch oder in der Moschee sitzt. Im Zweifelsfall wird immer der Glaubensbruder vorgezogen.

Bei uns ist das im Rahmen der zerstörenden Definition des Wortes „Humanismus“ ins Gegenteil verkehrt. Beides sind geopolitische Phänomene, die mehr bewirken als Truppenbewegungen.

Eine Gedankenschmiede

Wenn ich den Anstoß zu einer Gedankenschmiede in Deutschland gebe, dann liegt darin das Anliegen fremde Interessen aus ihren kulturellen und geschichtlichen Hintergründen zu verstehen, ohne das eine erfolgreiche Politik nicht möglich ist.

Nur wenn das gelingt, werden wir uns den gewaltigen Migrationsbewegungen widersetzen können. Marktwirtschaftliche Gedanken, wie sie europäische Poliker umtreiben, haben im Iran, Syrien und im Jemen kaum Bedeutung.

Die Rolle Saudi-Arabiens in dieser Zeit sollte  nicht überschätzt werden. Im Zeitalter des Fracking wollen sich die USA ohne Rücksicht auf die Umwelt zum Selbstversorger mit Öl machen. Der einzige Grund der Amerikaner Riad zu stützen ist der, dass Saudi-Arabien bereit ist, Truppen gegen fundamentalistische Bewegungen im islamischen Raum einzusetzen. Deshalb steht das Königshaus aber auf tönernen Füßen. Als Deutscher hat man dort alle auf seiner Seite; denn wir werden dort wegen der typisch deutschen Tugenden geachtet. Man sollte nur nicht versuchen an dortigen Glaubensfundamenten zu rütteln, indem schulmeisterhaft alte Schriften umgedeutet werden.

Hinweis: Professor Buchholz ist nicht Teil der Gedankenschmiede.

 

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