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zwischendurch: Wie „links“ sind die Wurzeln der Linken?

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zwischendurch

Wie „links“ sind

die Wurzeln der Linken?

Ein weibliches Parteimitglied der Linken selbst wirft in der Konsequenz diese Frage auf. Die Welt berichtet:

Halina Wawzyniak
Linke-Abgeordnete erklärt SED zur rechten Partei

Halina Wawzyniak, ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Linken, hält die SED „im Kern für eine rechte Partei“. Auch bezüglich des SED-Erbes der Linken hat sie eigene Ansichten. Im Netz gibt es dafür viel Kontra.

Grundsätzlich gibt es viele Parallelen zwischen dem Dritten Reich und der DDR. Auch in den Methoden der Bekämpfung des Feindes gibt es viele Ähnlichkeiten. Nur der Feind hatte halt eben einen anderen Namen und eine Kriegsführung ist weggefallen. Die anderen Parallelen zwischen beiden Regimen sind allerdings existent.

Dass es viel Kontra gibt, ist auch der heutigen Definition von links und rechts geschuldet. Die politische Ausrichtung des Hitler-Regimes ist ohnehin zu hinterfragen. Wie viel Sozialismus steckte im Nationalsozialismus? Wie eng ist die Verwandtschaft zwischen Nationalsozialismus und nationalem Sozialismus? Diese Fragen führen wiederum zur Frage, wie verwandt waren das 3. Reich und die DDR in ihrer Staats- und Regierungsform miteinander?

Was aber hat die Linke Halina Wawzyniak gesagt?

Hat sie mit ihren Zuschreibungen nicht im Endeffekt recht? Wohingegen man „rechts“ durch „rechtsextrem“ ersetzen müsste, wenn man von der Vorverurteilung einer ganzen politischen Richtung wegmöchte. Tut man dies nicht, kippt das ganze gewollte politische Spektrum nach Links, was ebenso schädlich ist, wie ein Kippen nach rechts.

Um Parallelen zwischen Nazi- und DDR-Reich aufzuzeigen, reicht es, sich die

  • KZ-ähnlichen Einrichtungen der DDR,
  • den Schießbefehl an der Grenze,
  • die Ausspitzelungen der eigenen Bürger etc.

anzusehen.

Der Ursprung ihrer Aussage allerdings liegt in der Kritik an einer Aussage zu „linker Gewalt“ bezüglich des Mauerbaus der DDR. Wer allerdings das Linkssein der DDR in Zweifel zieht, muss auch das „Linkssein“ der Antifa und vor allem der eigenen Partei in Zweifel ziehen.

Ich selbst wage gar nicht darüber nachzusinnen, ob das Naziregime nicht ebenso links, wie die DDR oder umgekehrt „ebenso rechts“ war. Die Parallelen sind eindeutig. Die Selbstverortung vieler Nazis als Sozialisten ist ebenso existent. Selbst die Urlaubsangebote beider Regime waren ähnlich. (Kraft durch Freude, Freie Deutsche Jugend)

Bejaht man die Aussage von Frau Halina Wawzyniak wird ein Beitrag der Jüdischen Rundschau interessant. Dort stellt man nämlich fest, wie die Zusammensetzung der Linken aussieht.

Die Feindbilder der umbenannten SED haben sich so wenig geändert wie ihr Personal

Bevor wir nun schauen, wie es von den Mitgliedern in der Linken her aussieht: Behalten wir im Kopf, dass wir die Aussage von Frau Wawzyniak zunächst (natürlich rein hypothetisch) positiv bekräftigt haben.

Wie sieht es also aus, wenn man der Jüdischen Rundschau folgt?

(…) Die SED benannte sich zuerst in PDS und zuletzt in „Die Linke.“ um. Zur Zeit dieser Umbenennung der PDS in Die Linke im Juni 2007 waren von 60.000 Parteimitgliedern sage und schreibe rund 55.000 bereits Mitglied der SED, also knappe zwei Jahrzehnte nach der Wende noch über 90 Prozent. (…)

Autsch. Wenn die SED also eine rechte Partei war, sind nach wie vor 90 % der Mitglieder der Linken ehemalige Parteimitglieder einer rechten Partei. Auch wenn diese Gedankenspielerei schmerzt und viele eingetrichterten Fehlurteile angreift, lohnt es sich, diese Gedankenspielerei einmal zu betreiben.

(…) Der wenig informierte Bürger fiel auf den zweimaligen Namenswechsel herein und so wird die Linkspartei heute oft nicht mehr als die Partei wahrgenommen, die Leute an der Mauer erschießen bzw. ertrinken ließ und den größten Spitzelapparat der Menschheitsgeschichte aufbaute, sondern als die etwas „forschere Variante der SPD“.

So erklärt sich vielleicht auch die Gewaltbereitschaft oder die Kompromisslosigkeit im Nichtdulden anderer Meinungen von „links“. Was ist, wenn wir ein völlig verdrehtes Bild von links und rechts unser eigen nennen? Allein dieser Artikel wird mich in das Umfeld der Verschwörungstheoretiker befördern. Ich stelle aber nur Fragen und führe Gedankenspiele ein wenig weiter. Die Schlüsse muss ein jeder selbst ziehen. Vielleicht ist die Gesellschaft irgendwann endlich soweit, dass wir im Sinne des Aufklärers Kant über solche Dinge entspannt reden können.

Es bleiben die Fragen:

  • Wie links war die DDR?
  • Wie „rechts“ war das Dritte Reich?
  • Wie links ist „antifaschistische“ Gewalt?
  • Ist die Linke nicht eine „rechte“ Nachfolgeorganisation der ebenfalls „rechten“ SED?
  • Müssen wir die Begriffe „rechts“ und „links“ nicht ohnehin vollständig hinterfragen?

 

 

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Wolf Jacobs

2 comments

  1. Werner N. 25 Oktober, 2017 at 12:46 Antworten

    Bei diesem Thema, werter Herr Jacobs, muss man einmal zwischen „ETIKETT“ (Parteiname) und dem „INHALT“ (des Nationalsozialismus) unterscheiden; ferner zwischen „METHODEN“ und „IDEOLOGIE“. Die „Antifa“ etwa übernimmt im Klassenkampf radikale „Methoden“ der Nazis; ihre „Ideologie“ jedoch ist antifaschistisch. Der „Gröfaz“ bezog hier eindeutig Stellung. Wie in „Mein Kampf“ zu lesen, hielt er viel von den bolschewistischen Propaganda–Methoden, den Marxismus dagegen lehnte er als Nonsens ab. Sein Hauptgegner war der politische und kulturelle Bolschewismus. Das zeigten seine Reden, die Begeisterung für den teils präfaschistischen Nietzsche, oder die Beseitigung der sozialistischen Strasser–Brüder. Trotz einiger Parallelen im sozialen Bereich sind Faschisten und Nationalsozialisten überwiegend im rechtsextremen Sektor zu verorten. Ihre fundamentalen Überzeugungen waren anti–proletarisch und anti–kommunistisch. Beide Ideologien hatten wiederum die Diktatur gemeinsam. Im 2. Weltkrieg dürften kaum zwei linke Gesinnungsgenossen erbittert gegeneinander gekämpft haben mit der „Endlösung“ einer gegenseitigen Vernichtung.

    • Balthazar Vanitas
      Balthazar Vanitas 25 Oktober, 2017 at 12:52 Antworten

      Darüber könnte man lange diskutieren. Entspringen Methoden nicht einer gewissen Ideologie?

      War das 3. Reich tatsächlich so anti-proletarisch?

      Ist links immer auch kommunistisch?

      Im 2. Weltkrieg dürften kaum zwei linke Gesinnungsgenossen erbittert gegeneinander gekämpft haben mit der „Endlösung“ einer gegenseitigen Vernichtung.

      Diese Aussage bedarf näherer Erläuterung.

      Vielleicht hat der Autor ja auch noch was dazu zu sagen.

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