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Kinder können auch ohne Mutter glücklich aufwachsen

108 - Vater - Sohn - Faktum Magazin

 

 

Familienkonstellationen

Kinder können auch ohne Mutter glücklich aufwachsen

Ein Single-Mann will Nachwuchs, ganz ohne Partner? Das kann nicht gut für das Kind sein, lautet dann das Vorurteil. Allerdings deutet nun eine Studie an, dass alleinerziehende Väter den fehlenden Partner über ihr soziales Netzwerk kompensieren.

von Christian Gerlitz

Wenn Männer ein Kind allein erziehen wollen, ist dies weder für die Entwicklung des Kindes noch der Beziehung zwischen ihnen und dem Kind schädlich. Dies ist ein Ergebnis einer Untersuchung des Medizinischen Zentrums der freien Universität Amsterdams von Mathilde Brewaeys, das sie beim jährlich stattfindenden Treffen der „European Society of Human Reproduction and Embryology“ in Genf präsentiert.

Die Psychologin verglich 69 alleinerzehende Männer mit 59 Vater-Mutter-Kind-Familien. Die Kinder der Single-Väter, zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen anderthalb und sechs Jahre alt, zeigten nicht mehr psychische Probleme und nicht mehr auffälliges Verhalten als Gleichaltrige aus traditionellen Familienkonstellationen. Die alleinerziehenden Väter litten auch nicht unter vermehrtem Stress. Sie waren in gleichem Maß am Leben ihrer Kinder beteiligt.

Außerdem genossen die Single-Väter stärkere Unterstützung durch ihr soziales Netzwerk, ganz nach ihrem Wunsch. Brewaeys hält dies für eine wichtige Voraussetzung: „Männer, die ihr Kind allein erziehen wollen, würde ich empfehlen, sich vorab der nötigen Unterstützung zu versichern.

Die meisten der alleinerziehenden Väter der Studie waren gut bis sehr gut ausgebildet und lebten in stabilen finanziellen Verhältnissen. Sie hatten zuvor bereits Partnerschaften geführt. Ältere Studien zeigten, so Brewaeys, dass die Mehrzahl der bewusst alleinerziehenden Väter tatsächlich lieber mit einem Partner eine Familie gegründet hätten. Die soziale Uhr drohte schließlich abzulaufen und es war keine adäquate Partnerin in Sicht.

Die Situation für partnerlose Väter ist in Deutschland bisher nicht ausreichend geklärt. Eine Richtlinie der Bundesärztekammer sieht vor, dass sich nur verheiratete oder in fester Partnerschaft lebende Männer um eine Leihmutter bemühen dürfen: „Methoden der assistierten Reproduktion sollen unter Beachtung des Kindeswohls grundsätzlich nur bei Ehepaaren angewandt werden„, heißt es dort. Das deutsche Unterhaltsrecht und drohende Schadenersatzklagen gegenüber Ärzten bilden den Hintergrund. Auf Anfrage von Faktum teilte die Bundesärztekammer mit, die Richtlinie werde „auch auf Grund der von der Politik bislang unbeantworteten gesellschaftspolitischen Fragen nicht mehr fortgeschrieben„. Stattdessen solle eine „Richtlinie für den Umgang mit der Leihmütterschaft für alleinstehende Väter“ erarbeitet werden.

Für lesbische Paare erledigt sich das Problem nun mit der „Ehe für alle„. Die rechtliche Situation für sie war bisher ebenfalls unklar. Die betroffenen Frauen wichen daher auf Nachbarländer für die Behandlung zur künstlichen Befruchtung aus. Geeignete Länder waren hier Dänemark und die Niederlande. Für partnerlose Väter bleibt nur ein ähnlicher Weg über das Ausland offen, sich eine Leihmutter für ihr Kind zu suchen, um eine Familie zu gründen.

Die Leihmütterschaft ist in vielen Länderen nicht streng geregelt, so dass sich potentielle Väter dort um eine Leihmütterschaft bemühen können. Die einzige Voraussetzung ist oftmals die Überprüfung der finanziellen Situation. Es gebe zwar nach wie vor Bedenken, Kinder ohne die Mutter aufwachsen zu lassen, so Psychologin Brewaeys. „Diese Annahme basiert aber vor allem auf Studien an Kindern, deren Eltern geschieden sind und die deshalb Konflikte im Elternhaus miterlebt haben.

Der Artikel basiert auf einen Beitrag bei Spektrum.de.


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Wolf Jacobs

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