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Gleichstellungsbericht: Fräulein Stokowski und die Betreuungszeit

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Gleichstellungsbericht: Fräulein Stokowski und die Betreuungszeit

Des Fräulein Stokowskis letzter Versuch einen ordentlichen feministischen Artikel zu schreiben, ging wieder einmal schief. Man könnte die Ursache im Feminismus sehen. Man könnte sie aber in Margarete Stokowski sehen – oder in beidem. Wäre das zu einfach?

Ihren Artikel überschreibt sie mit

Gleichstellung
Die Gender-Allergie

Das Wort „Gender“ scheint für einige Leute so etwas wie Gluten zu sein: Sie vertragen es nicht. Andere wollen es nicht vertragen und teilen das dann jedem mit. Ihre offensichtliche Inkompetenz hilft niemandem.

So ganz verträgt Stokowski Gender offensichtlich auch nicht. Es geht im Artikel nicht um fantasierte soziale Geschlechter (Gender), sondern um die ganz normalen Geschlechter. Was wäre der Feminismus aber ohne den Begriff Gender? Der Gender Pay Gap müsste sich auf eine neue Namenssuche begeben.

 Das Fräulein Stokowski stellt zur „unbezahlten Betreuung“ fest:

(…) Die Expertinnen und Experten, die diesmal an dem Bericht gearbeitet haben, stellen unter anderem fest, dass Frauen in der unbezahlten Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen gut anderthalbmal so viel Zeit aufbringen wie Männer, im Schnitt ein Unterschied von 87 Minuten pro Tag. (…)

Gut, nehmen wir also an, diese Zahlen stimmen – wie auch immer man an diese Zahlen gekommen sein mag. Mit ein wenig Rechnen kommt man dann zu den folgenden Zahlen: Männer betreuen dementsprechend 58 Minuten am Tag. Frauen betreuen dementsprechend 145 Minuten am Tag.

Betrachten wir einmal die Arbeitszeiten der Geschlechter.

Zu den Frauen:

(…) Insgesamt belegen diese Veränderungen seit 1991 eine überaus starke Zunahme des Anteils an Frauen mit Arbeitszeiten unterhalb von 32 Stunden: Im Jahr 1991 arbeitete nicht einmal ein Drittel der abhängig beschäftigten Frauen in Teilzeit, bis zum Jahr 2015 ist ihr Anteil auf knapp die Hälfte aller Frauen angestiegen. 2015 arbeiten allein fast 30 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen 20 Stunden pro Woche oder weniger. (…)Abhängig beschäftigte Frauen nach Arbeitszeitgruppen 1991–2015

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Frauen arbeiten also bedeutend weniger als Männer. Die zur Verfügung stehende Zeit kann also mehr oder weniger bequem in die Betreuung von Familienangehörigen gesteckt werden.

Zu den Männern:

Zwei Drittel der abhängig beschäftigten Männer arbeiten 2015 mindestens 40 oder mehr Stunden pro Woche – inklusive der im Durchschnitt anfallenden Überstunden. Über den gesamten Beobachtungszeitraum von 1991 bis 2015 1 ist der Anteil an Männern in den Arbeitszeitgruppen oberhalb von 39 Wochenstunden stark angewachsen.(…)Abhängig beschäftigte Männer nach Arbeitszeitgruppen 1991–2015

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Auch diese Aussage ist deutlich: Männer arbeiten viel mehr als Frauen.

Zu beiden Geschlechtern:

Die durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten von Frauen und Männern in Deutschland unterscheiden sich aktuell um rund 9 Stunden oder 23 Prozent. Dabei sind die Arbeitszeiten von Frauenüber die Zeit stärker zurückgegangen als die der Männer. Die Differenzen nach Geschlecht variieren nach beruflichem Status und nach Qualifikation: Die Unterschiede sind am größten unter den Selbständigen und in der Gruppe der Arbeiter/innen. Geringer qualifizierte Frauen haben die kürzesten, hochqualifizierte Männer die längsten Arbeitszeiten. (…)Arbeitszeitdauer von Frauen und Männern

Nehmen wir uns zur Vereinfachung einfach den Durchschnitt zur Betrachtung. 9 Stunden arbeiten Männer also die Woche mehr. Das sind 1.8 Stunden mehr am Tag. Während Männer also noch arbeiten, haben Frauen bereits 108 Minuten am Tag Zeit, sich um die Betreuung zu kümmern. Der Mann kümmert sich zusätzlich zu seiner Arbeit 58 Minuten um die Betreuung. Frauen betreuen nach Abzug der 108 Minuten, die sie schon betreuen konnten noch 37 Minuten.  Männer sind dementsprechend (auf dem Papier) 21 Minuten länger am Tag fremdbeschäftigt. Das ist ein „Work Balance Gap“ von 21,46 %.

Die Welt ist ganz schön gemein zu Frauen. Sie müssen das Geld ihrer Männer ausgeben, überleben den Mann um einige Jahre und müssen sich jede mögliche Statistik vornehmen, um mögliche Benachteiligungen für sie aufzudecken.

M. Stokowski zu bezahlten Arbeit

 (…) Zur bezahlten Arbeit heißt es: „Sie ist in Deutschland immer noch ganz entscheidend auch vom Geschlecht abhängig; hier hat sich seit dem Ersten Gleichstellungsbericht [2011] nichts Wesentliches geändert.“ Die Bundesregierung schrieb in ihrer Stellungnahme zum Bericht ganz nüchtern: „Die Bundesregierung sieht Politik als Prozess stetiger Fortentwicklung an und teilt die Einschätzung der Kommission, dass trotz der gemachten Fortschritte Gleichstellung weiterhin ein anzustrebendes Ziel ist.“ (…)

Ja, Frauen wählen ihre Berufe immer noch so, wie sie es schon immer getan haben: Sie achten mehr auf die s. g. „Work-life-Balance“ als auf den sozialen Status. Daran kann man zunächst nichts zu Kritisierendes finden. „Ein jeder ist seines Glückes Schmied.“ Wenn das Glück der Frau bei weniger Arbeitszeit liegt, ist dies nachzuvollziehen.

Der zeitliche Unterschied von 9 Stunden oder 23 Prozent in der Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern könnte doch glatt einen Hinweis zum Gender Pay Gap liefern, nicht wahr?

Wenn eine Regierung „Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt“ im Sinn hat, geht es ihr nicht um das Wohl des Bürgers. Je mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen, um in Vollzeit arbeiten zu können, steigt das Angebot an Arbeitskräften stärker als die Nachfrage überhaupt steigen kann. Die Löhne sinken, dennoch wird im Mittel theoretisch mehr verdient. Der Staat steckt sich mehr Steuern ein.

Die „Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt“ hat nichts mit Gerechtigkeit oder Gleichberechtigung zu tun. Es geht um Steuern. Wenn sich der Feminismus für die Ausbeutung seiner selbst stark macht, ist das dumm, aber hilfreich für den Staat. Ob Frauen durch die Mehrarbeit glücklicher werden, ist zu bezweifeln.

Dass die „Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt“ eher das Gegenteil von Gleichberechtigung befördert, ist klar: Frauenquoten haben ebenfalls nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Die Frauenquote ist aber ein Instrument zur Durchsetzung der Gleichstellung. Sämtliche geschlechterspezifischen Förderprogramme zur besonderen Förderung der Frau auf dem Arbeitsmarkt, stehen im Widerspruch zur Gleichberechtigung. Was wäre aber der Gleichstellungsbericht, wenn er z. B. berücksichtigen würde, wie viel Geld in die Erwachsenenfortbildung für Frauen fließt?

Stokowski fühlt sich als Wonder Woman

Ihren Artikel beschließt das Fräuleinwunder mit ein wenig Popkultur.

(…) Man muss das nicht bis ins Letzte verstanden haben. Der Maßstab dafür, an Ungerechtigkeiten etwas zu ändern, ist nur eben nicht, ob irgendwelche Typen es albern finden. Im derzeit laufenden „Wonder Woman“-Film sagt die Mutter von Diana (Wonder Woman) zu ihr: „There is so much you don’t understand.“ Und sie antwortet: „I understand enough to fight for those who can’t fight for themselves.“ Bitte zum Vorbild nehmen, danke.

Beim Unverständnis hat sich Stokowski mit diesem Artikel „vorbildlich“ angeschlossen. So richtig viel versteht sie nicht. Weder Gender noch getürkte Gleichstellungsberichte.

Immerhin fühlt sie sich als feministische Streiterin für die Gerechtigkeit. Leider widerspricht die Ideologie Feminismus dem Begriff der Gerechtigkeit im Kern.

 

 

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Balthazar Vanitas

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