Genderwahn

Gender-Instrumentalisierung

Lupe - Krebs - Faktum

 

 

Gender-Instrumentalisierung

von C. G. Brandstetter


Von „Lucky Strike“ beauftragt nutzte Edward Bernays den Feminismus zu seiner PR-Strategie erstmals (Torches of Freedom) 1929. Durch von der Rockefeller-Foundation gegründete Organisationen (ab 1952)1 wurden Feministinnen ab den 1960ern zur „Neokolonialisierung“ in Entwicklungsstaaten instrumentalisiert. Deren eigene Instrumentalisierung ist unter „akademischen Feministinnen“ bekannt und wurde (seit 1976)2 auch beklagt, allerdings wird die Instrumentalisierung zu Gunsten neoliberaler Interessen von den Feministinnen, wenn es ihrem Kampf gegen „den Mann“ dient, in Kauf genommen, selbst wenn („andere“) heterosexuelle Frauen (und deren Männer) dadurch Schaden leiden, denn an einer ungerechten (diskriminierenden) Welt sei schließlich nur das (sexistische) Patriarchat schuld.3

Der Trick (der neokolonialen Interessen wiederum nur dient) ist die insbesondere von den (neomarxistischen) Radikalfeministinnen Kate Millett (1968)4 und Shulamith Firestone (1970) innerhalb der Gender-Doktrin etablierte Bedeutungsverschiebung von der (vom Marxismus üblich als allgemein ausbeutend verstandenen) Klasse „Kapital“ hin zur Klasse „Mann“. „Der Mann“ etabliere im Rahmen seiner (politischen und gesellschaftlichen) Macht den Kapitalismus mit seinen Klassenunterschieden „Kapital“/„Arbeiter“. Insofern sei der „Mann“ hierarchisch dem diskriminierenden „Klassenstaat“ diesen determinierend übergeordnet.


Freudomarxismus_(Reich_1933)

Grafik: Wilhelm Reich (1933) in Massenpsychologie des Faschismus. Zur Sexualökonomie der politischen Reaktion und zur proletarischen Sexualpolitik, S. 52.


1952 wurde einerseits der Population Council von John D. Rockefeller III gegründet5, andererseits die „International Planned Parenthood Federation“ (die der „IPPF“ angeschlossene Organisation „Pro Familia“ ebenso 19526).

„In den USA initiierten die Rockefeller und die Ford Foundation schon zu Beginn der 1950er Jahre Forschungsarbeiten zur Bevölkerungspolitik und versuchten öffentliches Bewusstsein für bevölkerungspolitische Probleme zu schaffen.“ (Finke 2005)7.

„Seit den 60er Jahren begann ein zuerst von den Kolonialmächten, später den Industriestaaten, allen voran den USA aber auch der UNO massiv betriebener Eingriff in das Bevölkerungswachstum der Entwicklungsländer.“ (Müller 2013)8.

Die Feministin Shulamith Firestone

Im Sinne Rockefellers hatte der der „Frankfurter Schule“ zugehörige Herbert Marcuse 1964 „zukünftige Bevölkerungsreduktion“ als notwendig thematisiert. Auf diese Thematik sprang die Radikalfeministin Shulamith Firestone (über die sich Wolf Jacobs bereits hier beklagte) 1970 auf:

„Marcuse insisted that a ‚new standard of living, adapted to the pacification of existence, also presupposes reduction in the future population‘ (Marcuse 1964: 243). Firestone agreed. Like other early second-wave feminists she identified women´s liberation with their escape from the tyranny of reproduction and the nuclear family (Firestone 1970: 158). This would help defuse the menace of overpopulation, she argued, by dismantling the stubborn patriarchy that sustains it. The assumption was that once they achieved reproductive autonomy, women would choose small families or childlessness.”(Coole 2016)9.

Den weiblichen Körper versteht Firestone als (ein großteils vom „bösen Patriarchat“ verursachtes) Problem: „Die Frauen müssen von der ‚Tyrannei der Fortpflanzung‘ befreit werden.“10 Firestone ging es um die Abschaffung der Kernfamilie.11 Aus der von Shulamith postulierten‚Tyrannei der Fortpflanzung ‘ und der als davon abhängig propagierten „Diskriminierung der Frau“ entstand die Forderung nach „sexuellen und reproduktiven Rechten“ (vgl. etwa seit 1996 veröffentlicht: IPPF Charta der sexuellen und reproduktiven Rechte [PDF; 264 kB]).

1968 wurde der Club of Rome gegründet, der noch im selben Jahr gemeinsam mit der Rockefeller Foundation und der OECD ein Meeting in Italien (Bellagio) zu den Themen „Wirtschaftswachstum“, „soziale“ und „ökologische Konsequenzen“ abhielt.12

„Konsequent gewährten die USA 1966 Nahrungsmittelhilfe nur, wenn das betreffende Land ein Familienplanungsprogramm verabschiedete, dessen Kontrolle die US Agency for International Development (USAID) übernahm, die zum größten Finanzier bevölkerungspolitischer Aktivitäten in drei Kontinenten wurde. 1969 begann eine Entwicklungshilfeorganisation der Weltbank ihr erstes bevölkerungspolitisches Programm in Kenia. Bei Kreditvergaben wurden Drittweltländer gedrängt, nationale bevölkerungspolitische Programme einzuführen. (…) Dabei waren Frauen im Fokus. Bei der Vergabe von Kleinkrediten an Frauen mussten diese einen höheren Zins zahlen, wenn sie entgegen den Vereinbarungen schwanger wurden. (…) Folglich war in den 1980er Jahren die Sterilisation (zu 80 Prozent an Frauen vorgenommen) die am häufigsten verbreitete Methode. (…) Über die Endgültigkeit des Eingriffs wurden die Frauen nicht immer aufgeklärt (…). Pharmafirmen benutzten ‚Drittweltfrauen‘ bedenkenlos als Versuchskaninchen für Verhütungsmittel. (…) Auch vor Zwangssterilisationen wurde nicht zurückgeschreckt.“ (Müller 2013)13.

Bevölkerungpolitische Programme

1972 wurden Die Grenzen des Wachstums vom „Club of Rome“ veröffentlicht14, woraus die Verordnung bevölkerungspolitischer Programme in Entwicklungsstaaten breit legitimiert werden konnte.

„Die Einführung von Bevölkerungsprogrammen erfolgt häufig über den äußeren Druck ausländischer und internationaler Geberorganisationen. Entsprechend der Interpretation, daß das Bevölkerungswachstum ein Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt, drängen der UN-Bevölkerungsfonds und die Weltbank darauf, Bevölkerungspolitik zum integralen Bestandteil der nationalen Entwicklungsstrategien zu machen. In der Bevölkerungspolitik schlägt sich infolgedessen auch das internationale Machtungleichgewicht zwischen Industrie- und Entwicklungsländern nieder, indem die jeweils nationale Bevölkerungspolitik einem äußeren Druck folgt. Dieser Druck kann sich beispielsweise in den von internationalen Finanzagenturen aufgezwungenen Darlehenskonditionen manifestieren. (…) Der Charakter von Bevölkerungsprogrammen und die Praxis von Familienplanung ist immer das Resultat von den jeweiligen politischen Prozessen, an denen sehr heterogene Akteure beteiligt sind wie internationale Geber, verschiedene Gruppierungen innerhalb der nationalen Elite, aber auch gesellschaftliche Kräfte wie religiöse Gruppen oder Frauenbewegungen. (…) Bereits seit Mitte der siebziger Jahre entwickelten Bevölkerungsagenturen für Frauen als neue Zielgruppe spezielle Programme. Diese neue Ausrichtung auf Frauen geht nicht unwesentlich auf das Engagement der in den Institutionen wie Rockefeller Foundation oder Population Council arbeitenden Feministinnen zurück.“ (Hummel 2000)15.

Heute (2016) nennt der “Population Council” als drei Kernbereiche seiner „power of voluntary family planning programs to [a] improve health, [b] reduce poverty, and [c] empower women.”, und erkärt zu seinen Ethical Guidelines and Regulations:
“The Population Council is a global leader in promoting human rights and ethical standards in research. Our work has earned a worldwide reputation for excellence and integrity. Policymakers, program managers, and others concerned with population, reproductive health, and development turn to the Council for its rigorous research results that improve people’s lives. (…] The Council’s IRB has 12 members, whose expertise includes bioethics, biomedical engineering, demography, health care, HIV and AIDS, international relations, law, obstetrics/gynecology, physiology, public policy, regulatory affairs, and social psychology.”

„Die Kampagne und die Verankerung des Themas Gewalt gegen Frauen [FGM, familiäre Gewalt, Prostitution] auf der Agenda der Menschenrechtskonferenz [Wien 1993] wurden als Instrumente betrachtet, um das langfristige Ziel einer verstärkten Beteiligung von Frauen im globalen Politikprozess zu erreichen, die feministische Vernetzung zu unterstützen (…).“ (Finke 2005)16.

Die “neue feministische Bewegung”

Auch wenn Heike Kahlert angibt, dass insbesondere die Anfänge der „neuen feministischen Bewegung“ in Deutschland sich um Autonomie gegenüber staatlichen Einrichtungen bemühte und Frau Kahlert sich gleichzeitig wundert, dass die heutige Vernetzung von Feminismus und staatlichen Einrichtungen [etwa „Gender Studies“ an den deutschen Universitäten, genderkonforme Bildungspläne, Frauenpolitik etc.] „noch nicht systematisch untersucht wurde“,17 ist unter Feministinnen spätestens seit 1976 deren (eigene) bevölkerungspolitische Instrumentalisierung durch neoliberale Interessen bekannt18:

„Mass zeigte auf, daß der ‚Feldzug‘ gegen die Reproduktivkräfte der Armen in der Dritten Welt von mächtigen Kapitalinteressen der USA, vor allem der Banken, beeinflußt ist und von langer Hand sowie mit Unterstützung der Wissenschaft vorbereitet wurde. (…) Bonnie Mass schreibt: ‚Wir haben gesehen, wie die brutalsten Sexisten und Feinde des Frauenkampfes die Forderung nach freier Abtreibung durch die IPPF (International Planned Parenthood Federation) oder den Pathfinder Fund oder die Rockefeller Foundation erhoben haben.‘“ (Spiller 1994)19.

In offiziellen Darstellungen wird der Auftakt (mit „Gender Responsitive Budgeting“) des „Gender Mainstreamings“ auf die vierte Weltfrauenkonferenz 1995 (UN) in Peking zurückgeführt, in anderen Darstellungen auf die vorangegangene Initiative „Gender and Development (GAD)“ der Weltbank ein Jahr zuvor 1994.20 Ebenso 1994 fand die vielbeachtete UN-Weltbevölkerungskonferenz in Kairo statt:

“At this conference, a compromise was worked out between neo-Malthusians—reflecting the “macro” strand of the population movement emphasizing that rapid population growth inhibits socioeconomic development—and feminists, the “micro” strand of the population movement focused on individual right of access to contraception (McIntosh and Finkle 1995). The ultimate outcome of the conference was the result of trends that began prior to the delegates coming to Cairo and involved the UNFPA, feminists, and neo-Malthusians.” (Robinson 2010)21

Seit 2006 preist die Weltbank Gender Equality as Smart Economics.22 Ebenso 2006 wurde durch das World Economic Forum der „Global Gender Gap Index“ (GGGI) vorgestellt.23

Kritische Arbeiten

Überaus beachtenswert erscheinen die kritischen Arbeiten (seit 1985) von Christa Wichterich, neuerdings: Mikrokredite und die Entdeckung der Frauen (2012) sowie Geschlechteranalysen und -diskurse in der Krise (2010). Einerseits vehement die neokolonialen Praktiken der neoliberalen Organisationen kritisierend, andererseits stört sich Wichterich nur bedingt daran, Hauptsache die Ernährerposition des Mannes (innerhalb der Familie) wurde (und wird weiterhin) abgebaut:

„Seit ihrer Kritik der Strukturanpassungsprogramme analysierten feministische Ökonominnen und Entwicklungssoziologinnen die ungleiche oder paradoxe Integration von Frauen in die monetarisierten Märkte zwischen den Polen Ausbeutung, Diskriminierung und Belastung einerseits und Emanzipation und Empowerment andererseits.“ (…] Deswegen ist es wenig verwunderlich, dass die Weltbank, die EU und das Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) mit dem flotten Spruch „Forget China, India and the internet: economic growth is driven by women“ (The Economist 15. 4. 2006) seit Jahren propagieren, dass Frauen im Interesse von Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz in die Märkte integriert werden müssen (WB 2006). Die „Global Gender Gap“-Berichte des WEF behaupten eine Korrelation zwischen hoher Wettbewerbsfähigkeit der Nationalökonomien und Geschlechtergleichstellung auf den Märkten. Wie die Weltbank schlussfolgert das WEF, dass kein Land, das auf dem Weltmarkt konkurrieren will, es sich leisten kann, das Human- und Sozialkapital seiner Frauen zu vernachlässigen und ungenutzt zu lassen (WEF 2008). Geschlechtergleichheit macht nach Auffassung der Weltbank „Smart Economics“ (WB 2006) aus. (…] Auf der anderen Seite ist das Empowerment von Frauen durch Erwerbsintegration und Einkommen häufig auch dann ein emanzipatorischer Schritt heraus aus der Abhängigkeit vom Ernährermann, wenn die Erwerbsarbeit nicht schon selbständige Existenzsicherung, soziale Sicherung oder Gleichstellung bedeutet. Der Vormarsch von Frauen auf den Erwerbsmärkten heißt, dass sie in eine monetarisierte Miternährerrolle für die Haushalte und eine Feminisierung von Ernährungsverantwortung hineinwachsen. Damit demontierten sie praktisch die Allein- und Haupternährerrolle der Männer oder aber kompensierten geringere Einkünfte, die zunehmende Flexibilisierung und Informalisierung von männlicher Beschäftigung oder gar Jobverluste (Nowak 2004). Auch wenn der Frauenanteil an den Beschäftigten laut ILO weltweit seit Ende der 1990er Jahre bei 40 % stagniert, hat er zeitgleich Strukturveränderungen auf den Erwerbsmärkten und in den Geschlechterverhältnissen ausgelöst: die „paradoxe Integration“ von Frauen und die gleichzeitige Erosion des männlichen Ernährermodells setzen im Globalisierungsboom eine neoliberale Gleichstellung auf den Märkten in Gang.“ (Wichterich 2010).


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Fußnoten

1. Rachel Sullivan Robinson (2010): UNFPA in Context. An Institutional History (PDF; 1,1 MB), p. 13: “Foundations have been active in the population assistance field since the 1950s. In the 1950s and 60s, the Rockefeller Foundation (primarily via the Population Council) and the Ford Foundation were particularly important, at first providing support for demographic research as well as the training of demographers and then branching out into technical support for developing countries (Sending and Neumann 2006). The MacArthur and Packard Foundation have also played key roles, and in recent years, the Gates Foundation has emerged as an actor in the population movement.
The Population Council was founded in 1952 by John D. Rockefeller 3rd, and has funded both programs in countries, as well as large amounts of research on population and reproductive health, including the development of contraceptive technologies.12 In particular, the Population Council funded population research centers at a number of US universities, including Princeton and the Universities of Michigan and Pennsylvania (Sending and Neumann 2006). Notably in terms of the early years, the Council was closely involved in the creation of Kenya’s 1967 population policy (Chimbwete, Watkins, and Zulu 2005; Warwick 1982). In recent years, the Council has added two new foci: adolescent health and HIV/AIDS.”
2. Bonnie Mass (1976): Population target. The political economy of population control in Latin America.
3. Maria Mies: Wider die Industrialisierung des Lebens: Eine feministische Kritik der Gen- und Reproduktionstechnik. Pfaffenweiler 1992, S. 32: „Der Sexismus, der sich gegen die “eigenen” Frauen richtet, ist darum immer gekoppelt mit einem Rassismus, der sich gegen die Frauen der “anderen” unterworfenen Klassen und Völker richtet.”
4. Kate Millett (1968): Sexual Politics: “Why does no one ever remark that every avenue of power in our culture including the repressive forces of the police – entirely in male hands? Money, guns, authority itself, are male provinces. Even God is male – and a white male at that.”
5. Donald T. Critchlow: Politics of Abortion and Birth Control in Historical Perspective. The Pennsylvania State University Press 1996,
p. 7: “Beginning in the early 1930s, John D. Rockefeller III also was a major sponsor of the Committee on Maternal Health for improved birth-control-technology (…).”
p. 8: “For example, John D. Rockefeller III, a key figure in the postwar population-control movement, called for a dual strategy of increasing the food supply in developing nations through the so-called Green Revolution (…] advanced birth-control technology and birth-control programs in developing countries.”
p. 9: “‘The Population Explosion‘ [Hugh Moore 1954] warned of population crisis that could only play into the hands of the communists. (…) we are not primarily interested in the sociological or humanitarian aspects of birth control. We are interested in the use which the Communists make of hungry people in their drive to conquer the earth.”
6. Eigendarstellung: Die Meilensteine der pro familia-Geschichte (PDF; 366 kB), S. 1: „Mit der Entscheidung der Gründungsmitglieder, pro familia 1952 als Verein zu gründen, wurde mit Unterstützung der IPPF an die durch den Faschismus unterbrochene Kontinuität der Sexualreformbewegung angeknüpft.“
7. Barbara Finke: Legitimation globaler Politik durch NGOs: Frauenrechte, Deliberation und Öffentlichkeit in der UNO. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 162.
8. Ursula G. T. Müller: Dem Feminismus eine politische Heimat – der Linken die Hälfte der Welt. Die politische Verortung des Feminismus. Wiesbaden 2013, S. 96.
9. Diana Coole: Population, Environmental Discourse, and Sustainability. In: The Oxford Handbook of Environmental Political Theory. Oxford University Press, Oxford 2016, p. 278.
10. Lt. Rezension von Firestones „Frauenbefreiung und sexuelle Revolution“ (The Dialectic of Sex 1970): „Freiheit vom Gebärzwang“ (von kritisch-lesen.de Redaktion).
11. Heidi Hofmann: Die feministischen Diskurse über Reproduktionstechnologien: Positionen und Kontroversen in der BRD und den USA. Frankfurt und New York 1999, S. 118.
12. Matthias Schmelzer: The Hegemony of Growth. The OECD and the Making of the Economic Growth Paradigm. Cambridge University Press 2016, p. 250.
13. Ursula G. T. Müller: Dem Feminismus eine politische Heimat – der Linken die Hälfte der Welt. Die politische Verortung des Feminismus. Wiesbaden 2013, S. 96 f.
14. Diana Coole: Population, Environmental Discourse, and Sustainability. In: The Oxford Handbook of Environmental Political Theory. Oxford University Press, Oxford 2016, p. 278: “The concept limits to growth was popularized by the title of the book published by scientists at MIT and commissioned by the Club of Rome.“
15. Diana Hummel: Der Bevölkerungsdiskurs. Demographisches Wissen und politische Macht. Wiesbaden 2000, S. 106 f.
16. Barbara Finke: Legitimation globaler Politik durch NGOs: Frauenrechte, Deliberation und Öffentlichkeit in der UNO. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 152.
17. Heike Kahlert: Emanzipatorisches Wissen im Schatten des Neoliberalismus. Ökonomisierung der Kritik oder Kritik der Ökonomisierung. In: Ökonomien der Geschlechter (Hg. Eva Borst, Rita Casale). Opladen & Farmington Hills 2007, S. 49.
18. „[Bonnie] Mass bettete ihre Kritik [in Population Target] an bevölkerungspolitischen Programmen in eine Analyse des US-amerikanischen ‚Population Control Establishements‘ ein. Sie sieht die ideology of ‚over-population‘ als Teil imperialistischer US-amerikanischer Politik, um die sogenannte ‚underdeveloped world‘ politisch und wirtschaftlich zu kontrollieren (Mass 1976: 36). (…) Sie wies in diesem Zusammenhang zudem erstmals in einer internationalen Veröffentlichung auf die bereits jahrzehntelangen bevölkerungspolitischen Programme in Puerto Rico hin. Bevölkerungspolitisch bestand zu diesem Zeitpunkt in Puerto Rico aus Sterilisationskampagnen, die sich an arme und behinderte Frauen richteten. Aus sogenannten Gesundheitsgründen wurden staatlicherseits bei Unterernährung und allgemein schlechtem Gesundheitszustand Sterilisationen durchgeführt (Mass 1976: 90), so daß 1968 etwa ein Drittel aller puerto-ricanischen Frauen im gebärfähigen Alter sterilisiert worden waren (Vgl. Mass 1976: 94 ff). Seitens der Bevölkerungslobby wurde von ‚Freiwilligkeit‘ der betroffenen Frauen gesprochen. Laut Mass handele es sich dabei um eine ‚Scheinfreiwilligkeit‘. (Bianca Többe: Bevölkerung und Entwicklung. Münster 2000, S. 96 f).
Siehe auch die Filmreportage von Arte: Zwangssterilisation in Peru. Im Namen des Fortschritts, Teil 1 (YouTube).
19. Ingrid Spiller: Die feministische Diskussion zur Bevölkerungspolitik. In: Forschungsjournal. Neue Soziale Bewegungen. Heft 3/1994 (PDF; 6, 5 MB), S. 94.
20. Gülay Caglar: Engendering der Makroökonomie und Handelspolitik. Potenziale transnationaler Wissensnetzwerke. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 155: „(…) durch das Policy Paper Enhancing Women´s Participation in Economic Development (1994) (…) in Vorbereitung zur vierten UN-Weltfrauenkonferenz (…). Die Weltbank beteiligte sich (…) erstmals an einer UN-Weltfrauenkonferenz. Ziel war es, das Ansehen der Weltbank innerhalb der Frauenbewegung zu verbessern, nachdem die Weltbank für die negativen Auswirkungen der Strukturanpassungsprogramme auf Frauen massiv kritisiert wurde.“
Henrike Müller: Gender Mainstreaming im Mehrebenensystem der EU. Erfolge und Grenzen. Hamburg 2007, S. 57: „Der Einführung der Kategorie Gender in der GAD („Gender and Development“) entsprang sodann die Strategie des Gender Mainstreaming.“
21. Rachel Sullivan Robinson (2010): UNFPA in Context. An Institutional History (PDF; 1,1 MB), p. 5.
22. Liane Schalatek: Zwischen Geschlechterblindheit und Gender Justice. In: Zivilisierung des Klimaregimes. NGOs und soziale Bewegungen in der nationalen, europäischen und internationalen Klimapolitik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, S. 139.
23. Patricia Mohammed: Gender Equality and Gender Policy-Making in the Caribbean. In: Public Administration and Policy in the Caribbean (Eds. Minto-Coy, Berman). Taylor & Francis Group, Boca Raton 2016, p. 422.

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3 comments

  1. quell werk 24 Juli, 2016 at 11:34 Antworten

    Ein interessanter Beitrag! Du weist auf die Finanzierung des Feminismus durch den Neoliberalismus hin. Die Kumpanei zwischen Kapital und Feminismus hat eine Brücke zur Kumpanei zwischen Kapital und linker
    Ideologie ermöglicht. Überall wo Feminismus drauf steht, stecken Kapitalinteressen drin.

    Ich bin kein Linker, trotzdem kann ich einen Grund des Niedergangs linker Parteien diagnostizieren und in dieser Hinsicht Partei für Linke ergreifen. Es ist bemerkenswert, wie ansonsten hochgradig rational denkenden Linken, das Hirn in die Hose rutscht, wenn das Klagelied des Feminismus vom unterdrückenden Mann erklingt.Bemerkenswert ist auch, wie wendig der Kapitalismus ist, wenn er seine Ziele über mehrere Bande zu erreichen versucht und erreicht.

    Irrationalität (=Dummheit) ist heute bei bekennenden Linken Voraussetzung, um den Feminismus in das linike Weltbild integrieren zu können. Deswegen gibt es auch kaum noch kluge Leute bei denen.

    • CGB 25 Juli, 2016 at 10:54 Antworten

      Hallo quell werk, danke für deine Anerkennung.
      Zu deinem Beitrag erlaube ich mir ein wenig zu konkretisieren:
      Die Linken werden instrumentalisiert (das begann lt. Wolfgang Waldner bereits mit Marx – siehe: “Der preußische Regierungsagent Karl Marx”) und setzt sich fort mit Henryk Grossmanns Zusammenbruchstheorie (1929). Die Zusammenbruchstheorie ist wesentliches Argument, um Austeritätsprogramme (oder früher üblich: restriktive Geldpolitik) gegenüber den Marxisten legitimieren zu können bzw. ist das Argument den Marxisten mittlerweile immanent (eine lobenswerte Ausnahme, die darauf nicht hereinfällt, stellt etwa die Marxistin Sahra Wagenknecht dar).

      Die Rechten (etwa “Neoklassiker”, “Monetaristen”, “Österreichische Schule”) stellen genauso, im wirtschaftspolitischen Bereich vielmehr, Instrument der Neoliberalen dar (deren Ideologien in deutschsprachigen Lehrbüchern sind seit den 1980ern [wieder] sehr verbreitet).
      Sehr interessant erscheint mir, dass während der großen Deflationskrise 1931 auf der “Geheimkonferenz der Friedrich List-Gesellschaft über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung” der Marxist Rudolf Hilferding genauso wie der (“neo-“)wirtschaftsliberale Alfred Lansburgh (mittels teilweise abstruser Argumente) gegen aktive Konjunkturpolitik (also gegen den Lautenbach-Plan) argumentierten.

      Die Freudomarxisten der “Frankfurter Schule” haben dann den mit großer Schuld behafteten Deutschen erfolgreich einreden können, dass die Ursache des Faschismus insbesondere in familiärer Autoritätserziehung und Sexualrepression liege. Mit der “Zook-Kommission” 1946 begann das Paradigma der für Demokratieerziehung notwendigen “Gleichheit”. Dann kamen die 1968er, wobei Adorno immerhin erkannte (Brief an Marcuse): „Die Gefahr des Umschlags der Studentenbewegung in Faschismus nehme ich viel schwerer als Du. Du müßtest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derjenigen sehen, die womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“

      Das Festhalten und der Ausbau der Doktrin der unbedingten Gleichheit finden häufig unreflektiert statt, in Deutschland und Österreich (aufgrund der bislang unbewältigten Schuld) meine ich die Forcierung der Gleichheitsdoktrin als, um sich von der Kollektivschuld zu distanzieren, versuchte “Meidbewegung”.
      Wer kritisch differenzierend dabei nicht einfach so mitschwimmt, macht sich auch schon verdächtig.
      Das wird freilich zu nutzen gewusst.

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