Karl Marx - Faktum Magazin

Gender-Marxismus

von C.G.Brandstetter

Die von internationalen Organisationen (Weltbank, UN, OECD, EU etc.) global forcierte1 Gender-Ideologie, die innerhalb der Gender-Studies sich verzweifelt um akademische Fundierung bemüht, hat ihre Wurzeln in (ökonomischem) Marxismus und (kulturellem) Neomarxismus (kritische Theorie der Frankfurter Schule). Beim Gender-Mainstreaming geht es offensichtlich um Gleichstellung einerseits von Mann und Frau und andererseits um die Gleichstellung der sozialen Geschlechter, die homo-, inter-, transsexuelle umfassen. Unter dieser banalen Oberfläche scheinbar geförderter Toleranz geht es den Strategen der Gender-Doktrin tatsächlich um weit mehr, u. A. um die Etablierung sozialer Spannungen (zu eigenen auch wirtschaftlichen Gunsten). Der folgende Text geht der chronologischen Entwicklung der dahinterliegenden Gesellschaftsideologien nach und beleuchtet die maßgeblichen Eckpunkte.

Die 1968er-Bewegung entstand aus den kritischen Theorien der Vertreter der Frankfurter Schule (Institut für Sozialforschung), die ihrerseits von Engels und Marx inspiriert waren und die den sozialpolitischen Wandel bereits während, aber insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, im Auftrag insbesondere des amerikanischen Geheimdienstes (OSS)2,3 vorantrieben (Reeducation).4

Innerhalb der 1968er-Bewegung beriefen sich die marxistischen Feministinnen5 insbesondere auf Friedrich Engels (1884) Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (PDF; 2,8 MB).6 Diese Schrift diente den Feministinnen zur Argumentation sozialen Wandels.7 Engels geht darin davon aus, dass menschheitsgeschichtlich die Einzelehe mit Sesshaftigkeit und Privatbesitz und insofern (klareren) Erbverhältnissen entstand.

Friedrich Engels - Privateigenthum - NICHT-FeministErst aus dieser Entwicklung zu Privatbesitz und Einzelehe resultiere das Patriarchat sowie Sklaverei, Leibeigenschaft und die Unterdrückung der Frau(en). 8

Engels erklärt beispielsweise (S. 68): „Der erste Klassengegensatz, der in der Geschichte auftritt, fällt zusammen mit der Entwicklung des Antagonismus von Mann und Weib in der Einzelehe, und die erste Klassenunterdrückung mit der des weiblichen Geschlechts durch das männliche.“

Engels und Marx schlussfolgern letztlich, dass die als grundsätzlich negativ verstandene (und insofern als abzuschaffen postulierte) ökonomische Differenz zwischen Arbeiter- und Kapitalistenklasse aus patriarchalen Familienbedingungen und davon abhängiger Kindererziehung resultiere9 bzw. daraus reproduziert wird (wie uns später ein wichtiger Vertreter der Frankfurter Schule Max Horkheimer noch näher erklären wird).

Engels postuliert, dass Liebe zwischen Mann und Frau in der Einzelehe nur innerhalb der (unterdrückten) Klasse des Proletariats10 möglich sei, da Eigentum und damit der materielle Ehezweck fehlen.11 12 In der besitzenden Klasse sei der Mann als Ernährer der Familie ihr Herrscher.13 Zu einer „Befreiung der Frau“ sei, nach Engels, der Zugang der weiblichen Gesamtheit zur öffentlichen Industrie notwendige Grundbedingung und dass dies „die Beseitigung der Eigenschaft der Einzelfamilie als wirtschaftlicher Einheit der Gesellschaft erfordert“.14 Engels außerdem: „Mit dem Übergang der Produktionsmittel in Gemeineigentum hört die Einzelfamilie auf, wirtschaftliche Einheit der Gesellschaft zu sein. Die Privathaushaltung verwandelt sich in eine gesellschaftliche Industrie. Die Pflege und Erziehung der Kinder wird öffentliche Angelegenheit.“ 15

Willkommen im Kommunismus. Die unermüdliche Propagierung der Gender Pay Gap (statistisch schlechtgerechnete monatliche Einkommenslücke zwischen Männer und Frauen, ungeachtet ihrer Stundenzahl pro Monat)16 und den (privaten) Unternehmen weiterhin zu verordnen gesuchten Quotenregelungen dient insofern auch einer öffentlichen Einflussnahme auf Familienordnungen (aus der Manipulation der Beitragsrelationen17 jeweiliger Familienmitglieder), die neuen gender-konformen Bildungspläne (der deutschen Länder)18 entsprechen Engels Forderung einer „Kindererziehung als  öffentliche Angelegenheit“ und erinnern an Georg Lukacs Umerziehungsprogramm (mittels „speziellen“
Sexualkundeunterrichtes) von Kindern in Ungarn 1919.19

Innerhalb der sogenannten „Ungleichheitsforschung“ bzw. der politisch-korrekt adaptierten
Kindheitssoziologie (new social childhood studies) erhärten sich Verdachtsmomente gesellschaftlicher Umerziehungsbestrebungen. Die führende Kindheitssoziolgin Doris Bühler-Niederberger postuliert auf Basis von Marx20 und Horkheimer (Frankfurter Schule) das Konzept der in der Familie reproduzierten „Ordnungsfähigkeit“. Aufgrund traditionell-patriarchaler Erziehung der Kinder (Familie als „Agentur der Gesellschaft“)21 reproduzieren diese als Erwachsene demnach gesellschaftliche Ungleichheiten (class, gender, ethnic, generation) in der Gesellschaft, so das Konzept. Eine Überwindung der „patriarchalen“ (als ungleichheitsfördernd verstandenen) Gesellschaft könne also nur gelingen, wenn die Familie nicht nur „depatriarchalisiert“ (sondern auch die Ordnung unter Eltern und Kindern aufgehoben) wird. Gender-Leute strapazieren dafür den abwertenden Begriff „Adultismus“, der signalisieren soll, dass Kinder von Erwachsenen tendenziell unterdrückt werden.22 Generationale Familienordnungen seien insofern aufzulösen, was darauf hinausläuft, dass „man“ Kindererziehung eben nicht ausschließlich den „noch nicht politisch-korrekten“ (gesellschaftlich „nachhinkenden“) Eltern überlassen dürfe.

Dieses Konzept („Ordnungsfähigkeit“) der „modernen Kindheitssoziologie“ entspricht exakt den Thesen, die bereits in den Studien über Autorität und Familie (1936) der Frankfurter Schule (insbesondere durch Fromm und Horkheimer) postuliert wurden und im Rahmen der Reeducation der Deutschen (ab 1945) den Wandel zu demokratischer Erziehung theoretisch fundierten.

„Die Familie besorgt, als eine der wichtigsten erzieherischen Mächte, die Reproduktion der
menschlichen Charaktere, wie sie das gesellschaftliche Leben erfordert, und gibt ihnen zum
großen Teil die unerlässliche Fähigkeit zu dem besonders gearteten autoritären Verhalten, von dem der Bestand der bürgerlichen Ordnung in hohem Maße abhängt.“ (Max Horkheimer)23

„Infolge der scheinbaren Natürlichkeit der väterlichen Macht, die aus der doppelten Wurzel seiner ökonomischen Position und seiner juristisch sekundierten psychischen Stärke hervorgeht, bildet die Erziehung in der Kleinfamilie eine ausgezeichnete Schule für das spezifisch autoritäre Verhalten in dieser Gesellschaft.“ (Max Horkheimer)24

Für die Marxisten ist Autorität grundsätzlich negativ konnotiert, insbesondere ist die Achtung gegenüber dem „autoritären“ Vater grundsätzlich zu verweigern, schließlich solle die Klasse der Arbeiter auch ihren Respekt gegenüber dem „Kapital“ abbauen (der Unternehmer wird häufig als der Klasse des Kapitals automatisch zugehörig angesehen, seine Beiträge nicht nur nicht geachtet, sondern relativiert). 2015 wurde die Begrifflichkeit das demokratische Unternehmen25 etabliert.26

Rudolf Willeker bringt es wie folgt auf den Punkt: „Habermas fordert und verspricht wie Horkheimer die (völlig) herrschaftsfreie Gesellschaft. Diese Perspektive bedarf der kritischen Anmerkung: Wenn niemand herrscht, wenn weder der Staat noch die Gesetze herrschen dürfen, dann herrschen alle, dann herrschen insbesondere die Mächtigeren, die Kräftigeren, die Durchsetzungsfähigeren. In der herrschaftsfreien Gesellschaft herrscht das Prinzip homo homini lupus bzw. bellum omnium contra omnes, „herrschen Anarchie und das Recht des Stärkeren.“27

Die Strategie der Anprangerung hierarchischer Gesellschaftsordnungen und die PR-Strategie der Toleranz für Alle28 („keine Toleranz gegenüber Intoleranz“) dient der Bildung, der Festigung und dem Ausbau informaler Strukturen29,30 während verdeckte aber um so verbissenere Machtkämpfe31 unter den „Gleichen“ auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen erfolgreich davon ablenken und die aus der Frankfurter Schule entstammenden Intellektuellen (wie Jürgen Habermas) von (einem fortgesetzten) 32 Strukturwandel der Öffentlichkeit träumen.

Scheinbar paradoxerweise wird mit dem Auflösungsversuch jeglicher (gesellschaftlicher) Differenz und dem Versuch der weitflächigen Integration (aufgrund der engagierten Beteiligung auch der neoliberalen Organisationen insofern höchstwahrscheinlich vorsätzlich) gesellschaftlich bis in die Kleinfamilie struktureller Egoismus etabliert, ein Dilemma, das letztlich Konflikte viel mehr nährt. 33

Fußnoten
  1. Vgl. Brandstetter 2016 (PDF; 315 kB), S. 2 f.
  2. OSS war der Vorläufer des strategischen Auslandgeheimdienstes CIA. Das OSS war involviert in das 1948 gegründete American Committee on United Europe und drängte ab 1965 auf eine europäische Währungsunion (vgl. Richard J. Aldrich:
    OSS, CIA and European unity: The American committee on United Europe, 948-60 (PDF; 2,4 MB)
  3. Vgl. Raffaele Laudani (Hg): Im Kampf gegen Nazideutschland. Die Berichte der Frankfurter Schule für den amerikanischen Geheimdienst 1943-1949. Frankfurt 2016
  4. Vgl. vgl. Daniel Heller: Die Frankfurter Schule – das Primat der Theorie. In: Sozialrevolutionärer Terrorismus. Theorie, Ideologie, Fallbeispiele, Zukunftsszenarien (Hg. Alexander Straßner). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, S. 125.
  5. Die Gender-Theorie wurde aus Theoriebausteinen des Feminismus, teilweise aus dem Radikal-Feminismus („radikal-lesbisch“ – vgl. Brandstetter 2016, S. 1) – vgl. 50 Key Concepts in Gender Studies (PDF; 848 kB) – und aus Pseudo-Sexualforschung
    („Sexuelle Befreiung“) zusammengesetzt. Die Frankfurter Schule, insbesondere Marcuse strapazierte argumentativ den Begriff der „Triebunterdrückung“ nach Freud zu einer Synthese mit Marx. Vgl. Helga Grebing: Ideengeschichte des Sozialismus in Deutschland, Teil II. In: Geschichte der sozialen Ideen in Deutschland. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 498.
  6. Vgl. Sara Delamont: Feminist Sociology, Sage Publications, London 2003, p. 105: „Feminist attention to Engels began in the late 1960s […]. This book [The Origins of the Family, Private Property and the State] did address sex, gender and the reproduction of labour power. Quotes form Origins were an obligatory part of the manifestos of all the Marxist women ́s liberation groups, and in the early academic feminism […].“
  7. Ebd.: „Because Engels recognised that the Victorian bourgeois family was not the acme of an evolutionary process, but merely a transitory form, his ideas were useful for feminists arguing for social change.“
  8. Ebd. S. 64 ff.
  9. Ebd. S. 61, Engels zitiert darin Marx wie folgt: „Die moderne Familie enthält im Keim nicht nur Sklaverei (servitus), sondern auch Leibeigenschaft, da sie von vornherein Beziehung hat auf Dienste für Ackerbau. Sie enthält in Miniatur alle die
    Gegensätze in sich, die sich später breit entwickeln in der Gesellschaft und in ihrem Staat.“ Später nehmen Fromm (1932) und Horkheimer (1936) diesen Gedanken von Marx zu ihren gesellschaftspolitischen Thesen (Der autoritäre Charakter bzw. Die autoritäre Persönlichkeit) auf, postulieren patriarchale Familienverhältnisse als Grundbedingung bzw. Ursache zu faschistischen Regimen.
  10. Vgl. Wolfgang Waldner (Link): „Die industrielle Revolution hatte das Proletariat hervorgebracht, das unter unmenschlichen Bedingungen in den Fabriken für einen Lohn zu arbeiten hatte, der nur für ein Leben als Hungerleider in Lumpen und im Elend reichte. Männer, Frauen und Kinder hatten jeden Tag über 10 Stunden zu schuften und schliefen zu mehreren, auch mit wildfremden Schicksalsgenossen, nicht nur in einem Zimmer, sondern in einem Bett. Ein Leben ohne jede menschliche Würde, ohne jede Hoffnung, ein Leben, das kein Bürger führen oder seiner Familie zumuten wollte. Marx und Engels brachten es jetzt fertig, den Lesern ihres Kommunistischen Manifests (PDF; 1,6 MB) zu verkünden, dass in Zukunft alle Menschen zu Proletariern würden und dass genau dies die Verheißung des Kommunismus wäre.“
  11. Ebd. S. 73.
  12. Ebd. S. 73 f: „Und vollends seitdem die große Industrie die Frau aus dem Hause auf den Arbeitsmarkt und in die Fabrik versetzt hat und sie oft genug zur Ernährerin der Familie macht, ist dem letzten Rest der Männerherrschaft in der Proletarierwohnung aller Boden entzogen […].“
  13. Ebd. S. 75: „Der Mann muß heutzutage in der großen Mehrzahl der Fälle der Erwerber, der Ernährer der Familie sein, wenigstens in den besitzenden Klassen, und das gibt ihm eine Herrscherstellung […].“
  14. Ebd. S 76.
  15. Ebd. S. 77.
  16. Lt. Maria Rauch-Kallat (damals österreichische Frauenministerin) in einem Interview in der Frauenzeitschrift Woman, 2003.
  17. Freilich verlangt die Position des Ernährers bzw. der Beitrag des existenziellen Versorgers der Familie hohen Stellenwert. Von den Vertreterinnen der Gender-Studies wird insofern die Versorgerposition des Mannes abzuschaffen getrachtet. In den Gender-Studies wird „männliche Dominanz“, „ausbeutende Macht“ und „Patriarchat“ unreflektiert negativ konnotiert. Zu dysfunktionalen Enthierarchisierungen beispielsweise in Unternehmen das Politisierungsdilemma, in Familien die Dynamik der Parentifizierung.
  18. Insbesondere das Unterrichtsprogramm Sexualpädagogik der Vielfalt, aufgrund der naheliegenden Verdächtigungen hinsichtlich der Ziele des Autorenklüngels um den deutschen „Chefsexualpädagogen“ Uwe Sielert, wurde nach offiziellen Angaben teilweise als Unterrichtsprogramm abgeschwächt. Nach offiziellen Angaben sei frühe Sexualerziehung (durch Pädagogen) als Prävention von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern wesentlich, tatsächlich gesteht Sielert (2010) aber ein, dass die deutsche Sexualpädagogik weder über Kompetenz noch über Erfahrung hinsichtlich der Thematik verfügt – vgl. Impulsvortrag Sielert 2010 (PDF; 25 kB), S. 1.
  19. Vgl. Laszlo Pasztor in: Die Geschichte der Political Correctness – Frankfurter Schule (youtube, ab Min. 2,35).
  20. Karl Marx: „Sie [die Familie] enthält in Miniatur alle die Gegensätze in sich, die sich später breit entwickeln in der Gesellschaft und in ihrem Staat.“
  21. Vgl. Fromm (1932): Über Methode und Aufgaben einer analytischen Sozialpsychologie. In: Zeitschrift für Sozialforschung, Bd. 1: „Die Familie ist das Medium, durch das die Gesellschaft bzw. die Klasse die ihr entsprechende, für sie spezifische Struktur dem Kind und damit dem Erwachsenen aufprägt; die Familie ist die psychologische Agentur der Gesellschaft.“ „Fromms Untersuchungen über den autoritären Charakter und seine Reproduktionsbedingungen in der bürgerlichen Kleinfamilie als ‚Agentur der Gesellschaft‘ (1932a, GA I, S. 42) wurden z. Zt. der Studentenbewegung wieder aufgegriffen; sie sind aber auch heute noch unverändert aktuell.“ (Helmut Johach: Erich Fromm und die Kritische Theorie des Subjekts, S. 5).
  22. Vgl. Gender Institut Bremen: Glossar Adultismus.
  23. Max Horkheimer in: Theoretische Entwürfe über Autorität und Familie, S. 49 f.
  24. Vgl. Hermann Korte: Einführung in die Geschichte der Soziologie. Wiesbaden 2013, S. 147.
  25. Einladung zur Konferenz am 12. Februar 2015, Technische Universität München: Das demokratische Unternehmen. Aufbruch in eine neue Humanisierung der Arbeitswelt?
  26. Peter Laudenbach: Demokratie ist die langsamste Form des Wandels (PDF), S. 1. Vgl. Stefan Kühl (2015): Wie demokratisch können Unternehmen sein? (PDF)
  27. Rudolf Willeker (2003): Die Hintergründe der 68er-Kulturrevolution. Frankfurter Schule, Kritische Theorie und die Zersetzung der deutschen Gesellschaft (PDF; 94 kB).
  28. Vgl. European Council on Tolerance and Reconciliation (2013): A European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance (PDF; 319 kB)
  29. Vgl. Boris Holzer: Rezeption von »The Tyranny of Structurelessness« (PDF; 150 kB). In: Schlüsselwerke der Organisationsforschung (Hg. Stefan Kühl), Wiesbaden 2015, S. 282 f.
  30. Zu informalen Strukturen etwa auch Nowotny (1997): „[…] was langfristig eine verstärkte Kontrolle der Kapitalmärkte über die Entwicklung des öffentlichen Sektors nach sich zieht […].“ (Ewald Nowotny: Neoliberalismus und öffentlicher Sektor – Entwicklung und Alternativen. In: Wirtschaftspolitische Alternativen zur globalen Hegemonie des Neoliberalismus, Wien 1997, S. 78).
  31. „Wie Stefan Kühl an der exemplarischen Analyse einiger besonders fortgeschrittener ‚postbürokratischer‘ Organisationen gezeigt hat, geraten diese in ein ‚Politisierungsdilemma‘, d. h. die Auflösung von starren Hierarchien und genau abgegrenzten Zuständigkeitsrevieren schafft neue Unsicherheitszonen, eine Art Machtvakuum. ‚Die verflüssigten Strukturen begünstigen die inneren Konkurrenzen und sind manchmal Nährboden für heftige Machtkämpfe.‘ (Kühl 1994, 104).“ (Siegfried Rosner: Systeme in Szene gesetzt. Organisations- und Strukturaufstellungen als Managementinstrument und Simulationsverfahren. Leonberg  2006 (Nachdruck 2015), S. 117).
  32. Vgl. Steffen Mau: Horizontale Europäisierung – eine soziologische Perspektive. In: Interdisziplinäre Europastudien. Eine Einführung. Wiesbaden 2015, S. 100: „Das normative Anliegen dieser Autoren [Beck, Grande, Delanty, Rumford, Habermas] besteht in der Forderung nach einer sozialen Ordnung Europas, die Offenheit, Toleranz und Reflexivität aufweist, und sich den heutigen Herausforderungen von Entgrenzung und Globalisierung zu stellen vermag. Es kann, anders als im Zeitalter der Nationalstaaten nicht mehr um die Abwehr von Andersartigkeit, die Abschottung von Fremden und die Förderung nationaler Homogenität gehen. Die Welt ist verflochten und hochgradig interdependent. Deshalb benötigt Europa einen neuen Integrations- und Identitätsbegriff, der Vielfalt und die Anerkennung von Differenz in sich aufnimmt und gleichfalls den bislang nationalstaatlich geprägten Souveränitätsbegriff ablegt (Risse 2010). In der postnationalen Konstellation (Habermas 1998) muss es darum gehen, neue Formen der Einbeziehung, Partizipation und politischen Willensbildung zu finden.“
  33. Aber sofern ganze Gesellschafts- und Wirtschaftsysteme letztlich nicht kooperieren und scheitern, haben die (Neo-)Marxisten dennoch Recht behalten, schließlich sei dem Kapitalismus regelmäßig sein Scheitern immanent, wie der der Frankfurter Schule auch später noch nahestehende Henryk Grossmann mit seiner Zusammenbruchstheorie schon 1929[!] erläuterte und damit die wirtschafts-(neo-)liberalen (verursachenden) Kreise von vorsätzlicher Verursachung entlastet(e). Die Krise bedeutet grundsätzlich die Legitimation unangenehmer Maßnahmen (zu Gunsten jener, die vorab planten bzw. über
    Pläne zu eigenen Vorteilen bereits in ihren Schubladen verfügen). Siehe auch Waldner (Link): „Der deutsch-polnische Ökonom Henryk Grossmann (1881–1950) formulierte 1929 in seiner Schrift Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems: ‚Unsere Aufgabe besteht darin, zu zeigen, wie der kapitalistische Reproduktionsprozess durch Ursachen, die aus dem Wirtschaftskreislauf selbst entspringen, notwendig in zyklischen, also periodisch sich wiederholenden Auf- und Abstiegsbewegungen verläuft und schließlich zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems führt. ‘ (S. 79).“

 

 

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