DiskussionFeminismusGastbeiträge

Armut ist sexistisch – eine Polemik

„Armut ist sexistisch“
sagt der Stern. Na, da sieht man mal wieder, daß In Deutschland ein übler Sexismus gegen Männer betrieben wird.

Tja, aber irgendwie meint Sternchen das wohl anders, denn:

„Hungrig, krank und schlecht ausgebildet: Die Situation vieler Frauen in Entwicklungsländern ist dramatisch. Armut, so eine Studie zum Internationalen Frauentag, ist sexistisch.“

Ach? Es geht gar nicht um Armut, sondern nur um die armen Frauen.

Kinder, Greise, Männer gar, sind egal?

Okay, was steht denn nun in der Studie?

Nix, außer Geschwafel scheinbar. Jedenfalls war sie dem Stern wohl zu peinlich um sie zu verlinken, oder wenigsten ein paar ganz konkrete Ergebnisse zu zitieren.

Stattdessen wird das Werk dreimal demonstrativ ganz am Anfang des Geschreibsels erwähnt und dann totgeschwiegen. Allerdings erfährt man, daß eine „Entwicklungsorganisation“ (was immer das sein soll, ich lese diesen seltsamen Begriff zum ersten mal) namens ONE sie verfasst hat. Und wer ist das die zuständige … äh…..Botschafterin? Ach, Frau Furtwängler, die Gattin vom Focus-Eigentümer Burda. Und weiter unten wird auch noch die Welt am Sonntag von Springer ganz wichtig zitiert (ein paar Celebs sollen einen Benefit-Zettel unterschrieben haben, der an eine Missus Mörkel geschickt wurde – who the Heck is this Mörkel?). Klar, das muß also echt wissenschaftlich abgegangen sein, bei dieser Studie.

Daß Frauen in Sierra Leone 157 mal mehr sterben bei der Geburt eines Kindes, als in Deutschland, wurde da herausgefunden. Das ist natürlich schlimm, in der Tat. Aber wo ist da der Sexismus? Ach sooo, das liegt daran, daß die Männer ihnen nicht die Landmaschinen und das Saatgut geben. So so. Verstehe, ja, würden diese Mütter den Acker selbst bestellen, anstatt die Väter, würden sie bestimmt 157 mal weniger sterben, is klar, nä? Logisch, Frau Burda hat ja auch irgendwann mal angeblich als Ärztin gearbeitet, deshalb weiß sie sowas natürlich. Ich kenne zwar keinen Arzt, der sich als solcher in Sierra Leone im Statistikbereich beschäftigt hat, aber Furtwängler als Tatortkommissarin hat das bestimmt besser „kombiniert“ als Sherlock Holmes.

Und schließlich hat auch irgendein unbekannter Verband namens Venro (Ven-what?) die UN aufgefordert, Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit gar, in die Entwicklungsziele mit aufzunehmen. Muß wohl ein Deppenverband sein, der aus Menschen besteht, die noch nicht gelernt haben, was ein Ideal ist und, daß man ein solches nie erreichen kann. Ich denke, Bildung wäre da ein naheliegenderes Ziel, oder?

Aber nein, selbst die Chefin von Facebook (und ich dachte, das wäre dieser Marc Zuckerberg, wie man sich doch irren kann) unterstützt Furtwänglers Verein:

„Mütter investieren in ihre Töchter und Söhne und stärken das Gemeinwesen“, erklärte Facebook-Chefin Sandberg, die die Kampagnenorganisation One im Kampf gegen die Armut unterstützt.“

Wie, Väter nicht? Und war das eben nicht noch eine „Entwicklungsorganisation“? Hmmm!
Sicher auch ein Ergebnis dieser Studie, die lieber nicht konkret benannt werden möchte.
Auf solch dämliche Unterstützer könnte ich verzichten.

So geht es weiter mit Geschwätz, das einem Quietschgeräusche zwischen den Kopfhörern verursacht.

Okay, ein Ergebnis dieser Studie – sofern es überhaupt eines ist, ich denke, es ist wohl eher eine Meldung irgendeiner Presseagentur – besagt, daß Pakistan ( na ja, eine Provinz dort ) das Heiratsalter für Mädchen von 16 auf 18 Jahre erhöht hat und Kinderhochzeiten jetzt mit (lächerlich geringen) Geldbußen bestrafen will. Das ist schön, aber sicherlich nicht dem Getröte von Feuchtwängler und ihrem Club zu verdanken.

Eigentlich macht der ganze Artikel den Eindruck, als wenn der Chefredakteur einen Freiwilligen bestimmt hat, der dazu verdonnert wurde, irgendwas ganz tolles und gleichzeitig ganz dramatisches zum Weltfrauentag zu schreiben, ob ihm das nun passt oder nicht. („Müller, Sie machen das jetzt und basta! Nix da, mit mit immer nur über’n FC St Pauli schreiben!“)

So fällt dem armen Schreiberling dann zu Deutschland auch nix anderes ein, als, daß die AIDS-Hilfe angeblich gesagt haben soll, daß Ärzte Frauen diskriminieren, indem sie sie zu selten auf HIV testen.
Facepalm!

Nur als Hinweis für ganz unbedarfte: kein Arzt testet mal eben diesen oder jenen auf HIV, das muß man schon schon selbst initiieren und warum das angeblich Frauen seltener tun als Männer, weiß ich nicht, aber den Ärzten würde ich das nicht gerade in die Schuhe zu schieben versuchen. Oder soll damit gesagt werden, daß das bestimmt die männlichen Ärzte sind, die patriarchalerweise die armen Frauen – Armut ist ja sexistisch, you remember? – unterdrücken und ihnen regelmäßige Aidstests verweigern?

Nachzulesen ist das oberpeinliche Geschwafel hier:

Stern: Weltfrauentag: Armut ist sexistisch

Also da fand ich den Artikel von Wolf Jacobs, oder besser von Ravi Kumar über die Gendersituation in Indien letztens deutlich informativer und vor allem: nicht so hilflos und konfus zusammengeschmiert!

Indien: Die Menschenrechte der Männer

Teilen:

Gefällt Ihnen unsere Arbeit?

Spenden Sie doch einen kleinen Betrag für unsere Kaffeekasse!

oder: Überweisungsdaten.

TagsUN
%d Bloggern gefällt das: